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Tour de France 2008 : Rote Karte für das Gelbe Trikot

  • Aktualisiert am

Andreas Klöden: Falscher Rennstall zur falschen Zeit Bild: AFP

Wegen der Dopingskandale von 2007 wird der Astana-Radrennstall mit Andreas Klöden und Vorjahressieger Alberto Contador nicht zur Tour de France 2008 eingeladen. Zuvor hatte Astana bereits das Aus für den Giro d'Italia hinnehmen müssen.

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          Dem besten deutschen Radprofi Andreas Klöden droht eine Saison unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Veranstalter der Tour de France luden Klödens Astana-Team für die diesjährige Frankreich-Rundfahrt aus und folgten dem Beispiel der Organisatoren des Giro d'Italia. Damit kann auch der spanische Tour- Sieger Alberto Contador sein Gelbes Trikot nicht verteidigen. „Es gibt keine Chance, dass Astana bei der Tour startet. Astana ist bei keinem der Rennen willkommen, die wir 2008 organisieren“, sagte Sprecher Matthieu Desplats vom Tour-Veranstalter ASO.

          Sieben Monate nach der Skandal-Tour 2007, bei der Astana-Kapitän Alexander Winokurow des Fremdblut-Dopings überführt und der dänische Spitzenreiter Michael Rasmussen ausgeschlossen worden war, sorgt die Frankreich-Rundfahrt wieder für Schlagzeilen. Doch diesmal will ASO mit dem Astana-Ausschluss 142 Tage vor dem Start am 5. Juli in Brest präventiv ein klares Zeichen im Anti-Doping-Kampf setzen und nimmt damit auch den möglichen Unmut von Zuschauern und Teams in Kauf. „Astana hat das Vertrauen der Veranstalter in den vergangenen Jahren missbraucht“, hieß es in einer ASO-Erklärung.

          Astana bestürzt: „Die Entscheidung ist nicht korrekt“

          Die Astana-Verantwortlichen reagierten bestürzt: „Die Entscheidung ist nicht korrekt. Wir sind sehr überrascht und verstehen das nicht“, sagte Teamsprecher Philippe Maertens. Die kasachische Equipe habe ein völlig neues Team ohne die Dopingsünder der Vergangenheit aufgebaut und eine teures Anti-Doping-Programm installiert: „Mehr können wir nicht tun.“

          Alberto Contador: Tour ohne Titelverteidiger
          Alberto Contador: Tour ohne Titelverteidiger : Bild: REUTERS

          Martens schloss ein juristische Auseinandersetzung mit der ASO aber praktisch aus: „Ein Organisator kann einladen, wen er will.“ Zu allem Überfluss droht Astana womöglich noch der Verlust seines Kapitäns. In Spanien hieß es, Contador könne bei Astanas Tour- Ausschluss seinen Vertrag kündigen und sich einen neues Team suchen.

          Drei Fahrer fürs Podium, aber kein Rennen

          Die Tour-Veranstalter, die mit dem Weltverband UCI im Dauerclinch liegen und eine eigene Rennserie ins Leben gerufen haben, betonen, dass der kasachische Rennstall künftig eventuell wieder eine Chance bekommen könnte: „ASO wird aufmerksam verfolgen, welche Anstrengungen Astana unternimmt, um die Saison 2008 ohne Affären und Verdächtigungen zu absolvieren.“ Desplats konkretisierte: „Falls Astana ein Jahr lang in keinen Dopingfall verwickelt ist, werden wir den Fall neu betrachten.“

          Doch zumindest in dieser Saison müssen Klöden und Co. die Saisonhöhepunkte aus der Ferne verfolgen. Für die neu ausgerichtete Mannschaft des Belgiers Johan Bruyneel ist die Rote Karte durch die ASO der zweite schwere Schlag. Vor zehn Tagen hatte Astana bereits das Aus für den am 10. Mai beginnenden Giro d'Italia hinnehmen müssen. Besonders bitter: Nach der Verpflichtung von Titelverteidiger Contador und des Amerikaners Levi Leipheimer hätte der Rennstall bei beiden Rennen drei aussichtsreiche Anwärter für das Podium gehabt.

          Neue Gesichter, aber kein Schaufenster

          Während der vergangenen Tour war der Kasache Winokurow in Diensten von Astana des Fremdblut-Dopings überführt worden. Kurz nach Winokurow, dessen Enttarnung zum Tour-Rückzug des gesamten Teams führte, wurde auch sein Landsmann Andrej Kaschetschkin wegen des gleichen Vergehens belangt. Bereits Ende April war der Nürnberger Matthias Kessler positiv auf Testosteron getestet worden. Alle drei Fahrer sind nicht mehr für Astana aktiv.

          Stattdessen hat Bruyneel, der als Regisseur der Siegesserie des siebenfachen Tour-Champions Lance Armstrong gilt, ein neues Team mit neuen Gesichtern aufgebaut. Doch die bekommen die Radsport-Fans bei Tour und Giro nicht zu sehen.

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