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Torflut beim Wasserball : 64:0 in 32 Minuten

  • Aktualisiert am

Synchronschwimmen mit Ball: Deutschlands Julian Real (vorne) vor Kenta Araki Bild: dpa

Historischer Untergang: Die Wasserball-Frauen von Gastgeber Südkorea verlieren 0:64 gegen Ungarns Auswahl. Den deutschen Männern gelingt bei ihrem WM-Comeback ein Remis.

          Hagen Stamm blickte nach dem nervenaufreibenden WM-Comeback der deutschen Wasserballer sorgenvoll seinem Sohn nach. Gestützt und mit einem Eisverband am linken Sprunggelenk verließ Marko Stamm die Anlage in Gwangju. Weitaus mehr als der verpasste Sieg im ersten Weltmeisterschaftsspiel seit sechs Jahren beim 9:9 (3:2, 4:3, 1:3, 1:1) gegen Japan drückte die Verletzung des Leistungsträgers auf die Stimmung. Nach Angaben des Deutschen Schwimm-Verbandes erlitt der 30 Jahre alte Spieler einen Bänderriss. „Es könnte das Ende des Turniers sein. Das wäre für uns eine Katastrophe. Aber wir müssen sehen, dass wir das Beste draus machen“, sagte Stamm, der sich eine andere Rückkehr seiner Auswahl ins internationale Rampenlicht erhofft hatte.

          „Wir waren heute schon beim Teufel auf der Schippe“, sagte Vater Stamm nach dem Spiel. „Wir sind wieder da. Die WM ist für uns ein weiterer Schritt zurück auf die Weltbühne.“ Das große Ziel sind die Sommerspiele in Tokio. Doch dazu muss sich die deutsche Auswahl steigern. Gegen die Japaner tat sich die Mannschaft am Montag noch schwerer als erwartet. Torhüter Moritz Schenkel verhinderte den K.o. – und vier Sekunden vor dem Spielende rettete der Ausgleich von Kapitän Julian Real das Team, für das Marko Stamm als dreifacher Torschütze geglänzt hatte. „Er hat ein Riesenspiel gemacht“, sagte der Papa.

          Der nächste Gruppengegner ist am Mittwoch Brasilien, das gegen den Olympia-Dritten Italien mit 5:14 verlor. „Wir müssen das abhaken und gegen Brasilien zwei Punkte einfahren“, sagte Real. „Wir haben einen Punkt geholt, die WM-Rückkehr ist halb geglückt.“ Auch Deutschlands Wasserball-Legende Hagen Stamm sprach von einem „halb geglückten“ Turnier-Comeback. Wieder einmal hat er die Verantwortung in seiner Sportart übernommen, seit Ende 2016 ist er im Amt. Der 59-Jährige war schon von 2000 bis 2012 Bundestrainer und hatte die Auswahl zweimal zu Sommerspielen geführt. Als Spieler gewann er 1984 Olympia-Bronze – jetzt will er seine Jungs nach Tokio führen. Zuletzt hatte die Nationalmannschaft je zweimal die Qualifikation für Olympia und WM verpasst.

          Historisches Ergebnis bei den Frauen

          Die Wasserballerinnen aus Ungarn und Südkorea haben sich unterdessen einen besonderen Platz in der WM-Historie gesichert. Nach zwei Minuten stand es schon 5:0, dann ließen es die Ungarinnen etwas ruhiger angehen – sie trafen im Schnitt nur noch zweimal pro Minute. 64:0 (16:0, 18:0, 16:0, 14:0) hieß es am Ende der viermal acht Minuten gegen die WM-Neulinge aus Südkorea, die im Heim-Becken von Gwangju ein historisches Debakel erlebten.

          Wenigstens ist keine ertrunken: Südkoreas Frauen kassieren 64 Tore in 32 Minuten

          Bisher hatten die neuseeländischen Männer mit ihrem 1:38 gegen Kroatien 1994 in Rom den WM-Rekord für die höchste Niederlage gehalten. „Wir haben uns nach dem Spiel gesagt, dass wir es beim nächsten Mal besser machen“, sagte Südkorea-Spielerin Song Ye-Seo: „Wir sind ein Team, das noch erwachsen werden muss. Es war trotzdem eine Ehre, gegen eine Mannschaft zu spielen, die wir bisher nur auf YouTube gesehen haben.“

          Die WM-Gastgeber hatten erst vor einem Monat hastig ein Team zusammengestellt – aus früheren Schwimmern, die bis auf Kapitänin und Torhüterin Oh Hee-Ji (23) alle 2000 oder später geboren wurden. Körperlich waren die Koreanerinnen so unterlegen, dass sie kaum den Ball zur Mitspielerin brachten. Die 18 Jahre alte Song gab im ersten Viertel den einzigen Wurf aufs ungarische Tor ab. Oh und ihr Ersatz Kim Min-Ju wehrten auf der anderen Seite im gesamten Spiel nur drei Würfe ab.

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