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Fohlen kommen tot zur Welt : Tödliche Seuche unter Pferden

Eine Tierärztin macht einen Nasenabstrich bei einem Pferd. Bild: dpa

Erschütternde Nachrichten aus dem Reitsport: Weitere Pferde sterben am Herpesvirus. Der Turnier-Shutdown in Europa wird verlängert, die Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen sind wohl in Gefahr.

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          Trotz aller Gegenmaßnahmen schreitet die Ausbreitung der lebensgefährlichen Pferdeseuche EHV-1 in Europa fort und lässt Zweifel aufkommen, ob es dieses Jahr in Tokio überhaupt ein olympisches Reitturnier geben kann. Am Freitag hat der Weltverband (FEI) wegen der neuen, aggressiven Variante des Herpesvirus den Shutdown für alle Länder des europäischen Festlands, in denen Turniere geplant waren, bis zum 11. April verlängert und damit die Liste um Schweden erweitert. Insgesamt sind Fälle in zehn europäischen Ländern aufgetaucht, darunter auch Deutschland, wobei auch symptomlose Pferde positiv getestet wurden. Bei anderen wiederum greift das Virus das Nervensystem an.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Auch das trotz der Corona-Pandemie mühsam aufrechterhaltene Weltcup-Finale Springen und Dressur in Göteborg, das am 31. März beginnen sollte, muss ausfallen. Die FEI gibt die offizielle Zahl der am EHV-1 gestorbenen Pferde mit zwölf an. Der Weltverband wiederholte seinen Appell an alle Mitglieder, nicht mit Pferden zu reisen. Das Virus war von einer Turnierserie in Valencia aus verbreitet und bis zur Global Champions Tour nach Doha weitergetragen worden.

          Impfung hilft bei Variante nicht

          Dort wurden zwei Pferde des deutschen Reiters Sven Schlüsselburg, mit denen er zuvor in Valencia gewesen war, positiv getestet. Sie sind immer noch in Qatar und werden dort von Schlüsselburgs Schwester betreut. Nach der Rückkehr wurde bei einem belgischen Springpferd die neurologische Virus-Variante nachgewiesen, danach bei einem französischen Pferd, das mit diesem beim Transport in nahem Kontakt gewesen war. Inzwischen hat der Weltverband alle 85 Pferde, die in Doha gemeldet waren, und solche, die mit ihnen in Kontakt waren, gesperrt. Unterdessen kehrten auch von den Turnierserien in Vejer de la Frontera (Spanien) und Gorla Minore (Italien) infizierte Pferde heim. Gegen eine Infektion mit der neurologischen Variante von EHV-1 hilft die übliche Impfung nicht. Die Inkubationszeit kann mehr als zwei Wochen betragen.

          Erschütternde Nachrichten kommen aus dem Stall von Schlüsselburg in Ilsfeld in Baden-Württemberg. Dort sind zwei Pferde an dem Virus gestorben, sechs Fohlen kamen tot zur Welt. 21 von 60 Pferden wurden positiv getestet. „Hinter meiner Frau, meiner Familie, meinen Kunden und meinen Mitarbeitern liegen Wochen der Schlaflosigkeit, der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit“, schrieb er auf Facebook. „Ein Fohlen kam lebend zur Welt und hat etwa drei Minuten gelebt. Wir haben es gestreichelt und gewartet. Das Einzige, was wir tun konnten.“ Herpes-Infektionen sind der häufigste Grund für Fehlgeburten bei Stuten. „Wir befürchten, dass wir vielleicht alle Fohlen verlieren.“ Eines von Schlüsselburgs besten Nachwuchspferden, die Stute Ciao Bella, sei schwer erkrankt, schrieb der Springreiter. Das Pferd könne nicht selbst stehen und werde von einer Seilwinde gehalten. „Ihre Zukunft ist ungewiss, aber wir kämpfen um sie.“

          Der Reiter, der in Doha erstmals bei der hochkarätigen Global Champions Tour hätte starten dürfen, war mit seinen Pferden vom Vorbereitungsturnier in Valencia schon am 12. Februar abgereist, bevor der Ausbruch der Seuche dort festgestellt wurde. Seine Pferde Bud Spencer und Nascari standen eine Woche zu Hause im Stall, bevor sie nach Qatar geflogen wurden. Dort wurden sie sofort isoliert, danach positiv auf das Virus getestet. Es geht ihnen wieder gut.

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