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Tischtennis : Würdevolles Revival von Roßkopf und Fetzner

  • -Aktualisiert am

Würdevoller Abgang: Jörg Roßkopf (l.) und Steffen Fetzner Bild: picture-alliance / dpa

1989 gewannen Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner den Weltmeistertitel im Doppel. 20 Jahre später kehrte Fetzner für ein Revival aus dem Ruhestand zurück. Das Kurzzeit-Comeback des „Seniorendoppels“ endete im Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft.

          Einmal endet auch die schönste Geschichte. 27 Jahre nach ihrem Beginn, 20 Jahre nach ihrem Höhepunkt setzte eine verschlagene Vorhand von Jörg Roßkopf den letzten Punkt unter viele hundert Seiten Tischtennisgeschichte. Es war nur noch der Epilog, der sich bei den deutschen Meisterschaften in Bielefeld an diesem Wochenende abspielte. Das Doppel Jörg Roßkopf/Steffen Fetzner, das durch den Dortmunder WM-Gewinn 1989 zu einem Begriff im deutschen Sport wurde, trennte sich im Jahr 2000, nach dem Viertelfinal-Aus bei der Europameisterschaft in Bremen. Freunde aber sind sie geblieben. Und so trafen sie sich vor ein paar Wochen in Berlin auf der Party eines gemeinsamen Bekannten. Zwischen Sarah Connor, Oliver Pocher und einigen guten Getränken entstand die Idee, noch einmal zusammen anzutreten.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Es wurde kein glanzvoller Auftritt, aber dennoch ein würdevoller Abgang. Das Publikum verzieh Steffen Fetzner die paar Pfunde mehr, die er als Trainer in Qatar zugelegt hat. Und auch sein alter Partner ließ sich den Spaß nicht dadurch verderben, dass der sportliche Wert ihrer Darbietung begrenzt blieb. „Wir wussten schon vorher gut einzuschätzen, wie gut wir in Form sind“, sagte Roßkopf mit einem diabolischen Lächeln. Im Mai wird der Hesse 40, aber als Bundesligaspieler des TTC Jülich steht er noch voll im Saft.

          Viertelfinalaus fürs Seniorendoppel

          Sein Freund hat die 40 gerade hinter sich gebracht, betreibt aber längst keinen Hochleistungssport mehr. Für Hertha 06 Berlin hat er im Dezember zwei Oberligaspiele bestritten, eins gewonnen, eins verloren. Ansonsten spielt er in Qatar acht arabischen Talenten im Alter zwischen 13 und 18 Jahren Bälle zu. Die Vorbereitung auf Bielefeld fiel nicht besonders intensiv aus. „Ich war überrascht, wie gut es noch ging“, sagte Fetzner und bewertete die Vorstellung des WM-Doppels von 1989 damit positiver als viele andere in der Halle. Gerade wenn ihn die Gegner in Bewegung brachten, war seine Trefferquote nicht gerade herausragend. Aber es reichte zumindest für einen Triumph über das Alter.

          Das Seniorendoppel besiegte Markus Schlichter und Alexander Fischer, eine Kombination aus der Regionalliga und Verbandsliga, im Achtelfinale mit 3:2-Sätzen. Im Viertelfinale war dann Endstation. Die Saarbrücker Zweitligaspieler Jörg Schlichter und Alexander Flemming – die späteren deutschen Meister – gewannen 4:0. „Wir hatten auch in dieser Partie unsere Chancen, aber man hat gesehen, die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen“, kommentierte Roßkopf nüchtern. „Wir haben wahrscheinlich im ersten Spiel zu viel Kraft gelassen“, fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu.

          Roßkopf auf dem Weg ins Trainergeschäft

          Steffen Fetzner wirkte wirklich ziemlich geschafft nach den insgesamt neun Sätzen. „Ich brauche dringend eine Massage. Dass ich sie bekomme, war Bedingung, hier anzutreten“, sagte der Karlsruher mit einer gesunden Portion Selbstironie. Wehmut wollte an diesem späten Samstagnachmittag einfach nicht aufkommen, obwohl es ihre Abschiedsvorstellung war. „Das war’s, definitiv. Wenn Steffen noch mal spielen will, muss er sich einen anderen Doppelpartner suchen. Vielleicht macht ja Timo Boll mit“, erklärte Roßkopf.

          Der Einzeleuropameister von 1992 wird auch im Einzel nicht mehr bei Meisterschaften teilnehmen, nur noch ein Jahr in der Bundesliga dranhängen. Er hat den fließenden Übergang ins Trainergeschäft vollzogen, ist seit ein paar Monaten Assistent von Herrenbundestrainer Richard Prause. „Ich finde es grenzwertig, hier gegen Spieler anzutreten, die ich sonst betreue. Ich habe bei deutschen Meisterschaften nichts mehr zu suchen“, merkte Roßkopf ohne jeden Anflug von Nostalgie an.

          Wird das Erfolgsdoppel einmal Trainerduo?

          Auch sein Partner gibt sich keinen Illusionen hin. Ihn würde höchstens noch mal eine Teilnahme bei den Senioren reizen. Ob er aber Roßkopf dazu überreden kann? Da erscheint es wahrscheinlicher, dass sie als Trainer irgendwann wieder ein Doppel geben. Es wirkte wie eine kleine mündliche Bewerbung beim DTTB, als Fetzner darauf hinwies, wie gut er es findet, dass sein Freund Assistent des Bundestrainers geworden ist. „Überall in der Welt übernehmen ehemalige Spieler die Verantwortung, man muss ja nur nach China schauen, wer da auf der Trainerbank sitzt“, sagte der Karlsruher. Er erweckte nicht den Eindruck, auf ewig an Qatar gebunden zu sein.

          Die beiden als Trainerteam – das würde passen. Roßkopf und Fetzner haben sich gut ergänzt, seit sie als 14 Jahre alte Schüler in ein Doppel gesteckt wurden. Fetzner, der Vorbereiter, der Clevere, Roßkopf, der Mann für das Risiko, für den Abschluss mit Wucht. Der WM-Gewinn 1989 machte sie zu Tischtennis-Helden, wohlhabend und populär. Noch heute können sie hervorragend von ihrem guten Namen leben. Roßkopf bestätigt: „Ja, das stimmt, aber wir haben auch viel für die anderen Bundesligaspieler getan. Alle haben nach unserem WM-Sieg ein Schweinegeld verdient. Sie können sich bedanken, was wir für sie geleistet haben.“ Damit muss ja nicht Schluss sein. Vielleicht geht die Geschichte Roßkopf/Fetzner ja doch noch weiter.

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