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Tischtennis-Star Timo Boll : „80 Prozent betrügen“

  • -Aktualisiert am

„Die Beläge sind ein extremer Vorteil für die Chinesen“: Timo Boll. Bild: Reuters

Hart oder weich, rund oder wie ein Ei: Tischtennisprofi Timo Boll spricht im FAZ.NET-Interview über die Tücken der neuen Plastikbälle, chemisch behandelte Beläge – und die Tricks der unschlagbaren Chinesen.

          5 Min.

          Viele Spieler jammern über die neuen Tischtennisbälle aus Plastik. Wie sehr haben sie das Spiel verändert?

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Ich gehöre zu den Spielern, die das gar nicht so extrem sehen. Das Problem ist aus meiner Sicht vor allem, dass es viele verschiedene Arten von Bällen gibt. Sie sind zwar alle aus Plastik, haben jedoch ziemlich unterschiedliche Eigenschaften. Wie der Ballabsprung vom Tisch ist, wie der Ball aus dem Schläger hinauskatapultiert wird, wie er auf dem Tisch greift. Da gibt es nun im Gegensatz zu früher immense Unterschiede. Viele haben Umstellungsprobleme. Gerade wenn es in der Woche vor dem Spiel keine Möglichkeit gibt, mit den Wettkampfbällen zu trainieren.

          Mit wie vielen verschiedenen Bällen von wie vielen verschiedenen Herstellern spielen Sie?

          Ich trainiere, wenn das Spiel freitags oder sonntags stattfindet, die ganze Woche mit diesem betreffenden Ball. Da braucht man ein gewisses Arsenal an Bällen. Es gibt drei Bälle, die mit Abstand die besten sind: Butterfly, Nittaku und Joola. Die drei unterscheiden sich auch jeweils ein bisschen, aber sie sind alle hart, alle richtig rund, es macht einfach Spaß, mit ihnen zu spielen. Dann gibt es die Bälle von anderen Herstellern, die wahrscheinlich aber aus ein und derselben Produktionsfabrik stammen, die schlecht sind. Die sind weich, die sind wie Eier. Aber mit denen wird hauptsächlich gespielt.

          Wieso?

          Es gibt Ausrüsterverträge mit den Veranstaltern der Turniere und Meisterschaften. Und wer das beste Angebot abgibt, wird berücksichtigt.

          Und Sie haben tatsächlich jeden Ball jeder Marke, um mit ihm trainieren zu können?

          Ich habe mittlerweile wirklich jeden Ball in meinem Schrank liegen.

          Wie organisieren Sie das? Kaufen Sie sie, bestellen Sie sie?

          Von meinem Ausrüster Butterfly ist es natürlich kein Problem, die anderen nehme ich schon mal mit oder frage einfach die anderen Firmen, ob ich einen Karton haben könnte.

          Was macht einen Ball zu einem harten Ball und was zu einem weichen?

          Man hat ja seine langjährigen Erfahrungen mit den früheren Bällen aus Zelluloid. Und wenn man den Ball in einem bestimmten Winkel oder mit einer bestimmten Rotation oder einer bestimmten Härte trifft, dann erwartet man eine bestimmte Reaktion des Balles, dass er auf eine bestimmte Art und Weise vom Schläger wegspringt. Bei harten Plastikbällen ist das auch so gut wie immer der Fall. Die weichen Bälle versagen. Bälle mit viel Spin springen gar nicht erst ordentlich auf. Zudem glaubt man, hart geschlagene Bälle hart zurückzuschlagen, aber sie beschleunigen nicht richtig und fliegen nicht mal übers Netz. Die Qualität des Spiels leidet nachhaltig, weil die Spieler dadurch verunsichert werden. Manche kriegen einen richtigen Knacks. Die Ballwechsel sind im Schnitt schlechter geworden.

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          Schlechteres Produkt, schlechtere Marktchancen. Müssen die Tischtennisverbände reagieren und nicht mehr die Bälle nehmen, die den meisten finanziellen Gewinn bringen, sondern die sportliche Qualität sichern?

          Ich verstehe ja, dass man den Firmen eine gewisse Zeit einräumen musste, um sich auf Plastik umzustellen. Wir Spieler haben das hingenommen. Aber es passiert einfach nichts mehr seit vielen Monaten bei dieser Art von Bällen. Wir hören immer wieder, es ginge nicht besser.

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