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Tischtennis-Star Ovtcharov : „Ich möchte durch meine Kritik aufrütteln“

  • -Aktualisiert am

Siegertyp: Dimitrij Ovtcharov will die Chinesen besiegen Bild: Picture-Alliance

Dimitrij Ovtcharov hat sportlich noch viel vor und zeigt sich im Interview kampflustig: Der Europameister übt Generalkritik an Entwicklungen im Tischtennis und spricht über Probleme mit Plastikbällen sowie seinen Traum, den Chinesen Ma Long zu besiegen.

          10 Min.

          Sie sind ein Siegertyp, der sich seine Erfolge sehr hart erarbeiten muss, der sehr bewusst alles tut, um alles aus sich herauszuholen. Liegt diese Fähigkeit in den Genen, ist sie Ihnen anerzogen worden, oder haben Sie sie sich irgendwie anders angeeignet?

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Das ist schon Erziehung. Meine Eltern haben mir frühzeitig erklärt, dass diese Konsequenz wichtiger Bestandteil ist, um im Sport erfolgreich zu sein.

          Viele Eltern erzählen ihren Kindern viel. Wieso hat es bei Ihnen verfangen?

          Mein Vater hat mir nicht nur gesagt: Dima, mach das so und so, und dann läuft das schon. Er hat das tausend Male erklärt, auch an Beispielen, die manchem überzogen erscheinen mögen. Zum Beispiel: Wenn mir mein Vater im Training was erklärte, dann kaute ich häufig an meinen Fingernägeln herum. Dann sagte er mir: Wenn du das nicht kontrollieren kannst, dann kannst du auch nicht im Sport erfolgreich sein. Diese enorme Selbstdisziplin, Selbstkontrolle, akribische Planung, das alles hat er mir immer wieder nahegebracht. Er hat mir immer erklärt, wenn ich heute nicht alles gegeben habe, kann ich es morgen nicht mehr nachholen. Beginnend bei den kleinsten Lappalien. Und irgendwann habe ich festgestellt, je intensiver ich daran arbeite, desto erfolgreicher werde ich im Sport. Und mit einem besseren Gefühl gehe ich dann auch in große Wettkämpfe. Wenn ich mir sagen kann, ich habe mich sehr gewissenhaft vorbereitet. Nicht nur die fünf Stunden, die ich in der Halle verbringe, sondern auch die Zeit, die ich drum herum um den Sport habe. Ich beschäftige mich natürlich nicht 18 Stunden am Tag mit Tischtennis. Aber es geht darum, eine gute Lebensbalance zu haben. Genug Schlaf zu finden, auf Ernährung zu achten, nicht abzustürzen. Man muss diszipliniert leben und darf außerhalb des Tischtennis nicht allzu viel Energie verlieren.

          Das klingt sehr logisch, aber auch verbissen. Kann das nicht kontraproduktiv sein, wenn es freudlos wird?

          Ich bin mit mir nicht so zufrieden, wie viele Leute meinen. Ich will es in den nächsten sieben Monaten bis Olympia noch besser machen. Noch besser planen, mir wochen- oder monatsweise Ziele setzen und dann auch überprüfen, wie konsequent ich die Ziele verfolgt habe. Wenn ich ein paar Tage sausen lasse, dann hat Ma Long (der derzeit weltbeste Tischtennisspieler aus China) diese Tage nicht sausen lassen. Die hat er dann als Vorsprung. Das kann ich mir nicht erlauben.

          Können Sie genießen und loslassen vom Tischtennis, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen?

          Genießen ist sehr wichtig. Das habe ich mit der Zeit gelernt. Wenn man nichts für das Herz tut, dann verliert man den Spaß. Ein Glas Rotwein trinke ich schon zweimal die Woche. Das tut mir gut. Und ich mache das auch ohne schlechtes Gewissen, weil mir Ärzte und Trainer erklärt haben, dass das eher positiv als negativ ist. Ein-, zweimal die Woche esse ich auch richtig lecker, damit ich mich hinterher freue. Aber ich achte schon darauf, dass die Freude den Sport nicht negativ beeinflusst.

          Wo sehen Sie noch Spielraum in der Vorbereitung für Rio?

          Es geht bei mir in den letzten Jahren stetig bergauf. Ich spiele im Verein eine immer größere Rolle, ich bin bei meinem Ausrüster Donic der wichtigste Spieler, ich habe einen Privatsponsor. Es wollen immer mehr Leute etwas von mir. Ich muss mein Zeitmanagement verbessern, ich muss etwas mehr zur Ruhe kommen. Ich hole mir ein zweites Handy, um auf mein richtiges nur abends draufzuschauen, weil einfach zu viel Traffic drauf ist.

          Wodurch lernen Sie noch hinzu?

          Ich habe angefangen, durch exakte taktische Analysen mehr Potential zu ziehen. Der Deutsche Tischtennis-Bund hat mit Sascha Nimtz einen wissenschaftlichen Mitarbeiter beim IAT in Leipzig. Mit ihm habe ich zu Beginn meiner Karriere in Tündern zusammengespielt. Er erhebt für den Deutschen Tischtennis-Bund am Sportinstitut in Leipzig Statistiken per Videoanalyse und wertet mir mein Spiel ganz genau aus, auch auf bestimmte Gegner bezogen, welcher Aufschlag wie wann gefruchtet hat, mit welchem Rückschlag ich die meisten Punkte machte.

          „Für mich ist Tischtennis Beruf, Berufung und Liebe“
          „Für mich ist Tischtennis Beruf, Berufung und Liebe“ : Bild: Picture-Alliance

          Decken sich die Erkenntnisse mit Ihren Gefühlen, oder werden überraschende Ergebnisse zutage gefördert?

          Da gibt es schon Überraschungen. Ich denke, dass ich einen relativ guten aggressiven Rückschlag mit der Rückhand habe, dieses „Anflippen“. Das deckt sich mit den Videoanalysen, dass ich da ziemlich erfolgreich bin. Das gibt ziemlich viele direkte Punkte. Ich dachte bisher, wenn ich keinen direkten Punkt mache mit diesem Schlag, dass ich das Spiel dann immer noch gut eröffne, ab diesem Zeitpunkt den Ballwechsel dominiere und meistens eben später auch noch den Punkt gewinne. Die Analysen zeigen jedoch, dass ich nach dem zweiten oder dritten Ball nach diesem Anflippen ganz klar im Nachteil bin. Das war mir so nie bewusst. Wenn man nicht jeden Punkt einzeln auseinandernimmt, geht so etwas an einem vorbei.

          Das könnte Ihrer Karriere noch mal einen Schub geben.

          Ich hoffe es. Gegen Ma Long fällt die Analyse vernichtend aus, wenn es nach meinem vermeintlich so guten Rückschlag mit der Rückhand zu einem zweiten Ball kommt. Wenn ich das also ändere und meine Stärken, die ich auch gegen ihn habe, besser anbringen kann, wenn ich also die Verbindung hinkriege aus Schwäche vermeiden und Stärken aktivieren, dann glaube ich, dass ich das Spiel gegen ihn viel offener gestalten könnte.

          Sie kommen selbst immer wieder auf Ma Long zu sprechen, den weltbesten Spieler, gegen den Sie noch nie gewonnen haben. Frustriert Sie der Chinese, oder ist er der Maßstab, an dem Sie sich festbeißen?

          Ich habe mich bei den German Open gefreut, dass ich die ersten beiden Sätze in der Verlängerung gegen ihn gewonnen habe, nachdem ich mir vorher monatelang Gedanken um die richtige Spielweise gemacht hatte. Danach war es umso frustrierender, zweimal gar keine Chance zu haben. Aber: Ma Long hat im ganzen Jahr, bei allen Turnieren, nur ein einziges Spiel verloren. 14 Turniere gespielt und 13 gewonnen. Das gab es im Männertischtennis noch nie. Und er dominierte die Nummer zwei und drei der Welt - seine Top-Landsleute - genauso gut wie mich. Mit seinem Selbstvertrauen spielt er ein Tischtennis wie vom anderen Stern.

          „Gegen Ma Long fällt die Analyse vernichtend aus, wenn es nach meinem vermeintlich so guten Rückschlag mit der Rückhand zu einem zweiten Ball kommt“
          „Gegen Ma Long fällt die Analyse vernichtend aus, wenn es nach meinem vermeintlich so guten Rückschlag mit der Rückhand zu einem zweiten Ball kommt“ : Bild: AFP

          Selbstzweifel waren früher Ma Longs Schwäche.

          Genau. Es nagte an ihm, dass er nie den ganz großen Titel gewonnen hatte. Seitdem er Weltmeister wurde, hat es eine Befreiung gegeben.

          Was macht Ma Long so einzigartig?

          Wenn der Ball ein paarmal übers Netz kommt, dann bin ich gegen ihn sogar im Vorteil. Das Problem ist, er macht mich häufig so vernichtend mit den ersten Bällen fertig, dass ich viel zu selten in eine Rallye hineinkomme. Ich muss die ersten Bälle irgendwie anders gegen ihn spielen. Sowohl nach meinem Aufschlag, bei dem ich sonst gegen andere Spieler große Vorteile habe, als auch nach seinem Aufschlag bei meinem Rückschlag.

          Welche Ideen haben Sie, die unbesiegbar scheinenden Chinesen zu besiegen? Wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, sich statt des früheren schwedischen Weltmeisters Jörgen Persson einen ehemaligen chinesischen Weltmeister ins Betreuer- und Trainerteam zu holen?

          Ich bin mit meinem Betreuer- und Trainerteam mit Bundestrainer Jörg Roßkopf, Jörgen und meinem Vater schon sehr gut aufgestellt. Darüber hinaus haben wir mit Zhou Zhaoyong und Lei Yang Trainer im DTTZ, die das chinesische Knowhow einbringen und über beste Kontakte verfügen. In China gibt es allerdings noch mehr Manpower. Dort gibt es mindestens fünf Nationaltrainer, unter ihnen kommen die Provinztrainer und die Trainer der chinesischen Super-League-Mannschaften. Das sind 30 bis 40 Trainer. Sie treffen sich drei, viermal im Jahr und tauschen sich tagelang aus, in welche Richtung Tischtennis sich bewegen soll. Sie entwickeln für jede Art Spieler ein System: vorhandlastiger Spieler, rückhandlastiger Spieler, mit Schwammbelag, mit Noppen, Abwehr, Penholder, alles. Und wenn die Trainer rausgehen, dann wissen alle Bescheid, wie sie zu arbeiten haben. In Europa höre ich immer nur verschiedene Meinungen. Die Chinesen machen alles ein bisschen einfacher. Auch die Übungen, die sie trainieren, sind einfache Übungen. Es gibt nicht diese Geheimübungen, von denen ich noch nie gehört hätte und die mich zum Weltmeister machen würden, wenn ich sie nachmachte. Die Chinesen verstehen Tischtennis nur etwas besser als wir. In meiner Zeit in der chinesischen Liga trainierte ich öfter mit Spielern, gegen die ich deutlich gewann. Sie wären auch in der Bundesliga nicht sonderlich erfolgreich. Aber sie hatten ein Fachwissen in manchen Schlägen, das viel größer war als meines. Wir überlegen im DTTB, für die Olympiavorbereitung einige dieser Spieler als Sparringspartner einzuladen, obwohl sie in China lange nicht zur Spitze gehören.

          Dann fehlt es Ihnen also vor allem an starken Trainingspartnern, um den letzten Schritt zu unternehmen?

          Vor allem an Sparringspartnern, die den chinesischen Spielstil imitieren können. In China sind 30 Spieler im A-Kader, deshalb holen sie auch in kürzester Zeit so starke Spieler nach. Wenn sie 15, 16 sind und dann mit Ma Long und den anderen trainieren, dann geht das so schnell nach oben mit ihnen. Ich merke schon, wenn ich auf den ProTour-Turnieren mit den besten Nichtchinesen trainiere. Sie sind zwar nicht so gut wie die besten Chinesen, aber viel besser als die Spieler in unserer Trainingsgruppe. Die besten europäischen Spieler müssten an einem Ort zusammengezogen werden.

          Das werden sie bei der Olympiavorbereitung.

          Das reicht aber nicht. Man formt nicht einen Spieler in zwei Monaten, sondern über Jahre. Zudem haben wir im deutschen Team durch Pech an Qualität verloren. Christian Süß war ein phantastischer Spieler, der wegen Verletzungen aufhören musste. Patrick Baum ist erkrankt und nicht mehr in Düsseldorf. Bastian Steger ist fast 35 und auch nicht mehr so gut wie mit 28. Das ist normal.

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          Im Tischtennis scheint es nicht weiterzugehen. Immer gewinnen die Chinesen, in Europa gibt es keine neuen jungen Spieler, von denen absehbar wäre, dass sie Sie mal ablösen könnten. Im Fernsehen läuft auch nichts. Ist Tischtennis eine sterbende Sportart?

          Das ist ein sehr harter Ausdruck. Ich denke, wir stehen in Europa da, wo wir vor zehn Jahren auch waren. Aber natürlich ist Tischtennis den großen Sportarten nicht näher gerückt, obwohl wir sehr erfolgreich bei Welt-, Europameisterschaften und Olympischen Spielen waren.

          Nagt das an Ihnen?

          Ich kann das nicht ändern. Aber ich habe Ansätze, um etwas zu verändern. Ich denke nicht, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, doch ich glaube, dass ich Tischtennis verstehe. Und wenn ich mit anderen Spielern spreche, dann bestätigen sie mir, dass man Tischtennis viel populärer machen könnte.

          Feuer frei.

          Leider braucht es im Tischtennis viel Zeit, um Dinge und Strukturen zu verändern. Es gibt große Gremien, in denen nicht nur Tischtennisspieler sitzen. Sie treffen Entscheidungen, die teils nicht nachvollziehbar sind. Wir hatten viele Regeländerungen, was schon mal schlecht ist, weil zum Beispiel Reporter den Sport ständig neu erklären müssen. Erst war das frische Aufkleben der Belege vor jedem Spiel erlaubt, dann verboten, dann wurden bestimmte Mittel wieder erlaubt. Dann wurde die Norm der Beläge verändert, dann die Bälle größer, dann das Material verändert, und jetzt werden die Bälle wieder anders. Nichts davon macht den Sport für den Zuschauer attraktiver. Und mit den neuen Plastikbällen haben wir sogar große Schwierigkeiten, weil die Qualität von vielen Herstellern nicht so gut ist. Relativ viele Ballwechsel werden durch verspringende Bälle gestört und entschieden. Jetzt gibt es eine japanische Firma, die es geschafft hat, aus reinem Plastik einen phantastischen Tischtennisball herzustellen. Der ist dreimal so hart wie die anderen, zehnmal so rund und ermöglicht einen Sport auf einem ganz anderen Niveau. Allein mit diesem Ball zu trainieren, würde den Level aller Spieler, auch der Chinesen, enorm erhöhen, weil der Ball so gleichmäßig abspringt. Aktuell sind unsere Trainingsbälle so schlecht, dass es unheimlich frustrierend ist, weil die Ballwechsel enden, obwohl es nicht deine Schuld ist. Diesen tollen Ball haben wir bei der Europameisterschaft gespielt. Dort sind den Offiziellen, den Spielern und den Zuschauern enorm viele lange und schöne Ballwechsel aufgefallen. Der Schwede Pär Gerrell, der sonst über eine ausgesprochen schlechte Rückhand verfügt, konnte plötzlich Rückhand spielen, weil der Ball so regelmäßig und hart absprang. Er wurde Dritter.

          Und wieso werden diese Bälle nicht immer eingesetzt?

          Weil die Veranstalter den Ball ausschreiben und damit Geld verdienen. Da kommt dann nicht der beste Ball zum Zug, sondern der potenteste Hersteller. Ein anderes Thema sind die Beläge aus chinesischer Produktion. Die Chinesen sind ohnehin schon besser als alle anderen, aber sie haben auch noch das mit Abstand beste Material. Die speziellen Vorhand-Beläge stehen auch nur den chinesischen Nationalspielern zur Verfügung.

          Was liegt noch im Argen?

          Es gibt Pro-Tour-Turniere wie German Open, China Open, Qatar Open, bei denen alles höchst professionell abläuft. Aber viele Turniere sind schlecht organisiert. Hallen, Hotels und Verpflegung sind auf einem niedrigen Niveau. Diese Turniere werten unseren Sport ab. Wenn wir die Bälle verbessern könnten, Chancengleichheit beim Equipment hätten und nur gute Turniere veranstalten würden, würden wir uns in die richtige Richtung bewegen. So aber entfernen wir uns mehr und mehr davon und haben die Quittung dafür bekommen. Der Hauptsponsor des Weltverbandes ITTF, die Autofirma GAC, ist abgesprungen. Dadurch wird das Preisgeld der Pro Tour um etwa 40 Prozent reduziert. Das heißt, die Gesamtsumme für alle Turniere beträgt nur noch 1,8 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Vor fünf, sechs Jahren lag Tischtennis mit Badminton ungefähr auf einer Ebene mit circa 2,5 Millionen Dollar Gesamtpreisgeld. Dabei war Badminton schon damals der kleinere Sport. Jetzt aber, seitdem Badminton ein neues Management hat, haben sie das Preisgeld auf zehn Millionen Dollar gesteigert. Wir hingegen haben Einbußen. Wenn man eines der großen Turniere wie die China Open gewinnt, dann gibt es 15.000 Dollar für den Einzeltitel minus Steuer. Die China Open sind wie Wimbledon im Tennis: Das Turnier gewinnst du einmal im Leben oder gar nicht. Und dann bekommst du 15.000 Dollar dafür. Und bei einem kleinen Turnier gewinnst du maximal 2000 Dollar. Wenn du Flug, Verpflegung und Hotel abziehst, bist du im Minus.

          Dafür kommt doch der Verband auf?

          Schon, aber im Endeffekt ist es doch einerlei, wer es zahlt, Verband, Ausrüster oder in Einzelfällen auch ich, wenn ich mich selbst melde, weil ich ein Turnier für die Spielpraxis brauche. Der Ausrüster könnte zum Beispiel meinen Vertrag besser dotieren, wenn er nicht so viele Spesen für mich zahlen müsste. Es ist einfach unbefriedigend, dass ich in den größten Turnieren mindestens Dritter werden muss, um die Kosten zu decken. Normalerweise müsste ich sagen, ich spiele kein Pro-Tour-Turnier mehr.

          Und wieso tun Sie es dann?

          Ich liebe nun mal meinen Sport, das Messen mit den Besten, und ich liebe es, wenn ich hoch in der Weltrangliste stehe.

          Und je besser Sie in der Weltrangliste stehen, desto mehr verdienen Sie bei Sponsoren.

          Nicht direkt. Meine Verträge sind nicht leistungsabhängig. Aber bei Neuverhandlungen eines Vertrages spielt die Weltranglistenposition natürlich eine Rolle. Bei anderen Spielern ist das viel extremer. Sie legen bei den Pro-Tour-Turnieren drauf, um sich für Sponsoren oder Ausrüster oder Vereine interessant zu machen. Dann gibt es den Europa Cup. Diese Veranstaltung löste das traditionelle „European-Top-12“-Turnier ab, in dem die besten zwölf Europäer der Weltrangliste aufeinandertrafen. Da das Turnier ein wenig an Niveau verlor, kamen weniger Spitzenspieler. Daraufhin traf der europäische Verband die Regelung, dass man das Turnier spielen muss, ansonsten qualifiziert man sich nicht für den World Cup. Und jetzt haben sie sogar das Preisgeld beim Europa Cup komplett gestrichen. Sonst gab es für den Ersten 12.000 Euro, die habe ich die letzten zwei Jahre gewonnen. Man muss nun ohne Preisgeld trotzdem mehrere hundert Euro Startgeld und seine Flüge zahlen. Und 250 Euro für ein Hotelzimmer hinlegen, das in den Hotelportalen im Internet 50 Euro kostet. Das ist doch Wahnsinn.

          Weil die Veranstalter die Spieler ausnehmen müssen, weil Sie keine Sponsoren für die hohen Kosten haben?

          Ich glaube, dass die Veranstalter der kleinen Turniere Geld verdienen, während die großen Turniere nur auf Kostendeckung ausgerichtet sind. Der DTTB will mit den German Open eine schwarze oder rote Null, ansonsten sieht er die Veranstaltung als Werbung für seinen Sport. Das machen leider nicht alle. Ich möchte durch meine Kritik aufrütteln und sensibilisieren und möchte positiv herausstellen, dass die Spielerpräsentation der ITTF bei den Pro-TourTurnieren wirklich toll ist. Marketingmäßig entwickeln wir uns weiter.

          Haben Sie noch einen Karriereplan oder ein bestimmtes Ziel in Ihrer Karriere?

          Ich habe sehr viel erreicht. Mehr, als ich mir vor zehn Jahren hätte erträumen können. 2011 sagte ich meiner Frau. Ich bin jetzt ganz heiß auf Tischtennis, aber wenn ich 2012 in London eine Einzelmedaille bei Olympia hole, dann wird mir alles andere nicht mehr so wichtig sein. Ich habe Bronze geholt, ich war happy. Zwei Monate später spielte ich schlecht im World Cup, und alles war wieder bei null. Dann wollte ich Europameister werden, jetzt bin ich es zweimal geworden. Die WM-Einzelmedaille ist die einzige, die mir noch fehlt. Und bei Olympia habe ich auch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass noch eine Einzelmedaille hinzukommt, die dann auch eine schönere Farbe als Bronze haben kann. Ich bin noch so hungrig. Für mich ist Tischtennis Beruf, Berufung und Liebe.

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