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Tischtennis-As Süß : „Ich hatte Angst vor dem Training“

  • -Aktualisiert am

Christian Süß in einem seiner letzten Spiele für den TTC Fulda-Maberzell Bild: dpa

Der 29 Jahre alte Christian Süß hat seine Karriere als Tischtennis-Profi beendet. Das Knie zwingt ihn dazu. Jetzt will der Westfale, der immer der Mann hinter Timo Boll war, Pilot werden.

          4 Min.

          Vor vier Jahren haben Sie sich so übel verletzt, dass Sie jetzt zum Karriereende gezwungen sind. Ärgert es Sie besonders, dass das in einem nicht so wichtigen Spiel passierte?

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Ja, bei einem überhaupt nicht wichtigen Spiel, bei einer Showturnier-Serie am Ende der Saison, der sogenannten Suchanek-Tour. Da sind wir 14 Tage quer durch Deutschland gefahren und es war der 14. und letzte Abend. Ich habe gegen Timo Boll gespielt. Es war eine unglückliche Bewegung. Man macht ja bei so einem Abend ein paar Show-Bälle und ein paar Späßchen. Ich bin um den Tisch gerannt, und bei einer extremen Abstoßbewegung haut mir ein Schlag ins Knie.

          Und das an einem Abend, an dem es um nichts ging und nur ein bisschen Geld zu verdienen gab.

          Na ja, 14 Tage jeden Abend zu spielen, das ist nicht verkehrt. Aber bei dem, was es mich am Ende in meiner Karriere gekostet hat, würde ich das Geld gerne doppelt und dreifach wieder zurückbezahlen. Damit ich die Verletzung nicht hätte.

          Sie waren in Ihrer erfolgreichen Karriere immer der wichtige Mann hinter Boll. Haben Sie sich manchmal überfordert gefühlt, weil zu viele Hoffnungen auf Sie projiziert wurden?

          Man hat ja selbst diese Erwartungen, wenn man in der Jugend schon so erfolgreich war wie ich. Ich bin zufrieden mit dem, was ich geschafft habe. Gut, ich hätte noch gerne den Sprung unter die Top Ten geschafft. Aber darüber bin ich nicht enttäuscht, das akzeptiere ich.

          Woran hat es gelegen?

          Schwer zu sagen. Vielleicht hätte ich noch fleißiger sein müssen. Aber 2010/11 habe ich schon sehr hart und professionell gearbeitet. Ich kann mir da nicht sehr viele Vorwürfe machen. Aber ich bewundere natürlich jemanden wie Dimitrij Ovtcharov, der so fokussiert und hart gegen sich selbst ist, der aus dem Flieger steigt und sofort wieder in die Halle springt. Dafür bin ich nicht der Typ gewesen. Nach einer Flugreise habe ich zwei Tage gebraucht, bis ich den Jetlag überwunden hatte. Vielleicht hat mir das gefehlt, das ist ja auch eine Qualität, die vielleicht den Unterschied macht.

          Sie haben zigmillionen Bälle gespielt, wenn Sie die Augen schließen, gibt es einen Ballwechsel, der Ihnen sofort einfällt?

          Nein, da fällt mir kein spezieller Ball ein. Es sind Momente, die mir einfallen, die Gefühle nach dem Sieg bei der WM 2005, als Timo und ich im Doppel-Halbfinale die Chinesen Ma Lin und Chen Qi besiegt hatten. Oder der Punktgewinn zur olympischen Silbermedaille in Peking.

          Sie standen immer im Schatten von Timo Boll, war das schwer für Sie zu akzeptieren, es gibt einen Besseren?

          Überhaupt nicht. Wenn man einen wie Timo Boll in der Mannschaft hat, dann zieht er alle mit. In seinem Windschatten konnten wir als Team große Erfolge feiern, mehr Aufmerksamkeit bekommen und mehr Geld verdienen. Er hat alle Mitspieler gepusht und im Training auch weiterentwickelt. Es gab überhaupt keinen Neid. Wir waren froh, dass wir ihn hatten. Das einzige Manko ist, dass wir nie gegen China gewinnen konnten.

          Der einzige Grund aufzuhören sind die Schmerzen? Wie groß sind sie?

          Ich kann mich nicht mehr so gut und so schnell bewegen, wie das möglich und nötig wäre. Das ist frustrierend, wenn man gegen Gegner verliert, die man gesund normalerweise schlagen würde.

          Aber es gab doch eine Zeit nach der Verletzung, in der es zu werden schien? Sie gewannen sogar in Tschechien ein Protour-Turnier.

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