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Tischtennis : Ovtcharov übernimmt Bolls EM-Thron

  • Aktualisiert am

Gut geschlagen: Dimitri Ovtcharov ist erstmals Europameister Bild: dpa

Viermal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze. Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) beendet die EM mit dem erfolgreichsten Ergebnis seiner Geschichte. Dimitrij Ovtcharov beerbt Timo Boll als Europameister.

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          Dimitrij Ovtcharov hat als neuer Anführer der deutschen Tischtennis-Giganten die Nachfolge von Titelverteidiger Timo Boll angetreten und einen historischen EM-Rekord zementiert. Der 25 Jahre alte Olympia-Dritte bestieg mit einem souveränen 4:0 (11:4, 11:7, 12:10, 11:8)-Finalsieg gegen seinen Clubkollegen Wladimir Samsonow (Weißrussland) als dritter Deutscher den EM-Thron. Das hatten vor ihm nur der heutige Bundestrainer Jörg Roßkopf und Rekord-Champion Boll geschafft.

          Die deutsche Tischtennis-Meisterin Shan Xiaona hat hingegen zum Abschluss der Europameisterschaft in Schwechat den fünften EM-Titel für Deutschland verpasst. Die Berlinerin verlor das Damen-Endspiel mit 2:4-Sätzen gegen die ebenfalls aus China stammende Schwedin Li Fen.

          Dennoch verzeichnete der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) mit vier Gold-, zwei Silber und zwei Bronze-Plaketten seine beste Bilanz in der 55-jährigen EM-Geschichte. Auch ohne den erkrankten Ausnahmespieler Boll gewannen die DTTB-Asse erstmals in der EM-Geschichte mehr als die Hälfte aller Titel und knackten mit dem besten Abschneiden überhaupt die Bestmarken von 1962 und 2010. Insgesamt acht Medaillen drückten die spielerische und taktische Überlegenheit bei Damen und Herren eindrucksvoll aus. Nur Ungarn erzielte 1960 ein noch besseres EM-Ergebnis.

          „Ich bin total happy. Nach Olympia ist das das Größte für mich“, erklärte der überglückliche Ovtcharov. Der Weltrangliste-Sechste wirkte im Endspiel so entschlossen und bärenstark wie in den Runden zuvor. Der auf Position eins gesetzte Hamelner, der ebenso wie der dreifache Europameister Samsonow für Fakel Orenburg in Russland spielt, gab im Turnier nur drei Sätze ab. Die größte Mühe hatte der Weltranglisten-Sechste noch im Halbfinale beim 4:2 gegen Bastian Steger (Saarbrücken), der wie im Vorjahr EM-Bronze erhielt.

          Auch Damen stark

          Neben Ovtcharov, der als Leader das deutsche Herren-Team zum sechsten EM-Titel in Serie geführt hatte, waren auch die neu aufgestellten DTTB-Damen maßgeblich an der Medaillenflut beteiligt. Nach Gold im Team gewann das überglückliche Teenager-Duo Petrissa Solja/Sabine Winter den Titel im Damen-Doppel. Sie bezwangen im ersten rein-deutschen Finale ihre Teamkolleginnen Shan Xiaona/Zhenqi Barthel nach einem 0:2-Satzrückstand noch mit 4:2. Die deutschen Meister sind nach Nicole Struse/Elke Schall, die 1996 und 1998 die Nase vorn hatten, die zweiten DTTB-Europameisterinnen im Doppel.

          „Wir wussten, dass wir eine Chance hatten“, erklärte die 20 Jahre alte Winter vom Bundesligisten Kolbermoor. Sie war im Gegensatz zu ihrer ein Jahr jüngeren Doppel-Partnerin Solja nicht für den Team-Wettbewerb nominiert worden, für den Bundestrainerin Jie Schöpp erstmals die gebürtigen Chinesinnen Shan Xiaona und Han Ying mit Erfolg aufgestellt hatte. Winter zog sich aber nicht in den Schmollwinkel zurück, sondern zeigte die vom Trainerstab erhoffte Reaktion.

          Nur im Herren-Doppel frühes Aus

          „Wir haben Rekorde aufgestellt und EM-Geschichte geschrieben. Der Erfolg ist aber kein Zufall“, kommentierte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig den Goldenen Tischtennis-Oktober. Für ihn waren die Glanzauftritte mit Doppel-Gold in beiden Team-Wettbewerben im lange Zeit nur mäßig besuchten Multiversum ein wichtiger Fingerzeig. „Die überragende EM bestärkt uns beim Angriff auf die Konkurrenz aus China und Asien. Die Resultate geben uns auch einen Schub Richtung Olympia in Rio“, sagte Schimmelpfennig.

          „Wir werden daran arbeiten, dass es so bleibt“, versicherte DTTB-Vizepräsidentin Heike Ahlert. Ihre Wahl in das neue Präsidium des Europa-Verbandes ETTU verschaffte dem dominierenden Verband auch sportpolitisches Gewicht. Lediglich im Herren-Doppel stand bei der Siegerehrung kein deutscher Spieler auf dem Podest. „Da haben wir noch Luft nach oben und können uns steigern“, sagte Schimmelpfennig. Es klang wie eine Drohung der Giganten an den Rest des Kontinents.

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