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Tischtennis : Der Mauerfall

  • -Aktualisiert am

Bald im Doppel: Timo Boll ... Bild: dpa

Es ist eine kleine Sensation: Timo Boll und der chinesische Weltranglistenerste Ma Long werden in gut zwei Wochen ein Doppel spielen. Sie wollen das ProTour-Turnier China Open in Changchun gewinnen.

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          Diese Nachricht ist eine Sensation: Timo Boll wird in gut zwei Wochen ein Doppel gemeinsam mit dem chinesischen Weltranglistenersten Ma Long spielen. Nicht in irgendeiner Showveranstaltung für irgendeinen karitativen Zweck oder zur Verbesserung der deutsch-chinesischen Wirtschaftsverbindungen, sondern sie treten an, um das ProTour-Turnier China Open in Changchun zu gewinnen. Dabei treffen sie auf starke Konkurrenz, auch die Doppel Dimitrij Ovtcharov/Yan An und Patrick Franziska/Xu Xin kämpfen um den Turniersieg.

          ... und Ma Long
          ... und Ma Long : Bild: dpa

          Die Idee dazu hatte der chinesische Cheftrainer Liu Guoliang. Der frühere Weltmeister und Olympiasieger hat schon vor Jahren davor gewarnt, dass sich China in dieser Sportart zu Tode siegen könnte. In den vergangenen 20 Jahren triumphierten seine Nationalspieler und -spielerinnen mit nur zwei Ausnahmen in jedem großen Turnier - meist, ohne richtig von der ausländischen Konkurrenz gefordert worden zu sein. In diesem Sport ist seit einigen Spielergenerationen von der unüberwindbaren chinesischen Mauer die Rede. Um die Langeweile aufzubrechen, hat Liu schon vor Jahren gemeinsame Trainingslager mit einigen anderen Nationalteams veranstaltet, dann schickte er Trainer zur Nachhilfe ins Ausland. Doch diese Maßnahmen bewirkten so gut wie nichts. Zum einen luden die Chinesen nicht die allerbesten Gegner zur Zusammenarbeit ein, zum anderen gaben sie nicht all ihre Erkenntnisse weiter. Timo Boll jedenfalls musste sich vor zwei Jahren noch heimlich ins Nationalmannschafts-Trainingszentrum in Peking einschmuggeln, als er sich den Betrieb dort näher anschauen wollte.

          Der erste große Schritt auf einem langen Marsch

          Nun sind die Chinesen bereit, ihre Karten auf den Tisch zu legen: Gemeinsame Wettkampfvorbereitung, gemeinsame Entwicklung einer Strategie, gemeinsame Spielanalyse - intimer kann eine Sportbeziehung nicht werden. Und die Deutschen sind ganz objektiv betrachtet bei den Herren die Herausforderer Nummer eins. Zwei Spieler im Viertelfinale - nur eine Nation konnte bei der WM in Paris eine bessere Bilanz aufweisen, China. Das Reich der Mitte stellte fünf Viertelfinalisten und alle vier Halbfinalisten.

          Allein dieser aktuelle Vergleich beschreibt die bestehenden Unterschiede. Drei gemeinsame Doppel werden den Leistungsgraben zwischen den Nationen nicht zuschütten. Sie können nur der erste große Schritt auf einem langen Marsch sein. Doch Boll und Ovtcharov sind gut genug, dass ihnen die neue Erfahrung mit den chinesischen Doppelpartnern kurzfristig etwas bringen könnte. In seinem WM-Viertelfinale in Paris gewann Boll gegen Ma Long zwei Sätze. Und auch in den vier Durchgängen, die er verlor, erkämpfte sich der 32 Jahre alte Hesse den Respekt des Gegners. Der Anschauungsunterricht aus nächster Nähe mag Boll genügen, Ma Longs Spiel das nächste Mal noch besser zu decodieren und zu bezwingen. Das täte auch China gut.

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