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Tischtennis : Damen gewinnen EM-Titel

  • Aktualisiert am

Abwehrkünstlerin Han Ying Bild: dpa

Fast dreieinhalb Stunden mussten Deutschlands Tischtennis-Frauen kämpfen, ehe der EM-Titel gewonnen war. Bundestrainerin Jie Schöpp reagierte eher still. Ihre viel diskutierte Nominierungspolitik führte aber zu einem großen Erfolg.

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          Bundestrainerin Jie Schöpp sprang kurz in die Luft und umarmte danach ihre Spielerinnen. 15 Jahre nach dem EM-Sieg 1998 in Eindhoven, zu dem sie mit einer grandiosen 9:0-Bilanz den Löwenanteil beigesteuert hatte, führte die frühere Nationalspielerin die Damen des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) zurück auf den EM-Thron. Mit einem 3:1-Sieg im Finale gegen Rumänien krönte die neu formierte DTTB-Auswahl am Montag ein starkes Turnier in Schwechat und trug sich zum fünften Mal in die kontinentale Siegerliste ein.

          Der umjubelte Erfolg in einem mehr als dreistündigen Marathon-Match lieferte den DTTB-Herren die Steilvorlage für deren Endspiel gegen den Außenseiter Griechenland und den angestrebten historischen EM-Doppelsieg. Schöpp, erst seit Februar 2012 im Amt, setzte im Finale wie an den Vortagen ihre beiden EM-Neulinge Han Ying (Tarnobrzeg/Polen) und Shan Xiaona (Berlin) ein. Die gebürtigen Chinesinnen, die seit mehr als zehn Jahren in Deutschland leben, rechtfertigten das Vertrauen.

          „Ich wollte unbedingt diesen Titel“, sagte die überragende Han Ying. Die 30 Jahre alte Abwehrkünstlerin gewann beide Einzel und wehrte in der Partie gegen Elizabeta Samara sogar einen Matchball ab. Die deutsche Meisterin Shan Xiaona holte an Position drei den dritten Zähler. Kristin Silbereisen (Berlin) hatte das Auftakteinzel verloren und damit den Druck für ihre neuen Teamkolleginnen noch mehr erhöht.

          Die deutsche Spielerin Kristin Silbereisen
          Die deutsche Spielerin Kristin Silbereisen : Bild: dpa

          „Ich kenne aus eigener Erfahrung das Gefühl, dass man als gebürtige Chinesin sehr hohe Ansprüche an sich stellt“, erklärte die aus Baoding stammende Schöpp. Ihre Personalpolitik hatte in den vergangenen Wochen in Internet-Foren heftige Diskussionen ausgelöst. Selbst unter den mitgereisten Fans in Schwechat gab es vereinzelt Widerstände. „Wir klatschen nicht für Chinesen“, hieß es auf der Tribüne.

          „Die Diskussionen sind ungerecht. Diese Spielerinnen haben als deutsche Staatsbürger alle Rechte und Pflichten. Und sie erfüllen ihre Pflichten sehr gut“, stellte DTTB-Präsident Thomas Weikert fest. „Für mich zählt die Leistung“, sagte Schöpp, die erstmals vier gebürtige Chinesinnen für die EM nominiert hat.

          Ganz so einfach ist die Sache aber nicht. Die Ranglisten-Beste Han Ying und Shan Xiaona sind bei Weltmeisterschaften nicht startberechtigt, bei EM und Olympia aber schon. „Wir haben vor allem die Olympischen Spiele berücksichtigt“, begründete Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig die Entscheidung.

          Die Spielerinnen steckten die Diskussionen erstaunlich gut weg. Han Ying, seit Juli Kader-Mitglied, opferte für die EM sogar eine wichtige Familienfeier. „Ich wollte schon 2012 ins Nationalteam. Doch dann wurde ich schwanger und musste alles um ein Jahr verschieben“, berichtete die deutsche Team-Europameisterin. Ihre kleine Tochter feiert am Donnerstag Geburtstag, die Mutter will in Schwechat im Einzel-Wettbewerb um die nächste Medaille für den DTTB kämpfen.
           

          Die EM-Endspiele der deutschen Tischtennis-Damen

          Nach einer Pause von 15 Jahren haben Deutschlands Tischtennis-Damen in Schwechat wieder den EM-Titel errungen. Die Endspiel-Bilanz ist damit ausgeglichen. In zehn Partien gab es fünf Niederlagen und fünf Siege. Die EM-Endspiele der deutschen Tischtennis-Damen:

          1962 (Berlin): Deutschland - England 3:1
          1968 (Lyon): Deutschland - UdSSR 3:0
          1972 (Rotterdam): Ungarn - Deutschland 3:0
          1982 (Budapest): Ungarn - Deutschland 3:1
          1994 (Birmingham): Russland - Deutschland 4:1
          1996 (Bratislava): Deutschland - Ungarn 4:2
          1998 (Eindhoven): Deutschland - Ungarn 4:3
          2000 (Bremen): Ungarn - Deutschland 4:2
          2002 (Zagreb): Rumänien - Deutschland 3:2
          2013 (Schwechat): Deutschland - Rumänien 3:1

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