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Tipp-Kicker des TKC Gallus Frankfurt : Auf Knopfdruck deutscher Meister

Frankfurter Bub: Der deutsche Meister im Tipp-Kick, Frank Hampel Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Frank Hampels Spieler dürfen ruhig so wenig lauffreudig sein wie der beleibte und umstrittene Eintracht-Brasilianer Caio. Dennoch ist der Chef seiner Mannschaft nicht böse. Stattdessen hilft Hampel seinen Akteuren sogar noch auf dem Weg von der Abwehr in den Angriff. Der Lohn: die Deutsche Meisterschaft - im Tipp-Kick.

          Frank Hampels Spieler dürfen ruhig so wenig lauffreudig sein wie der beleibte Eintracht-Mittelfeldspieler Caio, der kürzlich an der lausigen Aufgabe eines Laktattests peinlich scheiterte. Dennoch ist der Chef seiner kleinen Mannschaft auf dem grünen Spielfeld nicht böse. Stattdessen hilft Hampel seinen Akteuren sogar noch auf dem Weg von der Abwehr in den Angriff, und er hebt sie auch von dort wieder zurück an den eigenen Strafraum. Die Spieler danken ihm diese, von Friedhelm Funkel wohl kaum im Verhältnis zu Caio nachzuahmende Vorzugsbehandlung, mit Toren. Sogar mit so vielen Toren, dass Hampel und seine drei Mannschaftskameraden vom TKC Gallus Frankfurt zur absoluten Spitze im deutschen Tipp-Kick zählen.

          Während sich die Frankfurter Eintracht derzeit auf die nächste Bundesligasaison im vom Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen selbstersehnten Bundesliga-Mittelfeld vorbereitet, haben die vier Tipp-Kicker mitsamt ihren 20 Plastik- und Gusseisenfiguren vor wenigen Tagen schon einmal vorgemacht, dass auch Frankfurter deutsche Meistertitel erringen können. Wenigstens im Tischfußball-Klassiker ist Frankfurt dank des zweiten Titelgewinns nach 2004 im Augenblick die deutsche Elite. „Ich werde mich aber hüten, der Eintracht unser Erfolgsrezept zu verraten“, sagt Frank Hampel. „Ich bin nämlich KSC-Fan.“ Also muss die Eintracht ihre Scouts wohl schon einmal selbst vorbeischicken zum Training des deutschen Mannschaftsmeisters, das allwöchentlich in einer Kindertagesstätte an der Gutleutstraße stattfindet.

          Verfeinerte kleine Ball-Maradonas

          Dort könnten sie dann vor allem Hampel nach seinen Geheimnissen befragen. Der 37 Jahre alte Tipp-Kicker war der Matchwinner im Endspiel in Hannover, seither wird er auf der Homepage seines Klubs als „Frank Hampel Tipp-Kick-Gott“ gefeiert. Der gebürtige Schwabe bezwang nacheinander sämtliche vier Gegenspieler vom deutschen Rekordmeister, steuerte somit acht Punkte zum knappen 17:15-Sieg seiner Farben bei. „Das war natürlich eine Leistung, auf die ich sehr stolz bin.“ Der Stolz ist dabei die einzige Währung, die als Guthaben auf das Konto Hampels fließt. Geldprämien gibt es im Tipp-Kick überhaupt nicht, die rund 600 in knapp 80 Vereinen deutschlandweit organisierten Spieler betreiben ihren Sport als reines Hobby und investieren pro Jahr locker 2000 Euro in Fahrtkosten und Unterkünfte bei Auswärtsspielen und Turnierbesuchen. „Unsere einzige Prämie nach dem Sieg im Finale war die Flasche Sekt, die unser Gegner für seine Siegesfeier eingeplant hatte“, sagt Hampel.

          Statt der Aussicht auf finanziellen Gewinn sind es die Glücksgefühle über einen perfekten Schuss mit der acht Zentimeter kleinen Spielfigur auf das zigarettenschachtelgroße Tor, die für Hampel den Reiz an dem in Deutschland seit vielen Jahrzehnten höchst populären Kinderspiel ausmachen. Kinderspiel? „Was wir machen, hat damit nichts zu tun“, kontert Hampel. „Wir haben vom Spielfeld über den Torwart bis zur Spielfigur alles so weiterentwickelt, dass Tipp-Kick ein anspruchsvolles Spiel ist“, sagt Hampel.

          Die derart verfeinerten kleinen Metall-Maradonas sind zwar mit den seit über 80 Jahren im Spielwarenhandel verkauften Männchen verwandt, aber nicht ganz vergleichbar. Die übliche Tipp-Kick-Figur, die nach den Worten des Gallus-Akteurs „jeder anständige und normale Junge irgendwann mal in der Hand gehabt hat“, erzeugt beim Knopfdruck aufgrund der Ungenauigkeiten der maschinellen Herstellung Reibungsgeräusche. Im Vergleich dazu ist es ein Ohrenschmaus, wenn das nach den eigenen Bedürfnissen zurechtgefeilte Bein von Hampels Kicker in Bewegung gesetzt wird.

          „Man muss eine kleine Figur beherrschen“

          Tatsächlich steht ein Hobby-Kicker mit handelsüblichem Material und Knowhow vom heimischen Küchentisch extrem auf verlorenem Boden, wenn er gegen einen „Profi“ wie Hampel antreten muss. Dann kassiert der Amateur in der Regel in den zwei mal fünf Minuten Spielzeit 15 bis 20 Tore, auf einen eigenen Treffer darf er höchstens bei großem Glück hoffen – zu sicher ist einer wie Hampel im Umgang mit Torwart und Spielfigur.

          Mal hauen die Finger des Herrn über die Metallfiguren brachial auf ein Knöpfchen auf dem Kopf der Figur, mal streichelt er es, um den zwölfeckigen, halb schwarzen, halb weißen Plastikball möglichst filigran im Gehäuse der Rivalen zu versenken. „Das ist das Tolle am Tipp-Kick: Man muss eine kleine Figur beherrschen, die auf Hunderte verschiedener Arten Tore erzielen kann“, sagt Hampels Mannschaftskamerad Beck. Für jede Position auf dem Feld hat Beck einen Spezialisten, beispielsweise auch einen Experten für direkt verwandelte Eckbälle. Vielleicht wäre das ja auch ein Job für den richtigen Fußballer Caio.

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