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Tim Lobinger im Gespräch : „Die Zeit für Sport zerrinnt in meinen Händen“

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Showtalent und Sportsmann: Tim Lobinger Bild: Müller, Andreas

Er gilt als Showtyp, liebt aber auch Statistik und ist Deutschland bekanntester aktiver Leichtathletik. Stabhochspringer Tim Lobinger, 38, über seinen RTL-Auftritt als Tänzer, seine Rolle bei Eurosport und seinen großen Traum - Olympia 2012.

          Tim Lobinger ist vielleicht der bekannteste deutsche Leichtathlet. Der 38 Jahre alte Stabhochspringer aus Bonn liebt es, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Als Stabhochspringer, der vor mehr als einem Jahrzehnt sowohl in der Halle als auch im Stadion sechs Meter übersprungen hat, der in der Halle Weltmeister und zwei Mal Europameister wurde. Als Lautsprecher seiner Sportart, der keine Konfrontation scheut. Und bald als Teilnehmer der RTL-Show „ Let's Dance“. An diesem Wochenende nahm er an der Hallen-EM in Paris teil, bei der er in der Qualifikation mit 5,65 Metern überzeugte, im Finale dann aber nur Achter wurde.

          Haben Sie Ihren schwarzen Anzug mitgebracht zur Hallen-Europameisterschaft nach Paris?

          Den Anzug nicht, aber die Lackschuhe liegen im Auto. Montag, Dienstag, Mittwoch habe ich immer Tanzunterricht in Köln. Wegen der Europameisterschaft haben wir das in dieser Woche auf drei Stunden pro Tag beschränkt. Aber die waren so intensiv, dass ich hinterher fertig war. In der Vorbereitung auf die Europameisterschaft habe ich neun Stunden getanzt.

          Für sein Alter immer noch ein guter Stabhochspringer: Noch einmal über 5,80 sind das Ziel

          Wie sind Sie zu „Let's Dance gekommen?

          Ich war ein bisschen ausgebrannt, eher vom Kopf als vom Körper her. Dann lädt man sein Leben mit anderen Abenteuern voll.

          Hilft es beim Tanztraining, dass Sie Spitzensportler sind?

          Nur in der Hinsicht, dass ich gewohnt bin, viel zu trainieren, und dass ich fit bin. Ich hatte ja in meinem Leben noch nie getanzt. Im Idealfall von vier Wochen Training und neun Wochen Sendung werde ich bis zum Sommer 150 bis 200 Stunden getanzt haben. Der Ehrgeiz hilft. Aber meine Füße, so wie sie trainiert sind, sind fast schon tanzbehindert. Manchmal stelle ich mich wirklich ungeschickt an. Sie werden lachen, wenn Sie das sehen. Oder weinen.

          Sie tun sich schwer?

          Ich hätte nie gedacht, dass es so anders als das ist, was man tagtäglich in der Leichtathletik erlebt. Das Lernen der Choreografie und der Schrittfolgen ist auf eine ganz andere Art anstrengend, als ich das gewohnt bin. Im Sport greife ich auf Erfahrungen zurück, die mir nicht erlauben, in Grenzbereiche zu kommen. Das Tanzen bringt meine Festplatte zum Glühen, und das ist der Sinn der Übung.

          Sie tanzen mit der Schwedin Isabell Edvardsson, die vergangenes Jahr in der Jury saß. Wie muss man sich vorstellen, dass Sie zusammen üben?

          Sie sagt: Gestern haben wir die ganze Choreografie gemacht, Tim. An was kannst du dich erinnern? Nimm einen Stuhl oder einen Wasserkasten und zeig mir, was du noch kannst! Das ist sehr speziell, aber so muss ich das dann durchtanzen. Isabell im Arm ist mir viel lieber.

          Wollen Sie gewinnen?

          Das wäre vermessen. Ich will so weit kommen wie kein anderer aktiver Sportler. Bei meiner Hochzeit, die in diesem Jahr auch noch auf mich zukommt...

          Ihrer zweiten . . .

          . . . will ich einen supertollen Hochzeitstanz hinlegen.

          Ist das Ihr Einstieg in die Zeit danach: als Kommentator bei Eurosport und als Tänzer bei RTL?

          Let's Dance ist eine Riesenchance. In diesem Jahr hat's gepasst, weil ich die Hallensaison nur als Vorbereitung auf den Sommer bestreite. Ich merke, dass ich altersbedingt nicht eine Winter- und eine Sommersaison mit dem Ziel bestreiten kann, 5,80 Meter und höher zu springen. Da stand mir mein eigener Ehrgeiz im Weg, als ich das in den vergangenen beiden Jahren probiert habe. Ich habe immer lieber einen Wettkampf mehr als einen weniger gemacht, und jedes Mal wollte ich höher springen als alle anderen. Das hinterlässt Spuren. Was nun herausgekommen ist, ist eher ein Zufallsprodukt.

          War die Qualifikation zur Europameisterschaft mit 5,60 Metern ein Glückstreffer?

          Normalerweise wird man damit in Deutschland Fünfter. Aber in diesem Winter ist das Niveau in ganz Europa so niedrig, dass ich plötzlich dabei war. Für die Stabhochsprung-Szene insgesamt ist es eigentlich traurig, aber ich freue mich, dass ich als Athlet dabei war. Fernsehen kann ich noch lange machen. Die Zeit für Sport zerrinnt in meinen Händen.

          Sie haben die Teilnahme an der WM in Daegu wirklich im Sinn?

          Ich habe Olympia 2012 im Sinn. Ich will meine fünften Olympischen Spiele schaffen. Das ist so wenigen Sportlern gelungen! Ich will nicht von meinem Rekord sprechen, den seit fünfzehn Jahren niemand gebrochen hat. Aber ich will wieder 5,80 Meter springen. Ich bin bei 99 Sprüngen über 5,80 und mehr hängengeblieben. Das ist eine Sauerei. Die Hundert will ich voll machen.

          Sie haben mitgezählt?

          Ich bin ein Statistikliebhaber und habe alles notiert. Ich führe Trainingsbuch, seit ich fünfzehn bin.

          Bereiten Sie sich schon auf die Karriere nach der Karriere vor?

          Ich habe die A-Lizenz als Trainer gemacht und werde zusätzlich die Trainerakademie in Köln besuchen. Ich habe drei Monate Konditionstraining mit Torwart Michael Rensing gemacht. Er war vier Mal pro Woche bei uns, bei mir. So stelle ich mir das vor: Training mit einem professionellen Athleten in einem professionellen Umfeld. Dass jetzt noch Let's Dance dazukommt, ist eine Möglichkeit, den Kopf freizubekommen. Zusammen mit meinem Studium von Sport und Publizistik könnte aus dem Kommentatorenjob etwas für die Zukunft werden.

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