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Tim Duncan : Der Unbegreifliche hört auf

  • -Aktualisiert am

Das war’s: Tim Duncan dankt ab Bild: AP

Nach 26 496 Punkten und 15 091 Rebounds: Tim Duncan beendet seine NBA-Karriere

          3 Min.

          Die meisten Basketballprofis, die sich in der NBA einen Namen gemacht haben, werden irgendwann von ihren Kollegen mit einem griffigen Spitznamen belegt. Es ist Teil einer Athletenkultur, in der sich eine spezielle Mischung aus Konkurrenzdenken und Respekt formuliert. Mancher aber lässt sich nicht so leicht mit einem Etikett bekleben. So wie Tim Duncan, der neunzehn Jahre lang bei den San Antonio Spurs meistens mit dem Rücken zum Korb auf den Ball wartete, und wenn er ihn bekam, kurz dribbelte, eine Körperdrehung in eine Richtung antäuschte, sich dann andersherum bewegte und den Ball mit einem mäßig eleganten Hüpfer auf eine altväterliche Art in den Korb beförderte. Er warf ihn am liebsten gegen das Brett, von wo er leicht und locker in den Korb tropfte.

          Der Spitzname „Slam Duncan“, den er für seine Website benutzte, obwohl so naheliegend für einen 2,11 Meter großen Basketballer mit langen Armen, passte denn auch nie so richtig. Kein Wunder also, dass sich für den 40-Jährigen, der am Montag nach neunzehn Profi-Jahren allesamt bei einem Klub, den San Antonio Spurs, seinen Abschied vom aktiven Sport erklärte, irgendwann ein ziemlich langweiliger Alias-Name durchsetzte: „The Big Fundamental“. Denn Duncan hatte etwas drauf, was den meisten Spielern in der NBA fehlt: eine grundlegende Einstellung zum Spiel und ein Rundum-Können, das ihn nicht nur im Angriff zu einem beinahe unwiderstehlichen Faktor machte, sondern seine durchschlagende Wirkung auch in der Defensive dokumentierte.

          „Eine Legende“

          „Er ist eine Legende“, sagte Mark Cuban, der Besitzer der Dallas Mavericks, die sich mit San Antonio in der Nowitzki-Ära immer wieder harte Play-off-Auseiandersetzungen lieferten. „Ein phänomenaler Mannschaftskamerad“, sagte Steve Kerr, der bei den Spurs seine Karriere ausklingen ließ und heute die Golden State Warriors trainiert: „Einfach ohne eine Pressekonferenz abzutreten, diese Bescheidenheit – typisch Tim.“

          Dabei war Duncan stets außerordentlich ehrgeizig, was seine persönliche Leistungsbilanz ebenso unterstrich wie die Erfolge der San Antonio Spurs, die mit ihm fünfmal NBA-Meister wurden. Er steuerte so einiges bei, vor allem die 3020 Blocks und 15 091 Rebounds, mit denen er als Fünfter beziehungsweise Sechster in der ewigen Bestenliste dieser Liga-Statistiken rangiert. Am ehesten wird vermutlich der Stil seines Auftritts im Gedächtnis hängen bleiben, bei dem ein verschlossenes Gesicht, auf dem man nur selten eine Regung ablesen konnte, zum Markenzeichen wurde. Seine Philosophie: „Wenn du zeigst, wie aufgeregt du bist, zeigst du auch Enttäuschung oder Frustration. Wenn dein Gegner das nutzt, ist das für dich zum Nachteil.“

          Etwas anderes war der Umgang mit den Schiedsrichtern. Sobald die ein Foul gegen ihn pfiffen, tat er total überrascht, blickte sie mit riesengroßen Augen stumm an und spielte die verfolgte Unschuld. Der Kontrast zu einem Ballzauberer wie Kobe Bryant konnte nicht größer sein. Der inszenierte nicht nur in seiner aktiven Zeit vor allem sich selbst, sondern bestritt zuletzt eine über die gesamte Saison währende Abschiedstournee, um trotz schwacher Form noch einmal so viel an Bewunderung aufzusaugen wie möglich. Duncan trat am Montag einfach ab, abgepuffert mit den Ersparnissen aus den 230 Millionen Dollar brutto, die er im Laufe seiner Karriere verdient hatte. Er verzichtete dabei auf das letzte Jahr eines laufenden Vertrages und Millionen Dollar, die eine Fortsetzung der Laufbahn noch gebracht hätte.

          Tim Duncan lässt los: Der NBA-Profi hört auf

          Dass Duncan das Zeug zum Ausnahme-Basketballer haben würde, hätte ihm in Saint Croix, wo er 1976 geboren wurde, niemand prophezeit. Seine ersten sportlichen Ambitionen in der abgelegenen Welt des zu den Vereinigten Staaten gehörenden Insel-Territoriums in der Karibik galt dem Schwimmen. So wie für seine Schwester, die 1988 in Seoul an den Olympischen Spielen teilnahm. Doch als 1989 der Hurrikan Hugo die Insel verwüstete und das Becken unbenutzbar machte, suchte er nach einer anderen Betätigung. Timothy Theodore Duncan war dreizehn Jahre alt, als er sich in der Schulmannschaft anmeldete und mit dem Basketball begann. Sein Talent sprach sich bis zum Festland herum. Und so erhielt er mit 17 ein Stipendium an der Universität Wake Forest.

          Duncan wurde beständig besser und war nach vier Jahren der Spieler, den in der NBA so gut wie jeder haben wollte. „Ich hoffe, ich kann einen Unterschied machen“, sagte er am Abend der Draft 1997, als erfahrene Trainer wie Larry Brown bereits wussten: „Egal, wer ihn draftet, der wird im Handumdrehen zum Meisterschaftsanwärter.“ Für die Spurs, die damals Duncan mit dem schon in die Jahre gekommenen Dream-Team-Center David Robinson zusammenbringen konnte, begann an diesem Tag eine Erfolgsgeschichte. Duncans Beitrag: 26 496 Punkte allein in der regulären Saison, womit er der erfolgreichste Korbschütze in der Geschichte der Spurs ist. Aber in Erinnerung bleibt viel mehr.

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