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Tiger Woods : Erst die Familie, dann die Ausbildung und zum Schluß Golf

  • -Aktualisiert am

Auf dem Platz die Sorge um den Vater vergessen Bild: REUTERS

Tiger Woods ist beim Golf-Masters in Augusta in Gedanken bei seinem schwerkranken Vater. „Was ich erreicht habe, habe ich mit meinem Vater geschafft. Wir sind ein Team“, sagt der Titelverteidiger.

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          Wenn Tiger Woods über seinen Vater spricht, spürt man sofort, wie nahe sich die beiden stehen: "Mein Vater ist mein bester Freund. Nicht viele Leute können das von sich behaupten." Von frühester Kindheit an hat Earl Woods dafür gesorgt, daß aus seinem Filius Eldrick der Golfprofi Tiger Woods wurde.

          Im zarten Alter von sechs Monaten drückte ihm der ehemalige Oberstleutnant der amerikanischen Elitetruppe Green Berets den ersten abgesägten Schläger in die Hand. Mit zehn Monaten kopierte das Kleinkind der Legende nach den Schwung des Vaters. Der sorgte mit militärischer Strenge und einem "Abhärtungstraining", ständigen Störungen während des Schwungs, dafür, daß sein Sprößling schon bald als Wunderkind galt. Earl Woods beschrieb seine Erziehung sogar in einem Buch: "Training a Tiger". Drei amerikanische Junioren- und dann drei Amateur-Meisterschaften der Vereinigten Staaten bereiteten den jungen Tiger auf den Wechsel ins Profilager vor.

          Um fünf Uhr klingelt der Wecker

          Mittlerweile übt Woods seit fast zehn Jahren das Wandergewerbe Golfprofessional aus und gilt nach zehn Erfolgen bei den vier Majors unumstritten als der Beste seiner Zunft. Der Disziplin, die ihm sein Vater beibrachte, fühlt er sich auch als verheirateter Erwachsener verpflichtet: Jeden Morgen um fünf Uhr klingelt der Wecker, und Woods macht sich auf den Weg in seinen Fitnessraum im neuen vierzig Millionen Dollar teuren Anwesen in Jupiter in Florida. "Was ich erreicht habe, habe ich mit meinem Vater geschafft. Wir sind ein Team", sagt der 30jährige Amerikaner.

          Gratulation vom Vater nach dem zweiten Sieg in Augusta 2001
          Gratulation vom Vater nach dem zweiten Sieg in Augusta 2001 : Bild: AP

          In dieser Woche ist das Team Woods erstmals nicht zusammen beim Masters. Seit Tiger Woods 1996 ins Profilager übertrat, hat die Familie Woods - Sohn Tiger und die Eltern Kutilda und Earl - immer gemeinsam in Augusta gewohnt. Dreimal feierte der Vater den Triumph seines Sohnes beim ersten Major des Jahres mit einer herzlichen Umarmung am 18. Grün. Im vergangenen Jahr konnte der krebskranke Vater die Fahrt zum wenige Kilometer entfernten Augusta National Golf Club nicht mitmachen und erlebte nur am Fernsehschirm mit, wie ihm der Junior seinen vierten Erfolg widmete. In diesem Jahr hat sich der Gesundheitszustand des 74jährigen Earl Woods dermaßen verschlechtert, daß er den Flug von Kalifornien nach Augusta im Osten des Landes nicht antreten konnte.

          Auf dem Golfplatz kann er die Sorge verdrängen

          "Er kämpft", sagt Tiger Woods mit erstickender Stimme, "er ist ein großartiger Kämpfer. Ich bin sehr, sehr stolz auf meinen Vater." Und dann erzählt Tiger Woods vom Herzinfarkt seines Vaters und den Komplikationen nach seiner zweiten Bypassoperation zwei Monate vor seinem ersten Masters-Sieg im April 1997: "Er war schon klinisch tot, aber sie haben ihn wiederbelebt. Er war entgegen dem Rat der Ärzte dabei, als ich hier das erste Mal gewann. Er half mir sogar mit einem Puttingtip entscheidend. Deshalb ist dieser Sieg für mich etwas ganz Besonderes." Aber diesmal ist die Lage für den Vater hoffnungslos. Woods deutete an, daß der ehemalige Elitesoldat den Kampf gegen den 2004 wieder ausgebrochenen Prostatakrebs nicht gewinnen kann.

          "Ich lebe mit dieser Situation nun schon seit zwei Jahren. Nichts hat sich geändert", sagt Tiger Woods. Nur auf dem Golfplatz kann er die Sorge um den todkranken Vater verdrängen: "Man ist so auf die Schläge konzentriert. Man vergißt alles. Aber sobald man den Platz verläßt, sieht es anders aus."

          „Drive for Five“

          Der Weltranglistenerste schiebt daher sein schwaches Abschneiden bei seinen beiden letzten Turnieren mit Platz 22 beim Bay Hill Invitational in Orlando und dem Rang 20 bei der Players Championship nach drei Siegen bei seinen ersten fünf Turnierteilnahmen nicht auf seine privaten Sorgen. Er habe einfach einige schlechte Schläge gemacht und schrecklich geputtet. Allerdings verzichtete er bei der Players Championship, dem nach den vier Majors wichtigsten Turnier, auf seine letzte Proberunde am Mittwoch vor Turnierbeginn und flog zu seinem Vater nach Cypress. "Was zum Teufel machst du hier?" begrüßte ihn der Vater, der den Sohnemann prompt wieder zur Arbeit schickte. Woods traf rechtzeitig zu seiner ersten Runde am Donnerstag mittag wieder an der Nordostküste von Florida ein.

          Auf Wunsch des Vaters trat Woods auch die Dienstreise nach Augusta an und geht die von den amerikanischen Medien mit den Schlagworten "Drive for Five" griffig formulierte Kampagne für sein fünftes grünes Siegesjackett an, ein Unterfangen, das für ihn mit einer Par-Runde von 72 Schlägen und fünf Rückstand auf den zunächst führenden Vijay Singh (67/Fidschi) durchwachsen begann. Abstecher an die Westküste sind diesmal nicht geplant. "Ich hoffe, ich muß nicht hin", sagt Woods, der aber auch seine Prioritäten klar formulierte: "Für uns kam immer zuerst die Familie, dann die Ausbildung und dann erst Golf." Oder anders ausgedrückt: Falls es die Situation erfordert, wird Woods seinen Masterstitel freiwillig abgeben und zu seinem Vater eilen.

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