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Deutsche Handballklubs : Chancenlos gegen die Neureichen

  • -Aktualisiert am

Die Kieler Toft Hansen (Mitte) und Patrick Wiencek im Viertelfinale-Rückspiel in Barcelona Bild: dpa

Die erfolgsverwöhnten deutschen Handballer sind in der Champions League so erfolglos wie die Fußballer. Das hat vor allem zwei Gründe, gegen die die Liga ein Gegenmittel vorschlägt.

          Die Verschwörungstheorien, die Xavier Pascual, Trainer des FC Barcelona, nach dem Hinspiel in Kiel unters Volk gebracht hatte, erwiesen sich als ziemlicher Unsinn. Pascual hatte spanischen Medien gegenüber behauptet, dass der THW Kiel, Barcelonas Viertelfinalgegner in der Champions League, systematisch bevorteilt werde, damit es wenigstens ein deutsches Team ins europäische Endturnier Anfang Juni nach Köln schaffe. Nur so ließe sich die seiner Meinung nach skandalöse Schiedsrichterleistung beim 26:28 in Kiel erklären.

          Damit wurde ordentlich Druck auf die Unparteiischen vor dem Rückspiel am Samstag in Barcelona entfacht. Die beiden Kroaten pfiffen ordentlich, und der spanische Meister gewann 23:18 – da war dann auch Pascual zufrieden und ging seiner obskuren Theorie nicht weiter nach. Kiel hatte gut, aber nicht sehr gut gespielt. Es hätten ein paar Weltklasseleistungen gefehlt, urteilte Trainer Alfred Gislason ruhig und sachlich. Der THW war in einem packenden Spiel vor enthemmtem Publikum ein guter Verlierer. Weil die Rhein-Neckar Löwen schon im Achtelfinale und Flensburg in der Runde der letzten acht gegen Skopje ausgeschieden waren, gibt es bei der siebten Auflage des „Final Four“ in Köln ein Novum: Zum ersten Mal tritt dort keine deutsche Mannschaft an. Barcelona, Skopje, Paris und Veszprém spielen den Champions-League-Sieger aus.

          Die Gründe für die Wachablösung

          Bei der Suche nach den Gründen wird man schnell fündig. Kiel spielte noch am Mittwoch in Göppingen, die SG musste drei Tage nach Skopje in Leipzig ran – der Stress zwischen nationaler und internationaler Liga reibt auf. Von den Finalteilnehmern hat nur Paris eine ernstzunehmende Meisterschaft zu überstehen. Zudem kann selbst Kiel mit knapp zehn Millionen Euro Etat finanziell nicht mehr mithalten. Veszprém wird von der staatlichen Telefongesellschaft unterstützt, Paris aus Qatar, Skopje von einem Rohstoff-Multi und Barcelona über die Fußballer quersubventioniert. Die vier Klubs haben Etats jenseits der 15 Millionen Euro.

          „Alle deutschen Teams werden es auf Sicht schwer haben“, sagt der Kieler Manager Thorsten Storm, „wir haben weniger Geld und eine viel höhere Belastung.“ An anderer Stelle sieht man die Wachablösung entspannter. „Die deutschen Klubs waren von 2012 bis 2014 Sieger“, sagt HBL-Präsident Uwe Schwenker, „jetzt sind mal andere dran. Das belebt das Geschäft.“

          Den Kader vergrößern, um den Stress zu meistern und Verletzungen auszugleichen – das ist ein Rat der HBL an die deutschen Spitzenklubs, um demnächst wieder europäisch durchzustarten. Das allerdings erfordert viel Geld und ein gutes Händchen. Bei Kiel und Flensburg waren die hinteren Kaderpositionen zu schwach besetzt, um in diesem Viertelfinale wirklich weiterhelfen zu können.

          Anders ist die Lage im EHF-Pokal. Dort sind die deutschen Klubs in drei Wochen in Göppingen fast unter sich. Der Gastgeber, Magdeburg und die Füchse Berlin kämpfen mit Saint-Raphaël aus Frankreich um den zweiten Pokal des Europäischen Handballverbandes. Vom Wert, Preisgeld und internationaler Beachtung her ist der EHF-Pokal allerdings zwei Nummern kleiner einzustufen als die Champions League. Den deutschen Klubs wird in diesem Jahr also nur das Trostpflaster bleiben – wenn überhaupt, immerhin warf Saint-Raphaël im Viertelfinale die wieder einmal enttäuschenden Melsunger heraus.

          Final Four im EHF-Pokal ausgelost

          Titelverteidiger und Gastgeber Frisch Auf Göppingen trifft im Halbfinale des EHF-Pokals auf die Handball-Bundesliga-Konkurrenz des SC Magdeburg. Das ergab die Auslosung am Dienstag im Göppinger Rathaus. Das zweite Semifinale betreiten die Füchse Berlin und Saint-Raphael Var aus Frankreich. Das Finalturnier wird am 20. und 21. Mai gespielt.

          „Saint-Raphael war unser Wunschgegner“, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning der Deutschen Presse-Agentur: „Nicht wegen des Gegners, sondern wegen der Internationalität. Ich freue mich auf dieses internationale Flair, das ich den anderen Mannschaften versagen möchte.“ Die Berliner wollen nach 2015 zum zweiten Mal den EHF-Pokal gewinnen. Gegen die Franzosen gab es in der Gruppenphase einen 33:31-Heimsieg und eine 21:27-Auswärtsniederlage.

          „Wenn man den EHF-Pokal gewinnen will, muss man jede Mannschaft schlagen“, hatte Frisch-Auf-Akteur Daniel Fontaine schon vor der Auslosung gesagt. Danach fügte sein Trainer Magnus Andersson hinzu: „Das wird schwierig.“ SCM-Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt: „Alle vier Teams haben das gleiche Niveau. Alle haben die Chance, den Pokal zu gewinnen.“ (dpa)

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