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THW Kiel : Die Jugend in der Hauptrolle

  • -Aktualisiert am

Im Klammergriff: Die Gegner wissen längst, was Lukas Nilsson kann. Bild: dpa

Kiel ist für schwedische Handballprofis traditionell eine gute Adresse – und das nicht nur, weil die Schweden-Fähren dort abfahren. So auch für die Youngster Bilyk und Nilsson, auf die Trainer Gislason gegen Hannover setzten dürfte.

          Vor dem kritischen Auge Alfred Gislasons zu bestehen ist schwer. Der isländische Handballtrainer hat schon viele Talente gewogen und für zu leicht befunden in seinen acht Kieler Jahren. In diesen Wochen freut sich der 57 Jahre alte Coach umso mehr, zwei besondere Ausnahmen in seiner Gruppe zu haben - Nikola Bilyk und Lukas Nilsson. „Als ich mit 23 Jahren in die Bundesliga kam, brauchte ich Monate, um mich an die Härte und Atmosphäre zu gewöhnen“, sagt Gislason staunend, „das ist bei ihnen anders.

          Dabei muss man sich vor Augen führen, dass die beiden erst 19 Jahre alt sind.“ Vorgesehen war, Nilsson und Bilyk langsam an die deutsche Eliteklasse heranzuführen. Sie sollen die Protagonisten der Kieler Verjüngung werden; Spieler, die den THW über Jahre führen können - allerdings keineswegs sofort. Doch weil es von Beginn an so gut lief und die zwei sich besonders lerneifrig und professionell verhalten (was bei Gislason unerlässlich ist, wenn man weiterkommen will), spielen Nilsson und Bilyk eine Hauptrolle beim Kieler Saisonstart. Auch an diesem Mittwoch gegen die TSV Hannover-Burgdorf dürfte Gislason auf den Schweden und den Österreicher setzen.

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          Für Nikola Bilyk ging es beinahe unwirklich los im September. Dreimal nacheinander stand der 198 Zentimeter lange linke Rückraumspieler in der Kieler Start-Sieben. Dadurch hatte er die Wette mit seinem österreichischen Kollegen Clemens Polszter gewonnen: „Dadurch, dass ich die ersten drei Spiele in der Bundesliga angefangen habe, muss mich Clemens einen Tag lang in Kiel überallhin einladen“, verrät Bilyk, der mit Polszter bis zum Sommer zusammen beim HC Fivers Margareten in Wien spielte. Eigentlich sollte er erst 2017 an die Ostsee wechseln.

          Doch Ende 2015 verhandelten die Klubs noch einmal und einigten sich, den Deal vorzuziehen. Als „größtes Rückraumtalent im Welthandball“ bezeichnete Gislason ihn, als man sich noch fragte, welchen Youngster der THW da an der Angel habe. Österreichischer Nationalspieler war Nikola Bilyk da schon. Österreichischer Meister wurde er bald darauf. Aber war das ein ausreichendes Führungszeugnis für die Bundesliga? Mit 70 Toren in 14 Saisoneinsätzen hat Bilyk bislang alle Erwartungen übertroffen.

          In ähnlichen Superlativen schwärmten die Kieler von Lukas Nilsson. „Ihn haben praktisch alle großen Klubs gejagt“, sagte Geschäftsführer Thorsten Storm, „wir sind froh und stolz, dass er sich für uns und unseren Weg entschieden hat.“ Als Nilsson im September mit Gänsehaut im Keller der Ostseehalle aufs Einlaufen zum ersten Saisonspiel wartete, wusste er, dass die Entscheidung pro Kiel richtig war. In Ystad war der 95 Kilogramm schwere Rückraumspieler schon eine prägende Figur, in der schwedischen Nationalmannschaft überzeugte er durch Wurfhärte und Stress-Resistenz. „Er ist das größte Talent im schwedischen Handball“, sagt Auswahltrainer Ola Lindgren.

          Kiel ist für schwedische Handballprofis traditionell eine gute Adresse - nicht nur, weil die Schweden-Fähren hier abfahren. Auch die Ahnenreihe Magnus Wislander, Staffan Olsson, Stefan Lövgren, Marcus Ahlm liest sich eindrucksvoll. Dass Nilsson mit seinen langen Haaren auch noch ein paar mehr weibliche Fans in die Arena locken dürfte, mag für die Kieler ein angenehmer Zusatzeffekt sein. Das Magazin „Handball Inside“ taufte den jungen Nordmann schon auf den Namen „Legolas“, angelehnt an den Bogenschützen aus „Herr der Ringe“. Für solchen Schnickschnack hat Alfred Gislason traditionell wenig übrig, wobei man sagen muss, dass sich Nilsson nicht und Bilyk schon gar nicht wie Jungstars aufführen.

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