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Krimi-Sieg im Derby : Kiel macht die Handball-Meisterschaft wieder spannend

  • Aktualisiert am

Rückhalt für Kiel: Torhüter Niklas Landin Bild: dpa

Der THW Kiel hat das Topspiel in der Handball-Bundesliga gegen Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt gewonnen. Dabei war der Ausgang der Partie bis in die Schlusssekunden völlig offen.

          Das Derby gewonnen, der Meistertraum lebt: Rekordmeister THW Kiel hat sich im Titelkampf der Handball-Bundesliga eindrucksvoll zurückgemeldet. Die Mannschaft von Alfred Gislason besiegte die SG Flensburg-Handewitt in einem dramatischen und bis in die Schlusssekunden hochspannenden Nordderby mit 20:18 (11:11) und zog nach Punkten mit dem Spitzenreiter gleich. Damit darf Trainer-Ikone Gislason, der im Sommer nach elf Jahren beim THW aufhört, auf einen perfekten Abschied hoffen. Den DHB-Pokal haben die Kieler bereits gewonnen, der EHF-Cup könnte am kommenden Wochenende folgen.

          Garant für den Sieg im 99. Nordklassiker war Kiels Keeper Niklas Landin, der die Flensburger mit zahlreichen Paraden zur Verzweiflung trieb. Bester THW-Torschütze war Spielmacher Domagoj Duvnjak mit fünf Treffern, bei der SG traf Lasse Svan ebenfalls fünfmal.

          „Wir haben heute gegen Niklas Landin verloren“

          „Das war eine unglaubliche Stimmung, ein richtiges Handballfest“, sagte Gislason bei Sky: „Unsere Abwehr stand sehr gut, Landin war überragend, das hat es ausgeglichen, dass wir viel freie Chancen haben liegenlassen.“ Das bestätigte Flensburgs Trainer Maik Machulla: „Wir haben heute gegen Niklas Landin verloren, überragend, wie er gehalten hat. Wenn du so viele Chancen nicht nutzt, dann wird es in einem solchen Spiel schwer. Wir müssen die Schuld bei uns suchen.“

          Während der THW mit seinen Fans den 16. Pflichtspielsieg nacheinander feierte, musste Flensburg im 30. Saisonspiel die zweite Niederlage einstecken. Die Mannschaft von Machulla führt die Tabelle mit 56:4 Punkten zwar weiter vor den Kielern (56:6) an, darf sich in den verbleibenden vier Spielen aber keine weitere Niederlage mehr erlauben. Zudem verloren die Nordlichter ihren Kapitän und Abwehrchef Tobias Karlsson, der schon in der ersten Halbzeit wegen Rückenproblemen die Halle verlassen musste.

          „Wir wissen, dass wir in einer sehr, sehr guten Position sind, aber wir dürfen es auch nicht zu hoch hängen“, sagte SG-Coach Machulla unmittelbar vor dem Anpfiff bei Sky. Der THW sei „eine große Herausforderung für meine jungen Spieler. Wir müssen cool bleiben in dieser Atmosphäre und Vollgas-Handball spielen.“

          Es dauerte tatsächlich eine Weile, bis sich die Flensburger an die Wucht der 10.285 Zuschauer in der ausverkauften Arena und des Gegners gewöhnt hatten. Doch nach dem Kieler 5:2 (10.) durch Nationalspieler Steffen Weinhold stabilisierten sich die Gäste und übernahmen nach vier Treffern in Serie und exakt 16 Minuten durch ein Tor von Holger Glandorf erstmals die Führung.

          Fortan entwickelte sich eine eiß umkämpfte Partie in hitziger Atmosphäre. Die Führung wechselte munter hin und her, obwohl Flensburg ab der 17. Minute ohne Karlsson auskommen musste. Für die Glanzpunkte sorgten vor allem die Keeper beider Teams. Kiels Landin hatte mit zahlreichen spektakulären Paraden entscheidenden Anteil daran, dass die Hausherren im zweiten Durchgang schnell das Kommando übernahmen und die Führung bis in die Schlussphase nicht mehr abgaben.

          Berichte über entwürdigende Rituale

          Für Wirbel hatte vor der Partie ein Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel über entwürdigende Rituale in der Nachwuchs-Akademie Flensburgs gesorgt. Jugendspieler hätten sich in dem Handball-Internat in der Vergangenheit über Jahre hinweg einem Aufnahmeritual unterziehen müssen. Dabei seien den Talenten Brustwarzen mit einer Rohrzange umgedreht worden, während Mitspieler sie festhielten.

          „Dieses Ritual betrifft nicht uns, die Akademie ist unabhängig“, sagte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke dem SID: „Dennoch verurteilen wir auf das Schärfste, was dort passiert ist.“ Sowohl der Spiegel als auch der NDR zitieren einen Handballer, der angibt, neun Monate nach dem Ritual im März 2016 die Akademie verlassen und mit dem Sport aufgehört zu haben. Es sei ein posttraumatisches Belastungssyndrom diagnostiziert worden. „Es ist alles getan worden, um das professionell aufzuarbeiten“, versicherte Schmäschke: „Seitdem hat es nie wieder einen Vorfall gegeben.“

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