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Thomas Haas : „Das ist ein totaler Zoo“

  • -Aktualisiert am

„Tennis ist immer noch mein Leben”: Thomas Haas Bild: REUTERS

Eigentlich ist Thomas Haas alles andere als ein Freund des Sandplatzturniers in Paris. Doch inzwischen genießt der gereifte Tennisprofi seine Zeit bei den French Open. Seine gute Laune will er sich auf keinen Fall verderben lassen.

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          Thomas Haas macht aus seiner Abneigung kein Hehl: „Die French Open sind das schwierigste und unangenehmste aller Grand-Slam-Turniere. Ständig steht einem jemand im Weg. Das ist ein totaler Zoo. Aber ich verbringe hier ohnehin nie viel Zeit. Ich trainiere hier, spiele meine Matches und bin weg.“

          In der Vergangenheit hat er sich vielleicht wegen dieser negativen Einstellung meist schnell aus dem Turnier verabschiedet. In den Jahren 2007 und 2008 verzichtete er ganz auf die Dienstreise nach Paris. Er behauptet, dass er sich in diesem Jahr im reifen Tennisalter von 31 Jahren noch einmal die Tortur im Stade Roland Garros zumute, habe ihn selbst ein wenig überrascht. Und dann wurde ihm in der ersten Runde auch noch ein alter Bekannter zugelost, den er schon im sportlichen Ruhestand wähnte. Mit 35 Jahren spielt Andrei Pavel nur noch gelegentlich auf der ATP Tour, nach den Australian Open und dem Sandplatzturnier in Zagreb war Paris erst das dritte Turnier für den in Burgholzhausen in Ostwestfalen lebenden Familienvater. Aber die 15.000 Euro, die die Verlierer der ersten Runde kassieren, waren wohl zu verlockend.

          Haas mag eigentlich keine „langsamen“ Spiele

          Haas war es recht: „So konnte ich mich wenigstens noch revanchieren.“ Denn mit dem 6:1-, 6:4- und 6:4-Erfolg verschaffte er sich späte Genugtuung. Vor sieben Jahren hatte er in drei hart umkämpften Sätzen im Achtelfinale gegen Pavel verloren - Höhepunkt und bitterste Stunde seiner Auftritte beim Pariser Sandplatzturnier. „Das war meine beste Chance, hier weit zu kommen“, erinnert sich Haas.

          Ansonsten verschwimmt bei dem Wahlamerikaner die Erinnerung an die French Open: „Ich kann mich kaum an Matches hier erinnern, nur an Siege gegen Schüttler und Waske - und an die Niederlage gegen Novak Djokovic.“ Das war 2006. In den vergangenen Jahren hat Haas immer wieder betont, wie wenig ihm das Spiel auf „langsamen“ Sandplätzen zusage. Anfang des Jahres hatte er noch davon gesprochen, in diesem Jahr eventuell ganz auf die Ascheplatz-Saison zu verzichten. Doch dann hatte er eine Wildcard für das Turnier in Houston angenommen und dort den spanischen Titelverteidiger Marcel Granollers geschlagen, ehe er in der dritten Runde überraschend an seinem deutschen Landsmann Björn Phau scheiterte.

          Gute Laune - unter allen Umständen

          Beim Münchner ATP-Turnier Anfang Mai hatte er unter großem Medienwirbel und harscher Kritik seines Sponsors seine Teilnahme abgesagt: „Als ich am Mittwoch vor dem Turnier ankam, waren es neun Grad und Nieselregen, für meine dreimal operierte Schulter die Hölle. Ich weiß, was ich ihr zumuten kann.“

          So spielte er die Qualifikation beim Madrider Masters-Turnier, schaffte den Sprung ins Hauptfeld und schied erst in der zweiten Runde gegen den Amerikaner Andy Roddick aus. Den Frust, dieses Spiel trotz eines Matchballs im Tiebreak des zweiten Satzes verloren zu haben, hat er mit einer einstündigen Wanderung zur Seidlalm in Kitzbühel mit seiner amerikanischen Freundin verdaut. So gut, dass er seine Zeit in Paris nun richtig genießt: „Ich bin ja erstmals mit meiner Verlobten hier.“

          Die gute Laune kann ihm auch nicht verderben, dass er an diesem Donnerstag in der zweiten Runde nicht wie erhofft auf den Amerikaner James Blake, sondern auf den argentinischen Qualifikanten Leonardo Mayer trifft. Haas schwant, dass das ein unangenehmer Gegner sein wird: „Der hat hier schon einige Matches gewonnen, und ich kenne ihn nicht.“ Haas ist zwar ohne große Erwartungen nach Paris gereist, aber das heißt nicht, dass er ohne jeden Ehrgeiz in die Matches geht: „Ich hasse es immer noch zu verlieren, ich will immer noch jedes Match gewinnen, bei jedem Turnier weit kommen.“

          „ ... auch wenn es oft nicht so aussieht“

          Haas spürt, dass das Ende seiner Karriere naht. Er sagt, wenn die Schulter oder der Arm noch einmal größere Schwierigkeiten bereiteten, werde er sofort aufhören. Aber er will diesen Zeitpunkt so lange wie möglich hinausschieben. In Paris absolviert er mit Alex Schober, dem ehemaligen Physiotherapeuten von Pete Sampras, eine Probewoche. Wenn es gut läuft, wollen die beiden zusammen die nächsten Turniere angehen. Denn Haas ist noch immer mit vollem Herzen bei der Sache: „Tennis ist immer noch mein Leben, ich liebe es immer noch, Matches zu spielen, auch wenn es oft nicht so aussieht.“

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