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Spektakel bei Tennisturnier : Der Hangar ist der Star

Offene Stahltore, blauer Himmel: Jan-Lennard Struff auf den Tenniscourt in Berlin-Tempelhof Bild: EPA

Die Entdeckung des Berliner Tennisturniers ist der Flugzeugschuppen in Tempelhof. Das wirft eine interessante Frage auf: Wird künftig auch an anderen spektakulären Orten gespielt?

          3 Min.

          The Hangar Games könnten eine neue Erfolgsserie im Tennis werden. Als am Sonntag in Berlin die Finals des Einladungsturniers in einem riesigen Flugzeugschuppen des einstigen Airport Tempelhof ausgespielt wurden, konnte von Abschied nicht wirklich die Rede sein. Als Lückenbüßer für das wegen der Corona-Restriktionen abgesagte Damenturnier Berlin Open entwickelt und drei Tage lang zunächst auf Rasen im Steffi-Graf-Stadion im Grunewald und dann drei Tage lang auf Hartplatz in der Kulisse des einstigen Zielpunkts der Berliner Luftbrücke ausgespielt, hat sich das Notprogramm über die Maßen bewährt.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Die Entdeckung des Turniers ist der Hangar“, schwärmte Turnierdirektorin Barbara Rittner. Reichlich sechstausend Quadratmeter Fläche und eine lichte Höhe von gut zehn Metern boten Platz für einen Tennisplatz und kleine Tribünen für insgesamt zweihundert Besucher an den Stirnseiten. Rittner hatte, als Praktikantin des Fernsehsenders RBB, zwar schon ein Reitturnier in der überaus geräumigen Anlage erlebt. Doch von Geschichte und Raum ließ sie sich gern noch einmal überwältigen. Durch das geöffnete Rolltor bot sich eine spektakuläre Aussicht auf das Flugfeld mit den Türmen der Neuköllner Moschee im Hintergrund und einem historischen Flugzeug aus der Zeit der Rosinenbomber im Vordergrund.

          Tommy Haas als i-Tüpfelchen

          Zwar kam Marius Müller-Westernhagen am Samstag und erlebte mit, wie Andrea Petkovic der zweimaligen Wimbledon-Siegerin und späteren Turnier-Zweiten Petra Kvitova aus Tschechien in drei Sätzen unterlag. Damit war er einer von rund hundert Zuschauern. Nicht einmal ein Rockstar wie er macht aus dem Turnier ein Publikumsereignis, da Hygieneregeln und hohe Eintrittspreise den Besuch einschränken. „Wir machen jetzt weiter“, hat jedoch Adam Szpyt, Chef des Hauptsponsors Bett1, eines Matratzenherstellers, entschieden: „Wir haben der Welt bewiesen, dass man sportliche Großereignisse unter Corona-Bedingungen austragen kann.“ Barbara Rittner attestierte den Spielen „absolutes Weltklasse-Niveau“ und lobte, dass der drei Jahre nach dem Ende seiner langen Karriere für drei Spiele zurückgekehrte, 42 Jahre alte Tommy Haas der Veranstaltung das i-Tüpfelchen aufgesetzt habe.

          Zwei von hundert: Marius Müller-Westernhagen und Ehefrau Lindiwe Suttle gehörten zu den Zuschauern.
          Zwei von hundert: Marius Müller-Westernhagen und Ehefrau Lindiwe Suttle gehörten zu den Zuschauern. : Bild: dpa

          Haas, wie einst mit umgedrehter Mütze und großem Ehrgeiz am Start, schlug sich großartig. Dem 18 Jahre alten Jungstar Jannik Stiller rang er einen dritten Satz ab. Jan-Lennard Struff, die Nummer 34 der Welt, rang er in zwei Sätzen nieder. Und gegen den überragenden Dominic Thiem, den Dritten der Weltrangliste, der an diesem Sonntag das Finale gegen Jannik Sinner gewann, erspielte er sich immerhin zwei Satzbälle. Dann konnte er nicht mehr. Auf sein Spiel um Platz drei musste Haas verzichten, weil die Wade zwickte.

          Haas habe gezeigt, lobte dessen einstiger Manager Edwin Weindorfer, dass er Flagge zeige, während Spieler wie Alexander Zverev, der in Berlin erwartet worden war, absagten. Für das Berliner Konzept interessierten sich die Tour-Organisatoren WTA und ATP, berichtete der Turnierveranstalter von Berlin wie von Stuttgart, Wien und Palma de Mallorca. Womöglich werden auch sie, um den Betrieb wieder aufnehmen zu können, zunächst auf Zuschauer verzichten und die Spieler in eine Sicherheits-Blase stecken müssen. „Wir werden versuchen, unser Hygiene-Konzept mit anderen zu teilen“, versprach Weindorfer.

          Ob der Tennis-Zirkus im August wieder seine Tore öffnet oder in der Zwangspause bleibt – der Österreichische Impresario ist gewappnet. „Wir haben einen Startschuss gegeben“, sagt er über das Einladungsturnier mit insgesamt 200.000 Dollar Preisgeld in Berlin: „Wir haben eine Marke kreiert.“ Linienrichter braucht er dank elektronischer Überwachung nicht. Led-Anzeige rundum und zwölf Kameras am Court machen jede Leistung und jeden Fehler, jede Geste und jeden Gesichtsausdruck sichtbar. „Vielleicht war dies ein Vorgeschmack auf die US Open“, orakelte Weindorfer. Die Zukunft des Tennis – kommt sie, bleibt es bei der neuen Realität, aus dem Hangar in Tempelhof?

          Nach seiner Vorstellung wird er mit diesem Format, sechs Damen und sechs Herren, nach der Saison, also im November oder Dezember, an städtische Orte ziehen, die so spektakulär sind wie die Flugzeughalle in Berlin. Zwar macht er aus den ,Locations‘, wie er die Adressen nennt, noch ein Geheimnis. In Europa sollten sie liegen und überdacht sein, mehr wolle er nicht verraten. Doch die Halle des Züricher Hauptbahnhofs hat er selbst schon als Möglichkeit in die Diskussion gebracht. Und an Sonntag raunte Barbara Rittner vielsagend: „Hamburg ist eine schöne Stadt.“

          Wo auch immer: Das Format ist ausbaufähig. Mit jeweils acht Spielerinnen und Spielern sowie einem zweiten Platz ließen sich zwei kleine Turniere vom Viertelfinale an ausspielen – ein Abklatsch der großen Championships mit Qualifikation und 256 Teilnehmern sowie mit zigtausend Besuchern. Aber eben eine übersichtliche und handhabbare und deshalb womöglich auch realistische Veranstaltung. Sponso Szpyt ist deshalb, seinem unternehmerischen Naturell entsprechend, optimistisch. „Dies ist ein modernes globales Event geworden“, bejubelte er das Turnier aus der Flugzeughalle. „Dies ist ein Investment in die Zukunft.“

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