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Tennisspieler hat Corona : „Einfach nur müde im Kopf“

  • Aktualisiert am

Saison auf der Kippe: Benoit Paire Bild: Reuters

Eine Corona-Infektion zwingt Benoît Paire zum Ausscheiden bei den US Open. Wochen später spielt der Franzose in Deutschland. Doch das Virus macht sich immer noch bemerkbar.

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          Es war auf den ersten Blick nicht zu erkennen, wo das Problem lag, als der Franzose Benoît Paire Mittwochmittag zu Beginn des zweiten Satzes gegen Casper Ruud aus Norwegen dem Schiedsrichter mitteilte, er könne nicht weiterspielen. Er humpelte nicht, schlug halbwegs normal, schien aber irgendwie nicht bei der Sache zu sein. Dann packte er seine Tasche und verschwand. Keine 20 Minuten später saß er im Interviewraum am Hamburger Rothenbaum mit einer weißen Maske und erklärte, er habe ein Problem mit seinem Sport, seit wieder Tennis gespielt werde, und so habe diese Zeit für ihn ausgesehen.

          „Positiver Covid-Test bei den US Open, zehn Tage in meinem Zimmer, dann nach Rom geflogen, ohne Training gespielt. In Hamburg angekommen, wieder positiv getestet, aber hier in Deutschland sind die Regeln anders, sie lassen mich spielen, aber ich kann mein Zimmer wieder nur für eine Stunde zum Training verlassen. So kann man nicht Tennis spielen. Ich war froh, auf dem Platz zu sein, aber ich war müde, konnte mich nicht bewegen und musste aufhören.“

          Er wurde also wieder positiv getestet? Zum zweiten Mal nach jenem Test im Rahmen der US Open am 28. August in New York? „Ja, wieder.“ Wie sich die Sache genau zugetragen hatte, das erklärte wenig später der Turnierarzt der Hamburg European Open. Um die Sache verständlich zu machen, holte Dr. Volker Carrero ein wenig weiter aus und begann mit dem Satz, man müsse die Fälle generell differenzieren, es sei ein ganz gewaltiger Unterschied zwischen einem ersten positiven Test und einem Re-Test. „Wenn eine Person das erste Mal positiv getestet wird, dann geht sie in Quarantäne, überall auf der Welt, auch in Deutschland zehn Tage. Bei Benoît war‘s so, das ist ja bekannt, er hat einen positiven Test bei den US Open bekommen, bei ihm handelt es sich um einen auffälligen Re-Test. Wir wissen, dass bei einem hohen Prozentsatz der Patienten nach drei Wochen noch positive Tests vorhanden sind, das heißt aber nicht, dass sie infektiös sind. Der Spieler ist bei den US Open in Quarantäne gewesen, hat dann ein anderes Turnier gespielt, hat woanders ein negatives Testergebnis gehabt, dann haben wir einen auffälligen Test gefunden. Die ganze Kommunikation ist komplett so gelaufen, wie sich das vom Hygienekonzept gehört. Das Gesundheitsamt Hamburg Eimsbüttel, das hierfür zuständig ist, ist am Samstag Vormittag informiert worden, der erste Test war Freitag Abend.“

          „Alles völlig im Rahmen und korrekt“

          Die ATP, Dachorganisation des Herrentennis, wurde ebenfalls informiert, Paire wurde gebeten, das Hotelzimmer außer zum Training möglichst nicht zu verlassen, und der Franzose sagt, daran habe er sich natürlich gehalten. Ob ein Spieler bei dieser Ausgangslage spielen dürfe, so Turnierarzt Carrero weiter, unterliege ganz klar der Gesundheitsbehörde. Anhand der Datenlage sei klar gewesen, dass Paire nicht infektiös sei, und dementsprechend habe der Spieler vom Amt die Erlaubnis bekommen, seiner Arbeit nachzugehen. Um die Entwicklung zu verfolgen wurde am Sonntag ein zweiter Re-Test gemacht, der ebenfalls positiv war, aber schon eine Besserung zeigte, der letzte Test am Dienstag, also am Tag vor Paires Spiel gegen den Norweger, war negativ. Das alles sei, so Carrero, absolut so gehandhabt worden, wie es in Deutschland mit Covid-19-Patienten üblich sei – „alles völlig im Rahmen und korrekt“.

          Paire bedankte sich ausdrücklich für die Betreuung und den Umgang mit der ganzen Geschichte, dennoch geht es ihm nun kein bisschen besser. Die zehn Tage Quarantäne in New York haben ihm zugesetzt, aber mindestens ebenso schwer fällt es ihm, im Durcheinander eine Linie zu erkennen, an der er sich orientieren kann. Er verstehe die Regeln, die überall unterschiedlich seien, nicht, das sei ungeheuer nervig, und das dürfe seiner Meinung nach auch nicht so bleiben. Im Moment wünsche er sich nur noch das Ende der Saison herbei, in der Hoffnung, dass vielleicht im kommenden Jahr wieder unter anderen, gewohnten Bedingungen gespielt werden könne.

          Am Wochenende beginnen die French Open in Paris, wird er dort spielen? „Hängt vom Test ab. Falls er negativ ist, kann ich spielen, falls er positiv ist, spiele ich nicht und fahre nach Hause.“ In dem Fall werde er die Saison beenden und versuchen, ein paar positive Eindrücke zu sammeln. „Im Moment bin ich einfach nur noch müde im Kopf.“

          Achtelfinal-Aus für Tennisprofi Koepfer

          Dominik Koepfer ist bei den Hamburg European Open als letzter deutscher Tennisprofi ausgeschieden. Der 26 Jahre alte Davis-Cup-Spieler musste sich am Mittwochabend im Achtelfinale dem an Nummer vier gesetzten Spanier Roberto Bautista Agut trotz einer sehr couragierten Leistung mit 3:6, 6:3, 3:6 geschlagen geben. Bautista Agut nutzte nach 2:04 Stunden seinen ersten Matchball.  Zuvor hatte bei der mit rund 1,2 Millionen Euro dotierten Sandplatz-Veranstaltung bereits Yannick Hanfmann den Einzug ins Viertelfinale verpasst. Der 28 Jahre alte Karlsruher verlor gegen den Chilenen Cristian Garin mit 2:6, 6:7 (3:7). Jan-Lennard Struff und Philipp Kohlschreiber waren am Dienstag jeweils bereits in der ersten Runde gescheitert. (dpa)

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