https://www.faz.net/-gtl-7thbp

Tennisstar Wozniacki : „Sweet Caroline“

  • Aktualisiert am

Caroline Wozniacki verzaubert New York: Der Glanz in ihren Augen sollte Rory McIlroy Schmerzen bereiten Bild: REUTERS

Die Hochzeitskarten waren schon verschickt, da trennte Golfstar Rory McIlroy die Beziehung. Tennisprofi Caroline Wozniacki fiel in ein Loch, kämpfte sich aber wieder heraus - und steht nun im Halbfinale der US Open.

          Als Caroline Wozniacki nach ihrem Coup gegen Maria Scharapowa glückselig-strahlend dem New Yorker Publikum eine Kusshand zuwarf, spielte die Stadionregie in der größten Tennis-Arena der Welt den Neil-Diamond-Klassiker „Sweet Caroline“ ein. Zwar nicht gerade der kreativste Griff in die elektronische Musikkiste, in diesem Augenblick aber ein durchaus passender.

          Privat hat die 24 Jahre alte Dänin mit der Trennung von dem nordirischen Golfstar Rory McIlroy und der kurzfristig geplatzten Hochzeit schwere Zeiten hinter sich. Die Einladungskarten waren im Mai schon verschickt, als der vermeintlich Zukünftige plötzlich einen Rückzieher machte und die Trennung schnöde beendete - per SMS, wie es hieß. „Die Hochzeitseinladungen haben mir klargemacht, dass ich nicht bereit für eine Ehe bin“, teilte er später in einer halboffiziellen Erklärung mit.

          Erst in der Silvesternacht 2013/2014 hatte  sich das sportliche Glamour-Paar McIlroy und Wozniacki verlobt: „Mein erster Sieg 2014“, hatte der Nordire danach getwittert. „Ich habe das Gefühl, es wird ein gutes Jahr.“ Und Wozniacki twitterte nicht minder euphorisch: „Rory und ich beginnen 2014 mit einem Paukenschlag! Ich habe Ja gesagt!!!“

          Vermeintliches Traumpaar des Sports: Rory McIlroy und Caroline Wozniacki

          McIlroy war sich ein paar Monate später nicht zu blöd, auch noch Abschiedsworte zu veröffentlichen - wie bei der Trennung von einem Trainer: „Ich wünsche Caroline all das Glück, das sie verdient, und danke ihr für die tolle Zeit, die wir zusammen hatten.“ 

          Sportlich erlebt die verlassene Traumprinzessin danach aber tatsächlich wieder süße Momente des Erfolges. Wozniacki bezauberte mit ihrer Leistung und ihrem Auftreten die Fans im Arthur-Ashe-Stadium. Nach ihrem Drei-Satz-Coup gegen Scharapowa deklassierte sie im Viertelfinale am Dienstag die Italienerin Sara Errani mit 6:0, 6:1 - und die hatte zwei Runden zuvor immerhin keine geringere als Venus Williams aus dem Feld geschlagen.

          New Balls: „Sweet Caroline“ hat ihr Leben umgekrempelt

          Erstmals seit drei Jahren erreichte die ehemalige Nummer eins das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers und scheint bei den US Open nun die einzig ernsthafte Konkurrentin für Titelverteidigerin Serena Williams zu sein. Ob Simona Halep, Petra Kvitova, Angelique Kerber oder Agnieszka Radwanska - eine Top-Ten-Spielerin nach der anderen hatte sich zuvor aus der US-Metropole verabschiedet.

          Vater Fußballprofi - Mutter Volleyball-Nationalspielerin

          „Die Saison hatte einige Höhen und Tiefen. Es fühlt sich gut an, dass ich wieder so spiele, wie ich spielen möchte. Auch mental war das ein wichtiger Sieg für mich“, sagte die Weltranglisten-Elfte, deren Glanzzeit fast vier Jahre zurückliegt.

          Selbstvertrauen und Siegerlächeln: Caroline Wozniacki trumpft bei den US Open auf

          Im Oktober 2010 hatte die hübsche Dänin den Tennis-Thron erklommen. Die Jahre 2010 und 2011 beendete Wozniacki auf Platz eins der Branchenwertung. Insgesamt führte sie das Ranking 67 Wochen lang an. Freilich ohne je eines der vier Majors gewonnen zu haben, was Kritiker ihr als Makel vorwarfen.

          Zwar hielt sich die Tochter eines früheren Fußballprofis und einer früheren polnischen Volleyball-Nationalspielerin konstant in der erweiterten Weltspitze, erlebte aber immer wieder auch sportliche Rückschläge auf den ganz großen Bühnen. Ihr vor den US Open etztes Viertelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier bestritt sie bei den Australian Open 2012. „Ich habe nie an mir gezweifelt. Ich weiß, dass ich an einem guten Tag jede schlagen kann“, sagte Wozniacki nun in New York - was sie gegen Sara Errani eindrucksvoll bestätigte.

          Und danach startet sie beim New-York-Marathon

          An der rechten Hand glitzerte ein riesiger Diamantring, die blonden Engelslocken hingen über der Schulter, als sie bestens gelaunt über (fast) alles plauderte. Nur die Frage, ob sie sich seit dem Ende ihrer Beziehung wieder mehr auf ihren Sport konzentrieren könne und deshalb erfolgreicher sei, wollte sie nicht beantworten.

          Ihr Leben hat sich beschleunigt: Nach den US Open startet sie beim New-York-Marathon

          „Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass dies eine relevante Frage ist. Ich bin hier, um Tennis zu spielen, und ich spiele gut. Was außerhalb des Platzes passiert, hat hier nichts zu suchen“, sagte sie charmant lächelnd, aber sehr bestimmt.

          Nach dem abrupten Ende ihrer Beziehung mit McIlroy war Wozniacki im Mai in ein Loch gefallen. Bei den French Open schied sie in der ersten Runde aus, doch mit Boxen und ausgerechnet mit Golfen arbeitete die 1,77 Meter große Wahl-Monegassin erfolgreich an mentaler und körperlicher Stärke.

          Eine Trophäe will sie nicht mehr sein: Golf spielt Wozniacki jetzt lieber selbst

          Im Juli gewann sie in Istanbul erstmals seit Oktober 2013 wieder ein WTA-Turnier. Es folgten Viertelfinale in Montréal und Halbfinale in Cincinnati. Und völlig egal, ob die US-Open-Finalistin von 2009 ihr Sommermärchen krönt, New York wird sie so schnell nicht verlassen. Bei der Fashion Week will sich Wozniacki die Shows von Michael Kors und Serena Williams anschauen und im Central Park ein bisschen laufen gehen. Die größte sportliche Herausforderung steht nämlich noch bevor: Am 2. November startet Wozniacki beim New-York-Marathon.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Axel Voss auf der Gamescom : Zu Gast bei Feinden

          Der EU-Abgeordnete Axel Voss ist die Hassfigur der Youtuber und Gamer. Mit der Reform des Urheberrechts hat er die Szene gegen sich aufgebracht. Sein Besuch auf der Spielemesse Gamescom lief dann aber anders als erwartet.

          3:0 bei Schalke 04 : Bayern und die große Lewandowski-Show

          Nach dem Remis zum Start der Saison zeigen die Münchner „auf“ Schalke ihre ganze Klasse. Beim klaren Sieg ragt vor allem der Torjäger heraus. Es ist ein Spiel voller denkwürdiger Momente.
          Noch baumelt der Golf an den Greifarmen im Zwickauer VW-Werk. Bald soll ihn das Elektromodell ID ablösen.

          VW-Werk : Zwickau wird elektrisch

          VW produziert im sächsischen Zwickau bald nur noch Elektroautos. Das Werk wird damit zum Modell für die ganze Branche. Was bedeutet das für die Arbeiter? Ein Besuch im Versuchslabor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.