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Zum 50. Geburtstag : André Agassis gelebter Wahnsinn

  • -Aktualisiert am

Wie ein Chamäleon: Kein anderer Tennisspieler durchlief in seiner Karriere mehr Verwandlungen als André Agassi. Bild: WITTERS

„Image is everything“? Beinahe wurde der Werbeslogan Andre Agassi zum Verhängnis. Doch Widerstände ließen ihn umso mehr kämpfen. Eine Würdigung zum Fünfzigsten.

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          Ist es nicht erstaunlich, dass bisher niemand auf die Idee gekommen ist, dieses Leben zu verfilmen? Mit all seinen Irrungen und Wirrungen, mit Wetterleuchten und Phasen von allumfassender Finsternis. Keiner der Großen des Tennis lebte in so vielen Häuten wie er; Roger Federer war nach einer vergleichsweise kurzen Findungsphase immer Roger Federer, Rafael Nadal erinnert mit Mitte 30 noch an den Teenager gleichen Namens, und Novak Djokovic formulierte schon mit 18 so druckreif und eloquent wie heute. Doch der frühe Andre Agassi, der am 29. April seinen 50. Geburtstag feiern wird, hat mit dem späteren so wenig Ähnlichkeit, als seien die beiden bestenfalls über zwei Ecken verwandte Cousins.

          Ob er ohne seinen Vater beim Tennis gelandet wäre? Emanoul B. Aghasi, als Boxer aus Iran bei den Olympischen Spielen 1948 aktiv, war 1952 aus Teheran in die Vereinigten Staaten ausgewandert und nach der ersten Station Chicago in Las Vegas gelandet. Tagsüber gab er Tennisstunden, bis in die Nacht hinein arbeitete er im Casino, zuerst im Caesar’s Palace, später bei Bally’s, und alle kannten Mike Agassi, wie er mittlerweile hieß. Aus seinem vierten Kind, dem zweiten Jungen, wollte er einen Tennisspieler machen, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Andre mit dem Pagenkopf ging noch nicht zur Schule, da hatte er schon die ersten Bälle mit Björn Borg oder Jimmy Connors gespielt, die Las Vegas besuchten. Mit den Worten: „Sie sollten mal meinen kleinen Weltmeister kennenlernen“, pries Mike den Jüngsten an, dem er von Anfang an vor allem eines beibrachte: Schlag den Ball so früh wie möglich, und schlag so hart du kannst.

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