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Andrea Petkovic in Bad Homburg : Abwasch und Aufschlag

Gute Laune, kurze Wege: Andrea Petkovic siegt in Runde eins. Bild: Daniel Maurer

„Schön, dass man auch mit 33 Jahren noch Premieren erleben darf“: Tennisspielerin Andrea Petkovic weiß die Vorzüge ihres Heimturniers zu nutzen.

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          Was eine der wenigen Schattenseiten an einem echten Heimturnier ist, erfuhr Andrea Petkovic direkt nach dem Frühstück. Da musste sie nämlich erst einmal den Abwasch erledigen und sich anschließend um die Wäsche kümmern, wie sie am Sonntagabend schmunzelnd erzählte. Weil das neue Bad Homburger Tennisturnier nur eine halbe Stunde Autofahrt von ihrer Darmstädter Heimat entfernt ist, übernachtet Petkovic derzeit zu Hause. Das erste Mal in ihrer inzwischen mehr als 15-jährigen Profikarriere. „Schön, dass man auch mit 33 Jahren noch Premieren erleben darf“, sagte sie.

          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          Andrea Petkovic genießt die Vorzüge des Zuhauseseins spürbar. Den Abend vor dem Turnierstart im Kreise der Familie verbringen zu können, habe ihr beispielsweise geholfen, „den Kopf auszuschalten“, berichtete sie. Zwar sei sie in ihrer Auftaktbegegnung gegen die Rumänin Sorana Cirstea dann auch „ein bisschen nervöser als bei all den anderen Turnieren“ gewesen. Schließlich sahen auf der Tribüne unter anderem die Eltern, die Schwester, der Schwager und die beste Freundin zu. „Aber das war gut“, sagte sie. Petkovic ließ ihre favorisierte Gegnerin zu keinem Zeitpunkt ins Match finden und gewann am Ende verdient 6:3, 6:4. An diesem Dienstag spielt sie im Achtelfinale gegen die Amerikanerin Amanda Anisimova.

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          Petkovics rundum souveräner Auftritt gegen Cirstea war zumindest insofern überraschend, als dass der Rasenplatz bislang eher noch nicht zu ihren bevorzugten Belägen gehört hatte. So ist es auch kein Zufall, dass der berühmte Höhepunkt in Wimbledon das einzige Grand-Slam-Event ist, bei dem die frühere Nummer neun der Weltrangliste bislang noch nie die zweite Turnierwoche erreichen konnte.

          Als ihre Kollegin und Freundin Angelique Kerber, die für Bad Homburg als Turnierbotschafterin fungiert, ihr einst am Telefon von der Schaffung dieses neuen Wettbewerbs berichtete, hatte sie deshalb auch zwei Botschaften für Petkovic: „Die gute Nachricht: Es ist nah an deinem Zuhause. Die schlechte: Es ist auf Rasen.“

          Bessere Beziehung zum Rasen

          Doch Petkovics Beziehung zum schnellen, grünen Untergrund hat sich auf der Zielgeraden ihrer Karriere noch einmal substantiell verbessert. „Wir werden langsam Freunde“, sagte sie am Sonntag metaphorisch: „Noch kein Liebespaar, aber Freunde.“ Petkovic, so berichtete sie, hat inzwischen einfach besser verstanden, was der bislang ungeliebte Partner von ihr will: nämlich ein direktes und aggressives Spiel. „Wer auf Rasen den ersten Stich setzen kann, der macht zu achtzig, neunzig Prozent den Punkt“, sagte sie.

          Der einfachste Weg, dies zu erreichen, ist zweifellos der Aufschlag. Und genau den hat Petkovic in den vergangenen Monaten gezielt verbessert. Viele Extraschichten habe sie eingelegt, erzählte sie. „Das zahlt sich langsam aus.“ Gegen Cirstea musste sie beispielsweise nur ein einziges Break hinnehmen, spielte zeitweise sogar Serve-and-Volley. Sie habe einfach gemerkt, dass die „jüngere Generation“ noch einmal „schneller und explosiver“ spiele, dazu fitter sei, „als wir es waren“, sagte sie. Das habe sie zu einer Erkenntnis geführt: „Wenn ich bei den Besten mitspielen will, muss ich mein Spiel nochmal nach vorne bringen.“

          Andrea Petkovic hat zuletzt vieles unternommen, um sich zu verbessern und damit an alte Erfolge anknüpfen zu können. Vor allem habe sie „mit Mentaltrainern, Meditationstrainern, Yogalehrern“ versucht, mehr Ruhe, mehr Fokus zu bekommen. „Aber irgendwann hatte ich all diese Möglichkeiten ausgeschöpft“, sagte sie. „Und dann hab ich gesagt: Ich möchte nochmal mein Spiel ein Stück nach vorne bringen.“ Ob das gelungen ist, könnten nun schon die nächsten Tage in Bad Homburg zeigen. Den ein oder anderen Abwasch zu Hause erledigt sie sicher gerne.

          Kerber furios

          Angelique Kerber hat beim Bad Homburger Tennisturnier einen nahezu perfekten Start hingelegt. Die frühere Wimbledonsiegerin gewann ihr erstes Match gegen die russische Qualifikantin Jekaterina Jaschina 6:1, 6:1. Kerber, die bei dem Rasen-Event in der Kurstadt auch als Turnierbotschafterin fungiert, zog damit ins Achtelfinale ein, wo sie mit Anna Blinkowa auf eine weitere Russin trifft. Vor Kerber hatte am Montag bereits die Stuttgarterin Laura Siegemund die nächste Runde erreicht. Die 33-Jährige gewann ihr Match gegen die Weltranglisten-362. Riya Bhatia aus Indien 2:6, 7:6 (7:2), 6:1. Bhatia, die eigentlich schon in der Qualifikation verloren hatte, war für die frühere US-Open-Siegerin Sloane Stephens aus den Vereinigten Staaten kurzfristig ins Hauptfeld gerutscht. (pc.)

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