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Tennisspielerin Ana Ivanovic : Stückwerk auf hohem Niveau

  • -Aktualisiert am

Nicht in Form: Ana Ivanovic Bild: APN

Erst verlor Ana Ivanovic den Rhythmus. Dann ihre Matches. Und schließlich ihr Selbstbewusstsein. Vor zwei Jahren war die Serbin die Nummer eins im Damen-Tennis, jetzt kämpft sie gegen den Absturz. In Stuttgart scheitert sie früh.

          Es ist ja nicht so, dass Ana Ivanovic das Tennisspielen komplett verlernt hätte. Ihre Aufschläge erreichen Spitzengeschwindigkeiten von rund 190 Kilometern pro Stunde. Ihre Returns sind druckvoll und plaziert. Bei Stoppbällen zeigt sie ihr außergewöhnliches Ballgefühl. Mit ihrer wuchtigen Vorhand kann sie jede Gegnerin düpieren, und auch den Rückhand-Slice versteht sie in letzter Zeit effektiver einzusetzen als die meisten ihrer Konkurrentinnen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jeden einzelnen dieser Schläge zeigte Ana Ivanovic bei ihrer Erstrundenpartie in Stuttgart, doch obwohl die Serbin ihr Ausnahmetalent oft aufblitzen ließ, schaffte sie es wieder nicht, sehr gute Einzelteile zu einem erfolgreichen Ganzen zusammenzufügen.

          Was sie bei der 6:7 (4:7) und 4:6-Niederlage am Dienstag gegen die Polin Agnieszka Radwanska zeigte, blieb letztlich Stückwerk auf hohem Niveau. „Eigentlich fühle ich mich gut und habe Selbstvertrauen, so dass ich den Ball so schlagen will wie früher“, erklärte die Zweiundzwanzigjährige ihre anhaltende Erfolglosigkeit, „aber dann kommen die Fehler, und ich weiß nicht mehr, ob ich so weitermachen oder mich zurücknehmen soll.“ Weil sie sich seit Monaten nicht entscheiden kann, weil sie mal so, mal so spielt, ist der Absturz unausweichlich gewesen. Mittlerweile steht die ehemalige Weltranglistenerste auf Position 57 der Damenwelt, Tendenz fallend.

          „Ich muss einfach weitermachen”: Ana Ivanovic

          Beliebt wie keine zweite Tennisspielerin

          Was Ana Ivanovic selbst als „früher“ bezeichnet, das war jene Zeit vor zwei Jahren, als ihr die Titel ebenso zuflogen wie die Herzen. Nach ihrem Durchbruch 2007 zog sie im Jahr darauf erst ins Endspiel der Australian Open ein, gewann dann die French Open und verbrachte anschließend die erste von insgesamt zwölf Wochen an der Spitze der Weltrangliste. In jenem Juni vor zwei Jahren wurden 48 Millionen Klicks auf ihrer Internetseite gezählt, so viele wie bei keinem anderen Sportler in dem Monat.

          Von den Gegnerinnen ob ihres aggressiven Spiels gefürchtet, war die attraktive Serbin in der Öffentlichkeit beliebt wie keine zweite Tennisspielerin. An dem Rummel hat sich bis heute nicht viel geändert, doch die größten Schlagzeilen macht Ana Ivanovic mittlerweile abseits des Tennisplatzes. Mit ihrem Bekleidungssponsor Adidas hat sie jüngst einen Vertrag auf Lebenszeit abgeschlossen; was in der breiten Öffentlichkeit aber weniger Aufsehen erregte als die freizügigen Fotos in der amerikanischen Bademoden-Ausgabe von „Sports Illustrated“, wo sich Ana Ivanovic im rosafarbenen Bikini auf gleichfarbigen Tennisbällen räkelte.

          Niederlagen und fehlende Matchpraxis

          Modeaufnahmen seien für sie nur Abwechslung, behauptet die Serbin. Um der Gefahr zu entgehen, zu einer Anna nach Art der Kurnikowa zu werden und wie die Russin mehr als Starlet denn als Tennisstar wahrgenommen zu werden, hat sie ihr sportliches Umfeld neu geordnet. „Mein Ziel bleibt es, weitere Grand-Slam-Titel zu gewinnen“, sagte Ana Ivanovic: „An einen großen Titel werden sich die Menschen mehr erinnern als an andere Dinge.“

          Im vergangenen Dezember engagierte die Serbin einen neuen Fitnesscoach, seit wenigen Wochen arbeitet sie auch mit Heinz Günthardt zusammen. Der Erfolgstrainer, der einst Steffi Graf zu zwölf Grand-Slam-Titel führte, soll bei der Serbin die alten Stärken wieder erwecken. Ein schwieriges Unterfangen, wie der Schweizer selbst erkannt hat. Sie müsse „den Kreislauf von Niederlagen und fehlender Matchpraxis durchbrechen“, sagte Heinz Günthardt, der nicht nur als Ana Ivanovics Coach nach Stuttgart gekommen war, sondern auf Wunsch seines Bruders, dem Turnierdirektor Markus Günthardt, auch als Hallensprecher.

          Selbsternannte Perfektionistin

          Ana Ivanovic leidet noch immer an den Folgen der vergangenen beiden Jahre, als mit den körperlichen Blessuren auch die Selbstzweifel kamen. Erst war es eine Daumenverletzung, die sie kurz nach ihrem French-Open-Sieg zurückwarf, dann kamen Beschwerden an Adduktoren und Schultern, an Knien und Knöcheln hinzu. Die selbsternannte Perfektionistin verlor erst den Rhythmus, dann ihre Matches, am Ende auch noch jenes Selbstbewusstsein, das ihr Spiel so stark gemacht hatte.

          Am vergangenen Wochenende fühlte sich Ana Ivanovic nicht einmal gut genug, um beim Fed-Cup-Relegationsspiel gegen die Slowakei anzutreten. Nach zwei bitteren Schlappen in der ersten Runde gegen Russland sei sie mit dem Teamchef übereingekommen, dass sie ihrer Mannschaft vorerst nicht helfen könnte, sagte die Serbin. Anstelle der ehemals besten Spielerin der Welt stand Bojana Jovanovski, Nummer 117 der Damen-Branche, auf verlorenem Posten.

          Mit vielen Turnieren zurück zum Erfolg?

          „Ich muss einfach weitermachen und alles Nötige tun, um meine Form wiederzufinden“, sagte Ana Ivanovic, „der Schlüssel ist, viel mit meinem Team zu trainieren und viele Turniere zu spielen.“ Allerdings ist für sie bei den WTA-Veranstaltungen meistens früh Schluss: In dieser Saison ist es ihr bisher nur beim Auftaktturnier in Brisbane gelungen, zwei Matches nacheinander zu gewinnen. Die Zuversicht lässt sich die einstige Strahlefrau davon nicht verhageln. Ihr Leitspruch: „Was nicht tötet, härtet ab.“

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