https://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/tennisprofi-phau-statist-mit-schlaeger-12110761.html

Tennisprofi Phau : Statist mit Schläger

  • -Aktualisiert am

Immer dabei, aber nie im Finale: Björn Phau spielt seit 14 Jahren ohne Turniersieg Bild: dpa

Björn Phau hat in 14 Jahren als Tennisprofi nie ein Finale erreicht. In Indian Wells gewinnt er nun erstmals bei einem der Top-Turniere zwei Spiele nacheinander - und bleibt vor dem Duell mit Martin del Potro dennoch bescheiden.

          3 Min.

          Am Ende hält immer einer den Pokal im Arm. Lohn und Bestätigung für Mühe, Herzrasen und Schweißtropfen, für Ausdauer, Inspiration und Widerstandskraft. Die Erinnerung an die Momente mit dem Pokal hilft, wenn in der nächsten Woche beim Training nichts mehr geht, wenn man so erschöpft ist, dass man den Netzpfosten kaum noch erkennt. Aber wie ist es mit der Motivation in schwierigen Augenblicken, wenn man am Ende nie zu den Siegern gehört und ohne die stärkenden Erinnerungen auskommen muss?

          Der 33 Jahre alte Björn Phau ist seit 14 Jahren Tennisprofi, und er stand nie im Finale eines ATP-Turniers. Als Teenager gehörte er zum damals vielbesungenen Mercedes-Juniorenteam, und er sagt über diese Zeit: „Mir wurde es am Anfang sehr leicht gemacht, das war eine sehr, sehr große Hilfe.“ Dennoch gibt er zu, dass er die Zielsetzung für die Mitglieder dieses Teams verfehlt hat - zu den besten 30 der Welt gehörte er nie. Rang 59 aus dem Juni 2006 steht als beste Plazierung in der Weltrangliste zu Buche. Zu mehr reichte es deshalb nicht, weil er zwar einzelne herausragende Spiele machte, aber selten mehrere nacheinander. Hätte er mehr aus seinem Talent machen können? „Im Nachhinein kann man natürlich immer sagen, das und das hätte ich anders machen können. Aber ich kann mir nichts vorwerfen, ich habe meines Erachtens immer gut trainiert. Mir hat halt die Konstanz gefehlt.“

          Bei den Grand Slams und in der Abteilung darunter, bei den Turnieren der Masters 1000er-Serie, zu denen auch Indian Wells gehört, gewann er im Hauptfeld nie zwei Spiele nacheinander. Bis vor zwei Tagen. Mit dem Sieg über den Franzosen Jérémy Chardy, Nummer 25 der Weltrangliste, landete Phau in der dritten Runde.

          „Ich liege ihm halt nicht“

          Nun sollte man meinen, ein solches Ereignis wäre Grund genug für ein paar Freudensprünge, aber er nahm das Ganze ziemlich unaufgeregt hin. Ging zum Netz, schüttelte dem Franzosen die Hand, packte den Schläger in die Tasche und machte sich auf den Weg in die Kabine. „Na ja“, meinte er später, „ich hab ihn schon geschlagen, aber ich liege ihm halt nicht.“ Das klang fast wie eine Aufforderung, diesen Sieg nicht überzubewerten. Dabei hatte er allein schon deshalb eine besondere Bedeutung, weil es in letzter Zeit für Phau nicht allzu gut gelaufen war. In den ersten Wochen dieses Jahres machte ihm eine Patellasehnen-Entzündung zu schaffen, und er sagt, im zurückliegenden Dreivierteljahr habe es auch andere Baustellen gegeben, weshalb er in der Weltrangliste auf Platz 121 zurückgefallen sei.

          Wirbelwind auf dem Platz: Agassi lobte Phau einst für seine Schnelligkeit
          Wirbelwind auf dem Platz: Agassi lobte Phau einst für seine Schnelligkeit : Bild: dpa

          Im Prinzip gehört er zu denen, für die sich die besser gestellten Kollegen mit der Forderung nach mehr Preisgeld zuletzt ins Zeug gelegt haben. Nachdem er die zweite Runde erreicht hatte, rechnete er vor, dass ihm von 16000 Dollar nach Steuern und Abzug aller Kosten vielleicht 5000 übrig bleiben. Was, wie er findet, immer noch eine Menge Geld ist. Aber schließlich muss das ja auch für jene Turniere reichen, die weniger gut dotiert sind und bei denen er schon in der ersten Runde verliert, wie in diesem Jahr schon sechsmal geschehen. Fürs weitere Budget war dann aber doch gesorgt, weil es für die dritte Runde noch einmal mehr als die 16000 Dollar gab. „Natürlich verdienen die Topspieler zu Recht Millionen“, sagt Phau, „weil die Zuschauer wegen dieser Spieler kommen. Aber die Grand Slams und auch die 1000er-Turniere leben von vielen Matches, und da spielen wir auch eine gewisse Rolle.“

          Immerhin ein Lob von Agassi

          So wie in der nächsten Begegnung in der Nacht zum Mittwoch mit Juan Martin Del Potro. Im Vergleich mit dem langen Argentinier sieht er sich zwar in der Rolle des krassen Außenseiters, aber was heißt das schon? Nach so vielen Jahren, in denen er zwar nie zur Spitze gehörte, aber arbeitete und trainierte und darauf hoffte, eines Tages werde das mit dem Turniersieg oder einem Finale schon noch hinhauen, weiß er gut genug, was alles passieren kann.

          Vor allem ein Spiel ist ihm in Erinnerung geblieben, der spektakulärste Sieg seiner Karriere aus dem Jahr 2006 über Andre Agassi. Der lobte hinterher, Phau sei einer der Schnellsten gewesen, gegen die er je gespielt habe, und dieses Lob ist in gewisser Weise auch ein kleiner Pokal. Tommy Haas, der ein paar Stunden nach dem deutschen Kollegen ebenfalls die dritte Runde in Indian Wells erreichte, freute sich mit Phau. Kann er nachempfinden, wie es ist, sich in der zweiten oder dritten Reihe nicht entmutigen zu lassen? „Es ist verdammt schwer, einen Titel zu gewinnen, es gibt viele Spieler, die das nicht geschafft haben. Aber warum machen Schauspieler noch ihren Job, vielleicht auch einer wie Leonardo di Caprio, der noch nie einen Oscar gewonnen hat? Soll der aufhören?“ Nein, natürlich nicht.

          Weitere Themen

          Zverevs gutes Gefühl

          Deutsche Davis-Cup-Team : Zverevs gutes Gefühl

          Schon wieder reif für großes Tennis? Alexander Zverev zeigt sich vor dem Davis-Cup-Duell mit der Schweiz selbstbewusst wie eh und je. Das ist seine große Stärke – kommt aber nicht bei jedem gut an.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.