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Tennis : Vom Dopingsünder zum Volkshelden

  • Aktualisiert am

Sieht gut aus, oder? Cilic steht jetzt zwischen vielen großen Namen auf dem Siegerpokal Bild: AFP

Der Kroate Marin Cilic beendet die kuriosen US Open mit einer Lehrstunde für den armen Kei Nishikori. Sein Finalsieg ist der Gipfel einer wechselhaften Karriere.

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          Nach seinem Meisterstück im Finale der US Open küsste Marin Cilic ein wenig schüchtern die silberne Henkeltrophäe. Die Fotografen mussten den fast zwei Meter großen kroatischen Tennis-Giganten erst zu der Geste auffordern - und nur Sekunden später tauchten die ersten Bildmontagen mit seinem Trainer Goran Ivanisevic nach dessen Wimbledon-Coup 2001 im Netz auf.

          Als um 19.04 Uhr am Montagabend eine Rückhand des 25-Jährigen unerreichbar für den demoralisierten Kei Nishikori im Feld landete, hatte sich der Dopingsünder des vergangenen Jahres endgültig in der Tennis-Historie verewigt: mit seinem ersten Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere und als erster kroatischer Grand-Slam-Champion, seitdem Ivanisevic vor 13 Jahren auf dem Heiligen Rasen triumphierte.
          „Es ist ein Wunder. Es fühlt sich komplett unrealistisch an, davon habe ich mein Leben lang geträumt“, sagte Cilic, als er zwei Stunden nach seinem Coup den 49 Zentimeter hohen und knapp 3,2 Kilo schweren Siegerpokal im Presseraum auf dem Tisch platzierte. Dreimal musste er seine Antworten unterbrechen, weil sein Handy klingelte und er vor lauter Aufregung den Lautlos-Modus nicht fand.

          Typisches Finale für ein verrücktes Turnier

          Novak Djokovic, Roger Federer, Rafael Nadal oder Andy Murray - die großen Vier des vergangenen Jahrzehnts waren längst aus New York abgereist oder wegen einer Verletzung gar nicht erst gekommen. Zum ersten Mal seit den Australian Open 2005 tauchte keiner aus diesem Trio im Finale eines der Top-Turniere auf.
          Für dieses mit Volten und Überraschungen schon reichlich gesegnete Turnier entwickelte sich das Endspiel zwischen der Nummer 16 (Cilic) und der Nummer elf (Nishikori) zur passenden Pointe und zum verblüffenden Schlusspunkt. Mit einem humorlosen 6:3, 6:3, 6:3 pulverisierte der 1,98 Meter große Kroate die Hoffnungen seines 20 Zentimeter kleineren Kontrahenten auf den ersten asiatischen Titelgewinn bei einer der vier Grand-Slam-Veranstaltungen.

          „Das bedeutet mir so viel, es ist das Größte überhaupt“, sagte Cilic, der noch auf dem Platz die ersten Telefonate mit der Heimat führen wollte, aber keinen Empfang hatte. „Es ist ein besonderer Tag für mich, aber auch für ganz Kroatien“, sagte er  und berichtete von „WM-Atmosphäre“ in seinem Land. Zum zweiten Mal nach 2001 darf das noch junge Land wieder einen Tennis-Helden feiern. So wie Federer (mit Stefan Edberg), Djokovic (mit Boris Becker), Nishikori (mit Michael Chang) oder lange Zeit auch Murray (mit Ivan Lendl) holte sich Cilic im vergangenen Jahr die Hilfe und Expertise eines Altmeisters. Anfang Juli fragte er seinen Mentor Ivanisevic, ob der sich vorstellen könne, als Trainer für ihn zu arbeiten.

          Cilic wandelt auf den Spuren seiner Trainers: Goran Ivanisevic. Bilderstrecke
          Cilic wandelt auf den Spuren seiner Trainers: Goran Ivanisevic. :

          Zu dem Zeitpunkt war Cilic wegen eines Dopingvergehens gesperrt. Beim Turnier in München war er im Frühjahr positiv auf das Stimulans Nikethamid getestet worden und erklärte den positiven Befund mit der Einnahme von Glukosetabletten. „Ich glaube wirklich, dass er nicht absichtlich etwas Falsches getan hat. War er vielleicht ein bisschen dumm? Vielleicht“, hatte Federer nach seiner Halbfinal-Niederlage gesagt und den Dopingsünder verteidigt. „Ich habe das Gefühl, dass ich ihn gut kenne und glaube, dass er so etwas nicht tun würde.“

          Coach Ivanisevic als entscheidende Hilfe

          Der Internationale Sportgerichtshof CAS reduzierte seine Sperre von neun auf vier Monate, Ende Oktober 2013 kehrte Cilic beim Hallenturnier in Paris-Bercy auf die Tour zurück - erstmals mit Ivanisevic in seiner Box. „Er hat eine entspannte Atmosphäre und enorme Kenntnis ins Team eingebracht. Er hat mir sehr geholfen“, berichtete Cilic. In diesem Jahr gewann er die Turniere in Zagreb und Delray Beach. Am kommenden Montag wird er erstmals seit April 2010 wieder unter den Top Ten stehen. „Vom ersten Tag an habe ich mit Goran sehr, sehr intensiv und sehr hart gearbeitet“, sagte Cilic.
          Der Tag, als Ivanisevic vor 13 Jahren als 29 Jahre alter Wildcard-Starter in Wimbledon triumphierte, war auch ein Montag.

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