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Tennis : Viele harte und hungrige Arbeiterinnen

Nummer eins - wie lange noch? Caroline Wozniacki muss ihren Rang verteidigen Bild: REUTERS

Die Australian Open haben begonnen, und bei den Herren ist klar: Es wird einer der „Top Drei“ gewinnen. Im Damentennis ist die Grundordnung an der Weltspitze deutlich unübersichtlicher.

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          Ach, wenn es mit den Frauen doch so einfach wäre wie mit den Männern. Zumindest im Tennis sind bei den Herren nämlich die Verhältnisse viel geregelter als bei den Damen, wo alles offenbar drunter und drüber geht. Wenn sich an diesem Montag die Weltelite in Melbourne zum ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres trifft, dann ist bei den Herren der Favoritenkreis ziemlich überschaubar.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer - einer aus diesem Trio wird am Ende wohl den Pokal in der Hand halten. Bis auf ganz wenige Ausnahmen haben diese drei Herren seit 2005 die großen Trophäen unter sich aufgeteilt, und viel spricht nicht dafür, dass sich dies nun ändert. Selbst der größte Herausforderer ist derselbe geblieben. Trotz zweier deutlicher Finalniederlagen in Melbourne nacheinander ist Andy Murray offenbar der einzige Kandidat, dem ernsthaft zugetraut wird, in diese Phalanx einzubrechen.

          Der Schotte hat sich prominente Unterstützung an die Seite geholt, denn Ivan Lendl soll ihn künftig lehren, wie man Grand-Slam-Turniere gewinnt. Dass der ehemalige Weltranglistenerste allerdings zwei Jahrzehnte lang einen großen Bogen um jeden Tennisplatz gemacht hat und lieber die Golfkarriere der Töchter unterstützte, gibt Murrays Plan bis zum Beweis des Gegenteils noch eine verwegene Note.

          Alles scheint im Fluss

          So übersichtlich wie bei den Herren sind die Dinge bei den Damen nicht. Alles scheint im Fluss, Hierarchien gelten nicht mehr, wie das vergangene Jahr eindrucksvoll bewies, als die vier Grand-Slam-Turniere vier verschiedene Siegerinnen hervorbrachten. Nach einigen Rücktritten und diversen Verletzungspausen ist die gesamte Grundordnung der Weltspitze ins Rutschen geraten, und im neuen Jahr scheint diese Anarchie munter weiterzugehen. Vor den Australian Open können sich gleich sechs Spielerinnen Hoffnungen machen, nach diesem Turnier in der Weltrangliste ganz oben zu stehen.

          Eine der unangenehmen Deutschen: Julia Görges

          Die bislang führende Dänin Caroline Wozniacki muss dabei mindestens das Achtelfinale erreichen, um angesichts so großer Konkurrenz eine Chance zu besitzen, ihren Spitzenplatz zu verteidigen. Den macht ihr in der tschechischen Wimbledon- und Masterssiegerin Petra Kvitova nicht nur die auffälligste Spielerin des vergangenen Jahres streitig. Dazu kommen die ehemalige russische Weltranglistenerste Maria Scharapowa, die australische US-Open-Siegerin Samantha Stosur sowie die Weißrussin Victoria Asarenka und die Polin Agnieszka Radwanska.

          Sextett um Rang eins

          Dieses Sextett streitet sich um Platz eins, aber die Konkurrenz um den Siegerpokal in Melbourne ist sogar noch viel größer. Dazu gehören zwei Protagonistinnen, die quasi beide ihren Titel verteidigen. Kim Clijsters hat ihn im vergangenen Jahr im Finale gegen die ebenfalls nicht zu vergessende Chinesin Li Na gewonnen und wird ihn nicht so einfach hergeben wollen. Ganz besonders wird sie deshalb auf Serena Williams achten müssen, die aus guten Gründen überaus gern in Melbourne spielt. Bei ihren letzten beiden Auftritten 2009 und 2010 hielt sie jeweils den Pokal in die Höhe, 2011 fehlte sie verletzt.

          Und auch wenn sie nach Verletzungen in der Weltrangliste abgerutscht ist, bleibt die Amerikanerin das Maß aller Dinge. Doch trotz einer Protagonistin aus dem vergangenen Jahrhundert hat sich im Damentennis vieles grundlegend geändert. „Vor sieben, acht Jahren konnte man doch mit einiger Sicherheit voraussagen, wer das Viertelfinale und wer das Halbfinale erreicht. Das ist vorbei“, sagt Kim Clijsters, nun gelte es schon in den ersten Runden den Blick für die Gegnerinnen zu schärfen. „Da draußen sind jede Menge junger Spielerinnen, die hart arbeiten und extrem hungrig sind“, sagt Serena Williams.

          Görges und Kerber unangenehm

          Dazu gehören trotz der verletzt fehlenden Weltranglistenzehnten Andrea Petkovic auch deutsche Spielerinnen. Die an Nummer 15 gesetzte Berlinerin Sabine Lisicki, im vergangenen Jahr in Wimbledon erst im Halbfinale gescheitert, ist eine jener Gegnerinnen, die Serena Williams meint - hungrig auf Erfolg und furchtlos trotz großer Namen auf der Gegenseite. „Das sind Spielerinnen, die bei anderen Turnieren schon gegen besser eingestufte Gegnerinnen gewonnen haben und sich sagen: Das kann ich auch auf Grand-Slam-Ebene.“ Vor allem mit ihrem Aufschlag hat sich die in Florida lebende Berlinerin jede Menge Respekt verschafft.

          Auch Julia Görges und Angelique Kerber, im vergangenen Jahr bei den US Open bis ins Halbfinale vorgedrungen, können unangenehme Gegnerinnen sein, wie die Vergangenheit bewiesen hat. Täuschen die Eindrücke nicht, ist nun noch eine weitere Deutsche hinzugekommen. Mona Barthel dürfte in der Heimat zwar erst ausgewiesenen Tennisfans ein Begriff sein, doch mit ihrem Coup in Hobart hat sie sich auf die Schnelle einen Namen gemacht. Am Samstag durfte sie sich über den ersten WTA-Titel ihrer Karriere nach einem beeindruckenden 6:1- und 6:2-Endspielsieg über die Belgierin Yanina Wickmayer freuen, und auf ihrem weiten Weg von der Qualifikation bis in dieses Finale hatte sie die an Nummer eins, zwei, vier und fünf gesetzten Spielerinnen besiegt. Das ließ sie in der Weltrangliste auf Rang 44 vorrücken, und auch sonst erfüllt die 21 Jahre alte und 1,85 Meter große Norddeutsche genau die Beschreibung von Serena Williams. Noch eine, die total hungrig an die Sache herangeht.

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