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Tennis-Vater Petkovic : „Die Serben-Clique tut Andrea gut“

  • -Aktualisiert am

Erfolgreiches Vater-Tochter-Doppel: Zoran und Andrea Petkovic Bild: picture alliance / dpa

Andrea Petkovic ist eine der Aufsteigerinnen des Jahres im Profi-Tennis - und an diesem Wochenende die deutsche Nummer 1 im Fed-Cup-Duell gegen die Amerikanerinnen. Vater Zoran hat ihre Karriere von Beginn an begleitet.

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          Spätestens nachdem Andrea Petkovic vergangene Woche beim Tennisturnier in Miami auf dem Weg ins Halbfinale die Weltranglistenerste Caroline Wozniacki und anschließend Jelena Jankovic geschlagen hatte, gehört die Darmstädterin zu den Aufsteigerinnen des Jahres. Erstmals wird sie unter den besten zwanzig Spielerinnen der Welt notiert und an diesem Wochenende führt sie das deutsche Tennis-Team als Nummer 1 ins Fed-Cup-Duell gegen die Amerikanerinnen. Vater Zoran hat ihre Karriere von Beginn an begleitet. Der frühere Davis-Cup-Spieler für Jugoslawien und heutige Tennistrainer im Gespräch mit Michael Eder.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Wenn Sie die jüngsten Erfolge Ihrer Tochter Revue passieren lassen: Hätten Sie es für möglich gehalten, dass sie zum Beispiel die Weltranglistenerste Caroline Wozniacki so klar beherrscht, wie sie das zuletzt in Miami getan hat?

          Mir war klar, dass sie gegen Wozniacki eine Chance haben würde. Aber das Problem war, dass sie es bis dahin nicht geschafft hatte, das ganz hohe Niveau über mehrere Runden zu halten. Eine Superspielerin zu schlagen, das war immer möglich. Aber das Niveau zu halten, das noch nicht. Was mich überrascht hat gegen Wozniacki: Andrea hat dominiert, sie hat das Spiel kontrolliert, sie hat darüber entschieden, ob sie verliert oder gewinnt, nicht die Nummer eins der Weltrangliste. Die wichtigen, die spannenden Punkte, die normalerweise die Topspielerinnen machen, die hat sie gemacht.

          Andrea Petkovic ist die deutsche Nummer eins und unter den Top 20 der Welt

          War das ein logischer Schritt in ihrer Entwicklung? Von Angst vor großen Namen, von Nervosität war ja nichts mehr zu sehen, solange die Kraft reichte.

          Wir haben oft darüber geredet, aber das ist alles Theorie. Du brauchst ein paar Spiele, in denen du dich in den entscheidenden Momenten zurückziehst, um zu lernen, dass dies der falsche Weg ist. Gegen die Nummer 80 der Weltrangliste reicht das, gegen die Topspielerinnen reicht es nicht. Wozniacki, das ist bekannt, hat eine etwas schlechtere Vorhand, aber als Andrea 5:2 führte, hat sie angefangen, die Vorhand voll durchzuziehen. Das ist die Qualität der besten Spielerinnen, die können in entscheidenden Situationen auch mit ihren schwächeren Schlägen Punkte machen.

          Wo sehen Sie die wichtigsten spielerischen Fortschritte Ihrer Tochter?

          Die Fortschritte sind unglaublich - selbst in den paar Monaten von den Australian Open bis Miami. Die Schläge sind sicherer, stabiler, sie ist mental stärker, und sie bewegt sich besser. Sie war immer gut in der Offensive, hatte aber Probleme in der Defensive. Jetzt kann sie sich auch defensiv aus schwierigen Situationen befreien und die Initiative zurückgewinnen.

          Sie steht jetzt schon an Position 19 der Weltrangliste. Wie geht es weiter?

          Wir sind jetzt in einer Position, die ich nie für möglich gehalten habe. Wir können einen Trainer bezahlen, eine Physiotherapeutin, einen Mentaltrainer. Bis letztes Jahr war auf der Tour ja noch die Mutter dabei oder die Schwester, das war ziemlich amateurhaft. Jetzt ist es professionell.

          Sie haben mit Petar Popovic einen Trainer verpflichtet, der Andrea auf der Tour begleitet. Gleichzeitig sind Sie selbst Trainer und erste Vertrauensperson ihrer Tochter. Wie funktioniert das mit Popovic und Ihnen?

          Sehr gut. Wir telefonieren vor den Spielen, wir reden viel miteinander. Er ist noch keine dreißig Jahre, seine Art gefällt mir. Er ist positiv, er weiß, er ist jung, er kann noch viel lernen, er fragt, das funktioniert sehr gut. Aus Miami hat mich Andrea im Spiel gegen Jelena Jankovic in der Regenpause angerufen. Ich kann keine Wunder vollbringen, aber sie vertraut mir. Ich habe ihr gesagt, dass ihre Schläge zu gerade sind, dass sie mit etwas mehr Höhe spielen soll, bis sie sicher und ruhig genug ist, flacher zu spielen und mit mehr Tempo. Sie kann das dann umsetzen.

          Werden Sie weiterhin von Zeit zu Zeit auch selbst mit zu Turnieren reisen?

          Mein Plan ist, weiterhin bei den Grand-Slam-Turnieren dabei zu sein, und jetzt will mich Andrea auch in Stuttgart beim Fed Cup haben. Vielleicht bin ich auch in Madrid dabei, mal sehen.

          Was fehlt noch im Vergleich zu den absoluten Topspielerinnen?

          Andrea kann immer noch gegen die Nummer 50 der Welt verlieren. Da fehlt ihr noch ein bisschen die Stabilität und Ruhe der absoluten Topspielerinnen, die wissen, sie sind bei einem Grand Slam immer in der dritten Runde dabei - und auch so auftreten. Andrea verliert noch zu viel Kraft und Energie in den ersten Runden, das ist der Unterschied. Und je weiter sie kommt, desto mehr macht sich dieser Kraftverlust bemerkbar.

          Woran werden Sie konkret arbeiten?

          In Miami hat Andrea gut gespielt, aber natürlich haben wir auch viele Punkte gesehen, die wir verbessern können. Sie hat einen guten Spielaufbau, kann sich in eine Position spielen, um den Ballwechsel zu beenden. Die besten Spielerinnen machen den Punkt dann, sie aber kann aus dieser Position mit leichten Fehlern noch den Punkt verspielen. Angriffsbälle, Stopps, Volleys - da verliert sie schon mal zwanzig Punkte im Match durch leichte Fehler. Das gilt es zu reduzieren. Sie kann auch den Aufschlag noch besser platzieren, die Beinarbeit weiter verbessern. Auch mental lässt sich noch viel machen. Andrea hat viele Möglichkeiten, sich weiter zu verbessern.

          Den von den Fans geliebten „Petko-Dance“ soll es nach Siegen nicht mehr geben. Ist das in Ihrem Sinne?

          Ja, es ist mir lieb, dass sie damit aufhört, auch wenn sie sogar von der Spielervereinigung WTA gebeten wurde, damit weiterzumachen. Der Tanz ist ein bisschen unangenehm für die Gegnerinnen, ich habe Angst, dass sie die Sympathie der Gegnerinnen verliert. Aber alles rund um diesen Tanz ist ja ganz unglaublich. Die Amerikaner jubeln, und sogar in Istanbul, da konnten die Zuschauer die Punkte nicht zählen, hatten keine Ahnung von Tennis, aber den Petko-Dance haben sie verlangt. Ich finde, Andrea sollte sich wieder so etwas Verrücktes einfallen lassen - man braucht so einen Quatsch. Das kommt an.

          Wie steht es um Andreas Politikstudium?

          Das wird schwieriger. Durch die Erfolge in Miami hat sie zum ersten Mal eine Klausur verpasst, und die kann sie nicht ein paar Tage später nachholen, sondern erst in einem halben Jahr. Ich finde es aber wichtig, dass sie dabei bleibt, das ist eine gute Ablenkung. Im Tenniszirkus kriegst du schnell die Krise, wenn es immer nur um Tennis geht, wer gegen wen gewonnen hat, wie viele Punkte man gemacht hat. Andrea ist seit einiger Zeit ein bisschen mehr mit der serbischen Clique zusammen, das tut ihr gut, sie ist ja manchmal deutscher als die Deutschen. Die Serben-Clique um Novak Djokovic und Ana Ivanovic ist locker, das tut ihr gut. Das sind keine Dummschwätzer, das sind positive Leute, die Erfolg haben.

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