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Der lange Abschied vom Tennis : Tommy Haas hört auf – jetzt aber wirklich

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Das war es: Roger Federer (links) verabschiedet Tommy Haas in den Tennis-Ruhestand. Bild: AFP

Das Ende seiner Karriere schob er ziemlich lange heraus. Nun macht Tommy Haas offiziell Schluss. Bei seinem eigenen Turnier gibt er den Abschied bekannt – im Beisein des größten Stars der Szene.

          Am Ende der Pressekonferenz hatte er es dann eilig. Er müsse jetzt los, sagte Roger Federer, nachdem er gerade noch erzählt hatte, wie die Freundschaft mit Tommy Haas im Laufe der Jahre gewachsen sei. Der deutsche Turnierdirektor in Indian Wells wartete auf seinen Schweizer Star, und man kann davon ausgehen, dass sie bei dieser Gelegenheit auf das Ende einer Karriere anstießen. Unmittelbar nach Federers Sieg im Viertelfinale der BNP Paribas Open gegen Chung Hyeong aus Südkorea (7:5, 6:1) hatte Haas im Stadion Nummer eins offiziell seinen Rücktritt als Spieler erklärt. Es gebe keinen besseren Ort und keine bessere Zeit für diesen Schritt erklärte er. „Ich glaube, das ist das perfekte Ende.“

          Schon vor einer Woche hatte er gesagt, im Prinzip sei er am Ende seiner Laufbahn angekommen, es fehle nur noch der letzte, offizielle Schritt, und den tat er nun quasi in Begleitung seines Freundes. Nach 569 Siegen in mehr als 900 Spielen und nach mehr als zwei Jahrzehnten als Profi ist Schluss für Haas, und dass er bei Sieg Nummer 569 im Juni beim Mercedes Cup in Stuttgart ausgerechnet gegen Federer gewann, ist eine fast romantische Fußnote der ganzen Geschichte. Vor allem angesichts der Tatsache, dass Federer 2017 insgesamt nur fünf Spiele verlor.

          Und es sieht so aus, als sei er in diesem Jahr schon wieder unterwegs zu Rekorden. Der Sieg gegen den knapp eine Stunde lang stark spielenden Chung war der 16. in diesem Jahr – besser startete Federer nie in eine Saison. Damit steht auch fest, dass er seine Führung in der Weltrangliste bis mindestens zum Ende der Miami Open Anfang April behalten wird. Fast lakonisch meinte er, wenn man lange genug dabei sei, sei es fast unvermeidlich, Rekorde zu brechen. Aber das ist ungefähr so, als hätte Mozart behauptet, nach der großartigen Sinfonie Nummer 40 sei es unvermeidlich gewesen, die noch heller leuchtende Nummer 41 zu schreiben. Genies unter sich, mit normalen Maßstäben nicht zu messen.

          Tommy Haas:  „Ich glaube, das ist das perfekte Ende.“

          Beim Sieg gegen Chung saßen ein paar sehr berühmte ehemalige Spieler auf den besten Plätzen; Rod Laver, der in Kalifornien lebt, gab sich die Ehre, in der Reihe hinter dem legendären Australier saß ein seltener Gast – Pete Sampras. Federer sagt, er habe regelmäßig Kontakt zu jenem Mann, den er im einzigen gemeinsamen Spiel in Wimbledon 2001 als junger Kerl besiegt hatte. Er spiele gelegentlich einen Satz mit ihm und es gebe auch heute noch Dinge, die er sich von Sampras abschauen könne.

          Im Viertelfinale gewann Federer unter schwierigen Bedingungen – starkem Wind und kühlen, abendlichen Temperaturen – gegen den auch diesmal eindrucksvoll spielenden Chung. Weiter geht’s am Samstag mit dem nächsten Herausforderer aus der jungen Garde, den Kroaten Borna Coric. Dessen Geschichte zeigt, dass man Dinge bisweilen völlig umkrempeln muss, wenn es so aussieht, als gehe es nicht weiter. Coric ist 21 Jahre alt und gehört schon länger zu den hoffnungsvollsten jungen Leuten des Tennis, aber nach einem relativ zügigem Aufstieg trat er danach eine ganze Weile auf der Stelle.

          Zweieinhalb Jahre lang stand er in der Weltrangliste zwischen Platz 40 und 50, und irgendwann fand er, das sei nicht genug. Er suchte nicht nur einen neuen Coach, sondern ein komplett neues Team inklusive Manager und Physiotherapeut, und seither spielt er mit sichtlich mehr Schwung und Selbstsicherheit. Eine Menge davon zeigte er im Viertelfinale beim Sieg in drei engen Sätzen gegen Kevin Anderson aus Südafrika, gegen den er vorher in drei Spielen nicht einen einzigen Satz gewonnen hatte.

          Es liegt nun an ihm, im Spiel der jungen Leute gegen Roger Federer Akzente zu setzen. Sicher aufmerksam vom Turnierdirektor beobachtet, der nun ganz offiziell kein Spieler mehr ist. Aber bei aller gebotenen Neutralität in dieser Rolle kann man davon ausgehen, dass Tommy Haas nichts dagegen hätte, seinem Freund aus der Schweiz am Ende wie im vergangenen Jahr den Siegerpokal zu überreichen.

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