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Weltelite der Tennis-Junioren : „Wie bei Grand Slams, mehr geht nicht“

  • -Aktualisiert am

In Offenbach auf dem Court: Joelle Steur Bild: rms

Die Zukunft des Tennis schlägt in Offenbach auf. Das Turnier ist in die höchste Kategorie aufgestiegen. Auch der deutsche Verband sichtet seine Talente. Besonders ins Auge fällt aber eine Belgierin.

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          Ein Satz ist während des Achtelfinalmatches der HTV International Junior Open auf der Offenbacher Rosenhöhe immer wieder zu hören, er wird an diesem Nachmittag zum Sinnspruch: „Zeig, was du kannst!“ Der Satz kommt aus dem Mund Barbara Rittners, der Chefbundestrainerin der deutschen Tennis-Damen. Und die von ihr angesprochene Joëlle Steur zeigt, was sie kann, spielt energisches und druckvolles Tennis, bringt ihre favorisierte Gegnerin immer wieder in Schwierigkeiten, welche diese lautstark kommentiert. Doch zur Überraschung reicht es nicht: Am Ende heißt es 4:6 und 2:6 aus Sicht der 18 Jahre alten Rechtshänderin gegen Lucie Havlíčková aus Tschechien, die gut ein Jahr jünger ist, in der Setzliste des Turniers an Position zwei steht und am Ende auch ins Finale einzieht.

          Steur fällt nicht nur durch ihr Tennisspiel auf, sondern auch durch ihre internationale Biografie. Die Tochter eines Niederländers und einer Deutschen lebt seit ihrem elften Lebensjahr mit ihrer Familie in der Nähe der spanischen Stadt Alicante. Zur Schule ging sie zunächst dort, später nahm sie an einer niederländischen Schule Online-Unterricht. Heute trainiert sie zumeist auf spanischem Boden, zeitweise aber auch am Stützpunkt des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) in Stuttgart. Beim Turnier in Offenbach ist sie an Position 14 die einzige gesetzte Deutsche.

          Im Hinblick auf den Stellenwert der Veranstaltung ist das beachtlich. Denn seit der diesjährigen Austragung gehört Offenbach zur höchsten Turnierkategorie bei den Junioren, darf sich „Grade-A-Turnier“ nennen. „Die Sieger erhalten bei uns genauso viele Weltranglistenpunkte wie bei den Grand Slams, mehr geht nicht“, freut sich Turnierdirektor Jörg Barthel vom Hessischen Tennis-Verband (HTV). Deshalb wird Steur durch ihren Achtelfinaleinzug in der Weltrangliste einige Plätze nach oben klettern.

          Die Wettbewerbe auf den Sandplätzen des HTV und des benachbarten TC Rosenhöhe haben bewegte Jahre hinter sich. 2019 konnte die letzte Ausgabe durchgeführt werden, damals noch als Turnier der zweithöchsten Kategorie, danach sorgte das Coronavirus für Stillstand. Allerdings nur auf den Plätzen, denn im vergangenen Jahr entschieden sich HTV und DTB gemeinsam für eine Bewerbung um den Grade-A-Status. „Sechs europäische Turniere haben sich um die Hochstufung beworben. Es war von vorneherein klar, dass nur eines davon diese auch bekommen wird.“

          Die Lücke schließen

          Die Entscheidung pro Offenbach sei als Bestätigung der guten Arbeit des gesamten Organisationsteams zu sehen, welches Barthel nach 2019 zum zweiten Mal anführt. „Die Rückmeldungen von Spielern und Trainern sind auch in diesem Jahr durchweg positiv“, berichtet er. „Wir gehören nun zum Nonplusultra im Juniors-Bereich, in unserer Kategorie gibt es insgesamt nur neun Turniere.“ Durch den neuen Termin Ende April – zuvor wurde in Offenbach im Juni gespielt – stellen die HTV International Junior Open zudem so etwas wie den Startschuss in den Tennis-Sommer der Junioren dar. Die gestiegene Wertigkeit macht sich auch im Teilnehmerfeld der unter 18-Jährigen bemerkt.

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          Großes Tennis für alle : Die Geheimnisse hinter den Schlägen der Stars Bild: picture alliance, Bearbeitung: F.A.Z.

          In Offenbach traten sowohl bei den Juniorinnen als auch bei den Junioren mehrere Vertreter aus den besten 20 der Weltrangliste an. Besonders ins Auge fällt die 17 Jahre alte Belgierin Sofia Costoulas, Nummer zwei der Welt und zu Beginn des Jahres Finalteilnehmerin der Juniorinnenkonkurrenz bei den Australian Open in Melbourne. Im Offenbacher Finale bezwingt sie Havlíčková am Sonntagmittag 6:4 und 6:2.

          Die starke Konkurrenz schätzt auch Rittner am Offenbacher Turnier: „Es spricht für sich, dass das Turnier jetzt zur Kategorie A gehört. Hier tritt die Weltelite im Juniorentennis an.“ Dies seien auch genau die Matches, die die deutsche Nachwuchsgeneration jetzt brauche. Vor allem bei den Damen gelte es, die Lücke hinter den noch aktiven Ausnahmespielerinnen wie Angelique Kerber oder Andrea Petkovic zu schließen. „Die Generation zwischen diesen Spielerinnen und den Juniorinnen ist uns zuletzt ein wenig weggebrochen. Deswegen erwarten wir von den jungen Spielerinnen, dass sie sich motivieren und lernen, groß zu denken“, so Rittner.

          Ein „Paradebeispiel“ für solch eine vielversprechende Einstellung sieht sie bei den männlichen Junioren im DTB. Der 18 Jahre alte Liam Gavrielides ist der in der Weltrangliste bestplatzierte deutsche Junior. In der Woche des Offenbacher Tennisturniers stehen für ihn Abiturprüfungen in Sport und Biologie an. Zu seinem Achtelfinalspiel reist er im Grunde direkt aus dem Prüfungssaal an, scheidet dann – wie Steur bei den Damen als letzter DTB-Vertreter – nach hartem Kampf gegen den Spanier Martin Landaluce aus. Den Turniersieg holte sich der Tscheche Jakub Nicod.

          Joëlle Steur zeigt sich nach ihrer Niederlage erstaunlich aufgeräumt und voller Vorfreude auf die kommenden Wochen: „Demnächst stehen für mich die Grand-Slam-Turniere der Junioren in Paris und Wimbledon an. Das wird einfach schön, vor allem so nah an den weltbesten Tennisprofis zu sein.“ Auch bei diesen Turnieren wird sie die Möglichkeit bekommen, der Öffentlichkeit zu zeigen, was sie kann.

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