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Tennis-Tagebuch : Ein Kronprinz für die Business Class

  • -Aktualisiert am

Feierlaune: Andrea Petkovic (zweite von rechts) mit Fed-Cup-Kolleginnen Bild: AP

Tennisspielerin Andrea Petkovic ist beim Fed Cup in Japan nicht zum Einsatz gekommen - erlebt hat sie dennoch eine Menge, bis hin zum Treffen mit dem Kronprinzen. Im Tennis-Tagebuch schreibt sie über ihre Erfahrungen.

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          „Ich fühle mich wie eine Kuh auf Eis.“ Dieser Tennissatz stammt von Maria Sharapova, die damit ihre Bewegungsunmöglichkeiten auf roter Asche beschrieb. Ich bin weder Maria Sharapova, noch fühle ich mich wie eine Kuh auf Eis, was roten Sand betrifft. Aber reden wir von Rasen und dem berühmtesten Turnier der Welt, Wimbledon, so konnte ich diesen Satz nachvollziehen, auch wenn es ein Storch im Schlamm, der ein bisschen durch die Gegend stapft, vielleicht besser trifft

          Meine Premiere auf Rasen war für mich eine Versicherung, dass das Kind in mir noch lebt. Verhaltenstechnisch als auch bewegungsmotorisch befand ich mich in der Qualifikation von Wimbledon auf dem Stand einer Vier- bis Sechsjährigen. Ins Detail möchte ich nicht gehen, es sei nur gesagt, dass ich kläglich unterging und das gegen eine Japanerin namens Takao, die sich beim Händeschütteln auf die Zehenspitzen stellen musste, um meine Hand überhaupt zu erreichen.

          Im Land der aufgehenden Sonne

          Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen und so packte ich meine Siebensachen, um mich mit den Fed-Cup-Kolleginnen Tatjana Malek, Anna-Lena Grönefeld, Angelique Kerber, Barbara Rittner und unserer Physiotherapeutin Lilly Panzer auf den Weg ins Land der aufgehenden Sonne, des Sushis und der beheizten Kloschüsseln zu machen – Japan. Für den nötigen Testosteronspiegel sorgten Sportdirektor Klaus Eberhardt, Doc Ulf Blecker und Kotrainer-Kameramann Dirk Dier. Um den Teamgeist zu stärken, eroberten wir zunächst das Herz des Frankfurter Flughafens, McDonald’s. Wenn uns hier schon niemand aufhalten konnte, wie sollten es dann die Japaner schaffen?

          Als die Fed-Cup-Begegnung Japan gegen Deutschland das letzte Mal ausgetragen wurde, traten Steffi Graf und Anke Huber gegen zwei unbekannte Japanerinnen in Japan an – und verloren. Der damalige Teamchef war Klaus Hofsäss, der heute auf seinem Berg in Marbella sitzt und eine Tennisschule führt. Das konnte natürlich auch er nicht auf sich sitzen lassen und so beschloss er kurzerhand, weder Kosten noch Mühen scheuend sich mit seinem Sohn ebenfalls nach Toyota zu begeben (diese Stadt wurde tatsächlich wegen der Automarke umbenannt).

          Nachdem wir hinreichend die japanische Höflichkeit und die unglaublich hohen Preise (ein Menü, der Essmenge nach für Zwerge konzipiert, kostet 80 Dollar) bewundert hatten, begann das Training. Eigentlich ging es mir prächtig, bis ich den Platz in der Sky Hall betrat, der erschreckend an Rasen erinnerte. Da war es nur gut, dass ich nicht für das Einzel vorgesehen war. Trotz dieser widrigen Umstände trainierte ich mich in einen Rausch, so dass ich die Trainingssätze gegen meine Teamkolleginnen allesamt gewann.

          Der Kronprinz und der Supertaifun

          Dennoch fand die eigentliche Vorbereitung neben dem Platz statt, denn es hieß, das Team zusammenzuschweißen, wie damals, als wir in Fürth gegen Kroatien gewannen. Die allseits beliebte und von allen vermisste Sandra Klösel war durch Angelique Kerber ersetzt worden, was zwar das Durchschnittsalter auf 20 Jahre senkte, nicht aber den Teamgeist und den Willen, wieder erstklassig zu werden.

          Wir machten uns auf, Toyota zu erkunden, das in der Intensität des Lebens, der Energie der Stadt und der Einwohnerzahl in etwa Bad Saulgau entspricht. Auf Schritt und Tritt wurden wir von unserer Dolmetscherin Yoko verfolgt. Ich hatte herausgefunden, dass an diesem Abend Sushi-Essen auf dem Programm stand und so machte sich das Team erneut auf zu McDonald’s, um den Magen schon etwas vorzufüllen. Im Handumdrehen stand der offizielle Abend vor der Tür, für den wir von Gerry Weber ausgestattet wurden. Man konnte dementsprechend nicht genau sagen, ob wir die Sportler des deutschen Teams waren oder bloß die Sekretärinnen, die vorgeschickt wurden.

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