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Tennis in Stuttgart : Wimbledon light

  • -Aktualisiert am

Ein Hauch von Wimledon: Die Tribünen in Stuttgart sind gefüllt Bild: dpa

Nach Stuttgart kommen die Tennis-Stars fast von allein – zur Vorbereitung auf Wimbledon. Das Turnier um den Mercedes Cup findet mit dem Knowhow englischer Greenkeeper, dem Original-Rasen und Original-Bällen statt. Rafael Nadal nutzt das am Freitag zum Einzug ins Halbfinale.

          So viel war an einem Donnerstag auf dem Stuttgarter Killesberg schon lange nicht mehr los. Jedenfalls nicht auf den Tennisplätzen des TC Weissenhof. Seit dem Vormittag pilgerten die Fans auf die Anlage, und als um 14 Uhr Tommy Haas den Centre Court betrat, füllten 5000 Zuschauer die Ränge. Der 37 Jahre alte Profi ist immer noch sehr beliebt. Und sein Comeback nach einjähriger Verletzungspause bewegt viele, wie die lebhaften Publikumsreaktionen während seiner 6:7-, 2:6-Niederlage gegen den Australier Bernard Tomic belegten.

          Aber man tritt Haas mit der Behauptung nicht zu nahe, dass er nicht der Hauptverantwortliche für den Ansturm der Zuschauer war. Der heißt Edwin Weindorfer und ist nicht nur der Manager von Haas, sondern Inhaber der Agentur Emotion und damit seit vielen Jahren Veranstalter des Stuttgarter Tennisturniers um den Mercedes Cup.

          Eine Investition ohne Alternative

          Weindorfer, ein 50 Jahre alter Österreicher, hatte vor drei Jahren eine zündende Idee. Um den schleichenden Niedergang seines Sandplatzturniers zu stoppen, versuchte er die Popularität des größten Tennisereignisses der Welt für sich und seine Veranstaltung zu nutzen – Wimbledon. Durch die Verlängerung der Rasensaison rückt die Veranstaltung des All England Lawn Tennis and Croquet Club von diesem Jahr an um eine Woche nach hinten im Kalender. Es entstand ein weiterer Termin für ein Rasenplatzturnier, weil nun drei Wochen zwischen dem Finale der French Open und Wimbledon liegen. Diesen Termin wollte Weindorfer, und er bekam ihn, weil er sich sehr früh darum bemüht hatte.

          Mit der Zusage seines Titelsponsors Mercedes, ein Rasenplatzturnier für mindestens fünf Jahre zu begleiten und sich an den Kosten des Umbaus zu beteiligen, stellte der Österreicher sein Projekt in Wimbledon vor. Er erhielt viel Zustimmung und Unterstützung. In den Gesprächen wurde sogar eine strategische Partnerschaft vereinbart. Die Stuttgarter sind nun so etwas wie ein Wimbledon-Ableger – mit dem Knowhow der englischen Greenkeeper, dem Original-Rasen, den Original-Bällen, den Original-Netzpfosten und den Original-Regenabdeckplanen. Mit dem Begriff „Junior-Wimbledon“ tut sich Weindorfer allerdings schwer. „Junior? Es geht immerhin um 640.000 Euro Preisgeld und ein Auto im Wert von 160.000 Euro“, sagt er.

          Optimale Vorbereitung für das große Turnier: Nadal schlägt in Stuttgart auf

          Mit zwei Millionen Euro wurde die Infrastruktur aufgewertet und sechs Rasenplätze auf dem Weissenhof errichtet, nachdem die Mitglieder mit 98 Prozent ihre Zustimmung gegeben hatten. Eine Investition, für die es für Weindorfer keine Alternative gab. „Unser Sandplatzturnier litt unter dem Juli-Termin. Nach Wimbledon will kein Spitzenspieler mehr auf Sand spielen, sondern sich auf Hartplätzen auf die US Open vorbereiten. Einen Djokovic oder Federer musste ich da gar nicht mehr fragen“, sagt Weindorfer.

          Als Vorbereitungsturnier für Wimbledon kommen die Stars fast von allein. Das ist die Hoffnung von Weindorfer, und sie erscheint realistisch. Zur Rasen-Premiere sagte ein Publikumsmagnet wie Rafael Nadal zu, wie man hört für eine relativ geringe Antrittsprämie im Bereich um eine halbe Million Euro. Am Donnerstag trat der Spanier zu seinem ersten Einzel an und erreichte durch das 7:6, 6:7 und 6:2 gegen Marcos Baghdatis aus Zypern das Viertelfinale, wo er am Freitag seinen Siegeszug fortsetzte: Gegen Bernard Tomic aus Australien gewann der topgesetzte Spanier 6:4, 6:7 (6:7), 6:3. Am Samstag trifft Nadal nun auf den Franzosen Gael Monfils.

          Zudem schied am Freitag mit Mischa Zverev auch der letzte deutsche Profi in Stuttgart aus. Der Qualifikant aus Hamburg unterlag im Viertelfinale dem klar favorisierten US-Open-Sieger Marin Cilic aus Kroatien 6:4, 6:7 (5:7), 6:7 (5:7).

          Nach den hervorragenden Kritiken der Spieler für die Organisation und die Beschaffenheit der Plätze darf Weindorfer in den nächsten Jahren auf ein noch besseres Teilnehmerfeld hoffen. Fünf aus den Top Ten, das Ziel formuliert er. Das wirkt ziemlich ambitioniert, schließlich folgen auf Stuttgart die etablierten Rasenturniere in Halle und Queens mit Preisgeldern, die mehr als doppelt so hoch sind. Aber die Gegenwart ist schon ein großer Fortschritt zur Vergangenheit. Das Wochenende am Weissenhof ist ausverkauft, das erste Mal seit vielen Jahren.

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