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Männer und Frauen im Tennis : Federer bringt den Stein ins Rollen

Roger Federer macht einen Vorschlag, und die Tenniswelt debattiert. Bild: dpa

Roger Federer schlägt vor, die Spielerorganisationen der Männer und der Frauen zu fusionieren. Damit versetzt er die Tenniswelt in helle Aufregung. Die anfängliche Zustimmung war breit. Doch so einfach ist das alles nicht.

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          Einzig Roger Federer ist wohl dazu in der Lage, mit ein paar laut gedachten Worten die gesamte Tenniswelt in helle Aufregung zu versetzen. „Bin ich der Einzige, der denkt, dass jetzt die Zeit wäre, dass sich das Männer- und das Frauentennis zusammenschließen?“, hatte der Schweizer in der vergangenen Woche via Twitter rhetorisch gefragt – und sodann eine aufgeregte Debatte über eine mögliche Fusion der Spielervereinigungen ATP und WTA losgetreten.

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          Die anfängliche Zustimmung war breit. So breit sogar, dass mancher in der Tennisszene eine orchestrierte Aktion dahinter vermutete. Sein Dauerrivale Rafael Nadal sprang Federer in der Sache umgehend öffentlich zur Seite. Ebenso Tennis-Ikone Billy Jean King, die Ähnliches seit vielen Jahren fordert. Auch der neue ATP-Präsident Andrea Gaudenzi stellte noch einmal heraus, dass man einen Zusammenschluss befürworte und bereits seit geraumer Zeit in entsprechenden Gesprächen sei.

          Doch nach und nach meldeten sich auch kritischere Stimmen zu Wort. Der streitbare Australier Nick Kyrgios gehörte dazu, auch der Vizepräsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Dirk Hordorff, meldete Zweifel an. Mit einer Fusion sei „erst mal gar kein Problem gelöst“, sagte dieser dem Video-Dienstleister Omnisport. Federers Vorschlag sei „ohne Substanz“, urteilte der international bestens vernetzte Funktionär harsch.

          Tatsächlich wäre ein Zusammenschluss der Organisationen zunächst vor allem eine Herkulesaufgabe. Von außen betrachtet ist das Nebeneinander der Männer- und Frauengewerkschaften ATP und WTA, des Weltverbandes ITF und der in gewisser Weise noch einmal unabhängig von alledem agierenden vier Grand-Slam-Turniere kaum zu verstehen. Aus der Binnensicht ergibt sich jedoch ein historisch gewachsenes Geflecht, das zu entwirren einen hochkomplexen bürokratischen Akt darstellen würde. Unterschiedliche Sponsoren, Rechteinhaber, Turnierserien, Weltranglistensysteme und vieles mehr müssten hier unter einen Hut gebracht werden. Und zwar so, dass keiner der Stakeholder einen Nachteil für sich befürchtet.

          Dabei liegen die grundsätzlichen Probleme auf der Hand. Im Tennis hat sich in den vergangenen Jahren ein erhebliches Ungleichgewicht entwickelt. In der Spitze wird gut verdient, die Grand-Slam-Turniere vermelden ein florierendes Geschäft. Doch dahinter klafft eine Lücke. Spieler jenseits der Top 100 bekommen vom großen Kuchen kaum mehr die Krümel, viele kleinere Turniere sind spätestens seit der Corona-Krise im Existenzkampf. Und auch die nationalen Verbände, die letztlich für den Nachwuchs und damit die Stars von morgen sorgen sollen, beklagen einen chronischen Mangel.

          Federers Wunsch ist deshalb ein frommer. Wohl auch geboren aus dem Anspruch, in Sachen Gleichberechtigung einmal mehr voranzugehen. Nirgendwo in der Sportwelt können Frauen schließlich schon heute so gut verdienen wie im Tennis. Und tatsächlich scheint die Zeit reif, durch eine geschlechterübergreifende Vermarktung nun den nächsten Schritt zu gehen. Was es aber mindestens zusätzlich brauchte, wäre eine ernsthaft geführte Umverteilungsdebatte. Eine Fusion von ATP und WTA kann dabei förderlich sein. Sie ist aber kein Selbstzweck.

          Eine Fusion von ATP und WTA kann förderlich sein – für die nötige Umverteilungsdebatte.

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