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Tennis-Star bei ATP-Finals : Die eindrucksvolle Show des Roger Federer

  • -Aktualisiert am

Intensiver Augenblick: Roger Federer bei seinem Sieg über Novak Djokovic Bild: Reuters

Roger Federer tritt bei den ATP-Finals wieder mal leichtfüßig wie ein Tänzer auf – und fühlt sich vor dem Halbfinale wohl wie bei einem Spaziergang an der Themse. Was kommt nun?

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          Schwer zu sagen, ob ein Plan dahinter steckt, welche Farben die Ausrüster für ihre Leute für bestimmte Gelegenheiten wählen. Roger Federer spielt dieser Tage in London von Kopf bis Fuß in Schwarz, und besser hätte es nicht sein können. Als er den höchst eindrucksvollen Sieg gegen Novak Djokovic – seinen ersten seit vier Jahren – auf dem Platz zelebrierte, fing sich das Licht in seinen Gesten und in seinem Gesicht und verstärkte die Intensität des Augenblicks, ohne von einem Farbton gestört zu werden. Von Kopf bis Fuß in Schwerelosigkeit, aber nicht nur am Ende, sondern auch zuvor.

          Es war ein Abend mit Bedeutung, keine Frage. Grundsätzlich ist man gut beraten, den Besten immer und überall alles zuzutrauen, selbst in Situationen, in denen nicht allzu viel dafür spricht. Aber vier Jahre ohne Sieg gegen Djokovic spielten sehr wohl eine Rolle bei den Abwägungen von Federers Chancen, und in dieser Rechnung spielte natürlich auch das nach zwei Matchbällen verlorene Wimbledonfinale ein Rolle. Zuletzt hatte er in der Vorrunde der ATP Finals 2015 gewonnen, das gemeinsame Finale ein paar Tage später hatte er verloren. Und ja, irgendwo trieb sich auch ganz leise der Gedanke im Kopf herum, der aktuelle Auftritt könnte vielleicht sein letzter in der O2 Arena sein.

          Doch in seinem Kopf herrschte Klarheit, von Anfang an. Federer hatte sich mit seinem Team mehr als eine Stunde lang auf das Spiel vorbereitet, hatte mit den Coaches ausführlich alle Optionen diskutiert, und dann fühlte er sich so wohl wie bei einem Spaziergang an der Themse. Djokovic fand nie einen Weg in dieses Spiel, was aber vermutlich nicht nur an Federer, sondern auch an den Nachwirkungen des extrem harten Spiels lag, das er zwei Tage zuvor gegen Dominic Thiem verloren hatte. Am Ende fand der Serbe, er habe nicht allzu viel richtig gemacht – im Gegensatz zum Mann in Schwarz auf der anderen Seite, der wieder mal leichtfüßig wie ein Tänzer unterwegs war. Die Überlegenheit des Schweizers in Zahlen ausgedrückt: 23 Winner, darunter zwölf Asse, und nur fünf unerzwungene Fehler. Oder in die hübsche Frage gehüllt, ob er sich so jung fühle, wie er auf dem Platz ausgesehen habe. „Danke“, sagte Federer. „Ja, ich fühle mich gut, ich fühle mich jung. Aber ich glaube, das liegt am Haarschnitt.“

          Leichtfüßig wie ein Tänzer: der schwarze Mann in London.

          Naja, vielleicht nicht nur. Federer hört einfach nicht damit auf, die Leute zu verzaubern, selbst unter schwierigen Bedingungen. Und vielleicht gibt es Hoffnung für alle, die sich wünschen, mit ebenso leichter Hand spielen zu können. „Ich habe das nie bewusst versucht“, sagt er, „das kam natürlich in all den Jahren durch meine Coaches. Ich habe Probleme mit extremen Griffhaltungen, und die beidhändige Rückhand hat bei mir nie funktioniert. Ich hätte es mir manchmal anders gewünscht, aber so war es halt. Ich habe das Meiste daraus gemacht.“

          Doch Federer gönnte sich an diesem bemerkenswerten Abend nicht nur einen großen Sieg über Djokovic und landete damit im Halbfinale an diesem Samstag gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas (15.00 Uhr), sondern er entschied auch über die Reihenfolge an der Spitze der Weltrangliste; Djokovic hätte das Finale erreichen müssen, um Rafael Nadal wieder zu überholen. Es war also ein hübsch verpacktes Geschenk für den Spanier. „Ich weiß, er war hier irgendwo“, scherzte Federer und malte mit beiden Händen imaginäre Kreise in der Luft.

          Nadal wurde nach seinem letzten Gruppenspiel am Freitag mit der Trophäe der ATP für die Nummer eins zum Jahresende geehrt. Es ist der fünfte Pokal dieser Art, und damit schließt er in der Wertung zu Federer und Djokovic auf – macht zusammen 15 Jahre der unfassbaren Dominanz dieser drei. Einer der vielen Betroffenen in dieser Zeit wird sich an diesem Samstag in London von den Tennisfans verabschieden – Tomas Berdych. Irgend einer der großen Drei stand dem begabten Tschechen immer im Weg zu einem Grand-Slam-Titel. Am nächsten kam er dem Traum vor neun Jahren in Wimbledon, als er das Finale erreichte, aber dann gegen Nadal verlor. Im Viertelfinale hatte Berdych Federer besiegt, was damals mancherorts zu einer Art Schwanengesang führte. „Das könnte der Anfang vom Ende des besten Spieler der Geschichte sein“, schrieb der Londoner „Independent“ am Tag nach Federers Niederlage. Allmählich wäre eine Sonderausgabe mit Bildern von allen Titeln fällig, die der Schweizer danach noch gewann – 41 an der Zahl.

          Ob er bei der vorletzten Auflage der ATP Finals in der stimmungsvollen O2 Arena noch mal im Endspiel landen wird? Vor zwei Jahren verlor er im Halbfinale gegen den Belgier David Goffin, im vergangenen gegen Alexander Zverev. „Ist ja logisch, dass ich nach so einem Sieg gegen Djokovic mit Selbstvertrauen auf den Platz gehe“, sagte Federer, bevor er den überaus erbaulichen Arbeitstag beendete. Das kann man als Versprechen verstehen.

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