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Zverev wütet vor Davis Cup : „Ein schlechteres System könnte man sich nicht ausdenken“

  • -Aktualisiert am

Genaue Analyse: Beim Training vor der Davis-Cup-Partie in Frankfurt sprechen Alexander Zverev (rechts) und Boris Becker miteinander. Bild: dpa

Vor dem Auftaktspiel gegen Ungarn macht Deutschlands bester Tennisspieler seinem Unmut über den Davis-Cup-Modus Luft. Der Ärger über das neue System hat einen ganz bestimmten Grund.

          Waren es die neuen Davis-Cup-Regeln, die den Frankfurter Oberbürgermeister verwirrt haben, oder hat Peter Feldmann nur keine Ahnung vom Tennis und schlechte Mitarbeiter? Als Feldmann auf die große Ehre und Freude zu sprechen kam, die Frankfurt als Austragungsort der Qualifikationsrunde des Davis Cups an diesem Freitag (16.00 Uhr) zuteil werde, setzte er noch eins drauf. Besonders stolz mache es ihn, „dass ich gehört habe, dass Frankfurt die einzige deutsche Stadt ist, die ein Davis-Cup-Match ausrichtet“. Tja, kein Wunder, es steigt ja auch nur ein Spiel in Deutschland. Bis vor einem Jahr hätte es auch mehrere Heimspiele im Davis Cup geben können – wenn die Mannschaft einen Siegeszug durch die K.-o.-Runden gestartet und das Los es so gewollt hätte. Aber durch die von vielen ungeliebte Reform findet nur noch eine Vorrundenbegegnung statt, und dann treffen sich 18 Mannschaften Ende November zum Finale in Madrid, wo der Titel erst in einer Gruppenphase und dann im K.-o.-System ausgespielt wird.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Änderung ist eine Reaktion auf die Tatsache, dass immer mehr Spitzenspieler dem Davis Cup fernblieben, als er noch im K.-o.-Modus ausgetragen wurde. Der zeit- und kraftraubende Einsatz für das Vaterland (Spiele an drei Tagen über drei Gewinnsätze, einwöchiger Gesamtaufenthalt) stand im Widerspruch zu den persönlichen Ambitionen in der ATP-Weltrangliste. Aber der Termin für das Finale ist so schlecht gewählt, dass viele Spitzenspieler ihr Fernbleiben schon angekündigt haben.

          „Ich bin 100 Prozent dagegen“

          „Ein schlechteres System könnte man sich eigentlich nicht ausdenken, da bin ich ganz ehrlich“, schimpfte der deutsche Spitzenspieler Alexander Zverev im Kaisersaal des Frankfurter Römer. „Ich bin 100 Prozent gegen das System. Ich werde in Madrid nicht spielen.“ Die Davis-Cup-Endrunde verlängert die ohnehin mit zehneinhalb Monaten schon grenzwertig lange Saison auf elf Monate. „Ich hatte in diesem Jahr nach dem ATP-Finale in London zwei Wochen Urlaub und bin dann nach zweieinhalb Wochen Athletiktraining schon wieder nach Australien geflogen“, beschrieb Zverev sein persönliches Programm – und seinen Schluss daraus: „Weniger Erholung und Saisonvorbereitung geht nicht.“

          Die Teamkollegen sehen das anders, sie verdienen allerdings auch erheblich weniger als der Weltranglistendritte und werden durch die immens hohen Antrittsgelder, die in Madrid abzuholen sind, angelockt. „Ich liebe meine Mitspieler und wünsche ihnen alles Gute in Madrid, wenn wir uns qualifizieren sollten. Aber für mich kommt es nicht in Frage.“

          Die Qualifikation steht eigentlich außer Frage. Die Deutschen schieden vor zwei Jahren zwar schon einmal als hoher Favorit in Frankfurt aus. Aber die Belgier traten damals mit Spielern in den Weltranglistenregionen zwischen 75 und 150 an. Die Ungarn allerdings kommen aus den Untiefen der Branchenhackordnung. In Abwesenheit von Marton Fucsovic übernimmt in Frankfurt Zsombor Piros die Position der Nummer eins Ungarns – als Nummer 368 der Weltrangliste. Peter Nagy, der zweite Einzelspieler, wird nicht exakt eingestuft, sondern jenseits Position 820 geführt. Zverev überraschte im Kaisersaal mit der Nachricht, schon mal gegen Piros gespielt und sogar verloren zu haben. „Das war bei einem Future-Turnier, und ich war 15. Er spielt immer noch Future-Turniere, ich habe ihn seit Jahren nicht mehr gesehen.“

          Der deutsche Teamchef Michael Kohlmann betonte, dass er das Team professionell vorbereiten werde, und Philipp Kohlschreiber, der zweite deutsche Einzelspieler, sagte mit ernster Miene: „Wir werden die Ungarn sicher nicht unterschätzen.“ Größer, als zu verlieren, ist jedoch die Gefahr, das Publikum durch allzu rasche Siege zu verärgern. Denn erstmals werden die Spiele nur über zwei Gewinnsätze ausgetragen. Und der Sonntag als Spieltag fällt auch weg. Nach den Einzeln des Freitags – Kohlschreiber gegen Piros und Zverev gegen Nagy – finden am Samstag erst das Doppel und dann die letzten beiden Einzel statt.

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