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Tennis-Profi Tomic : Der gespielte Witz

  • -Aktualisiert am

Aus nach 28 Minuten: Bernard Tomic verliert in Rekordzeit gegen Jarkko Nieminen Bild: AFP

Eine Zweisatz-Niederlage in nur 28 Minuten ist ATP-Rekord. Bernard Tomic war nach der Schlappe gegen Jarkko Nieminen trotzdem zufrieden: er verdiente 9165 Dollar für die Farce.

          Am Ende kam es auf jede Sekunde an, und fast hätte er den Rekord verpasst. Doch Bernard Tomic schaffte, was kaum jemand für möglich gehalten hätte: ein ganzes Tennisspiel in nur 28 Minuten und 20 Sekunden zu verlieren. Er darf nun von sich behaupten, den entscheidenden Beitrag zur kürzesten Partie in der Geschichte der ATP-Turniere geliefert zu haben, und diesen Platz in den Rekordbüchern dürfte er sicher eine Weile lang behalten.

          Der Rekord seines Vorgängers, des jetzigen deutschen Davis-Cup-Chefs hielt sich immerhin 18 Jahre; Carsten Arriens hatte anno 1996 zwar beim 0:6, 0:6 gegen den Briten Greg Rusedski überhaupt kein Spiel gewonnen, aber die Partie hatte dennoch stattliche 29 Minuten gedauert.

          Tomic hat keinen besonders guten Ruf, und er war schon öfter an Spielen beteiligt, bei denen man den Eindruck haben musste, er sei am Ergebnis nur sehr begrenzt interessiert. Nun gäbe es zu seinen Gunsten das Argument, dass dieses mit 0:6 und 1:6 verlorene Match der ersten Runde gegen Jarkko Nieminen in Miami sein erstes nach einem Eingriff an beiden Hüften und mehreren Wochen Pause war. Aber er selbst ließ keinen Zweifel daran, mit welcher Einstellung er seinem Job nachgegangen war.

          Das Handtuch hätte Tomic auch vorher schmeißen können: aber so verdiente er besser

          Das Spiel sei ein Teil seiner Rehabilitation gewesen, erklärte der Australier. Schön. Das heißt also angesichts der 9165 Dollar Preisgeld, die er dafür bekam, jeder seiner insgesamt 13 Punkte – drei im ersten, zehn im zweiten Satz – war genau 705 Dollar wert, der Stundenlohn betrug rund 18.500 Dollar. Eigentlich müsste man ihn zwingen, das Geld wohltätigen Zwecken zu stiften.

          Hewitt ist das Gegenteil von Tomic

          Aber zu den besten Aspekten des Tennis gehören immer auch die Gegensätze, und der zwischen Tomic und einem Landsmann könnte kaum größer sein. Lleyton Hewitt kämpfte rund zwei Stunden um seinen Sieg (3:6, 6:3, 6:3) gegen den Niederländer Robin Haase und spielte dabei wie immer um jeden Punkt, als sei es der letzte seiner Karriere.

          Auch dieser Sieg ist einen Eintrag in die Rekordlisten wert, denn es war der 600. seiner Karriere, wofür er mit einer Schokoladentorte bedacht wurde. Nur Roger Federer (942) und Rafael Nadal (675) haben aus der Gruppe der aktiven Spieler mehr Siege zu Buche stehen.

          Der andere Australier: Niemals würde Lleyton Hewitt so auftreten wie Tomic

          Niemals wäre Hewitt auf die Idee gekommen, sich im Bewusstsein, nicht annähernd fit genug zu sein, auf den Platz zu stellen. Erfahrung in diesen Dingen hat er genug. Er selbst sagt, in den ersten drei Vierteln seiner Karriere habe er Glück gehabt und sei kaum verletzt gewesen, dann habe er vier Eingriffe in fünf Jahren und deren Folgen aushalten müssen, und in der Phase habe er sich überhaupt nicht vorstellen können, jemals eine Zahl wie die 600 zu erreichen.

          Den ersten schnappte er sich beim Turnier in seiner Heimatstadt Adelaide, das er im Januar 1998 mit knapp 17 Jahren gewann, und es würde ihm außerordentlich gefallen, die Nummer 601 gleich diesen Samstag anzuhängen; das würde bedeuten, er hätte Rafael Nadal besiegt. Wegen all seiner Verletzungen in den vergangenen Jahren sei er sehr dankbar, sagt er, noch dabei zu sein.

          Nadal, der kürzlich in Indian Wells früh ausgeschieden war und das Turnier in Miami noch nie gewann, kommt ihm gerade recht. Sich für eine solche Begegnung in Form zu bringen ist Hewitt Motivation genug. „Es macht immer noch Spaß, da raus zu gehen und gegen diese Jungs zu spielen.“ Und man kann wohl davon ausgehen, dass er es inzwischen tun würde, ohne einen einzigen Dollar dafür zu bekommen.

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