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Tennis : Prager Tennis-November

Tschechische Hoffnungsträgerin: Auf Petra Kvitova kommt es an Bild: REUTERS

Zuerst Fed-Cup-, dann Davis-Cup-Finale kurz nacheinander im selben Ort in derselben Halle: Prag ist im Tennis Fieber. Tschechien hofft gegen Serbien auf den Einsatz der angeschlagenen Petra Kvitova.

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          Eine goldene Zukunft der deutschen Tennisdamen hat Barbara Rittner am Rande des WTA-Masters in Istanbul gerade erst beschrieben. Die deutsche Fed-Cup-Teamchefin wäre demnach also nicht überrascht, stünden in ein, zwei Jahren gleich vier deutsche Spielerinnen unter den besten 15 Akteurinnen der Welt. Das ist eine mutige Ansage für die nächsten Jahre, wo doch die Gegenwart nicht frei war von einigen herben Enttäuschungen. „Da hätten wir auch stehen können“, wird sich die ein oder andere deutsche Tennisdame beim Blick auf das Fed-Cup-Finale an diesem Wochenende sicher sagen.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Titelverteidiger Tschechien trifft in Prag auf Serbien, und nicht nur an diesen Tschechinnen waren die Deutschen in der ersten Runde im Februar in Stuttgart gescheitert - zwei Monate später verloren sie auch noch gegen Australien und stiegen aus der Weltgruppe ab. „Unser Ziel ist irgendwann der Titel“, sagt Barbara Rittner trotzdem - und so unwahrscheinlich, wie das bei einem Absteiger klingt, ist dieser Traum nicht einmal. Nimmt man die aktuellen Weltranglistenpositionen, wäre ein deutsches Team sogar besser besetzt als beide Endspielteilnehmer. „Ich will gar nicht darüber nachdenken“, sagt Barbara Rittner.

          Tennisfieber in Prag

          In Prag ist derweil das Tennisfieber ausgebrochen. Die Arena bietet zwar 13.000 Zuschauern Platz, aber trotzdem waren nach nur sechs Stunden Vorverkauf alle Tickets vergriffen. Noch schneller ging das für die nächste Veranstaltung, denn im Grunde könnten sie den schnellen Hartplatzboden in der Halle gleich liegen lassen.

          Vom 15. bis 17. November treffen die tschechischen Herren im Finale auf Titelverteidiger Spanien. Um die komplette Nachfrage erfüllen zu können, hätte die Halle dreimal so groß sein müssen. „Dieser November wird dem tschechischen Tennis hoffentlich einen immensen Schub geben und viele Kinder dazu bringen, zum Schläger zu greifen.

          Alles steht und fällt mit Petra Kvitova

          Das passiert ja nicht oft, dass ein Fed-Cup-Finale und ein Davis-Cup-Finale kurz nacheinander im selben Ort in derselben Halle stattfinden“, sagt Fed-Cup-Teamchef Petr Pala. Seit der Fed Cup in einem ähnlichen Modus wie der Davis Cup gespielt wird, seit 1995 also, hat es das sogar noch nie gegeben - und es ist sehr lange her, dass eine Nation gleich beide Titel gewann. 1990 gelang dies zuletzt den Amerikanern. Im tschechischen Team steht und fällt alles mit Petra Kvitova, der Wimbledonsieger von 2011. Beim Saisonfinale in Istanbul musste sie wegen einer Viruserkrankung aufgegeben, sie fühlte sich unendlich müde und schlapp, aber die Schwächephase soll überwunden sein.

          Falls sie antreten kann und ihre beiden Einzel gewinnt, dann ist die Titelverteidigung sehr wahrscheinlich, denn das Doppel Andrea Hlavackova und Lucie Hradecka erreichte 2012 bei allen vier Grand-Slam-Turnieren das Halbfinale, stand in Wimbledon und bei den US Open sowie bei den Olympischen Spielen in London jeweils im Finale. Dass sie all diese Endspiele verloren haben, wird den serbischen Teamchef Dejan Vranes auch nicht besonders optimistisch stimmen. Wie immer er sein Doppel auch aufstellen mag, es dürfte zu schwach sein gegen das an Nummer zwei der Weltrangliste plazierte Duo der Tschechen.

          Vranes muss ganz auf die immense Erfahrung seiner beiden Spitzenspielerinnen bei Auftritten auf den ganz großen Tennisbühnen dieser Welt bauen: Ana Ivanovic war schließlich 2008 die erste serbische Spielerin an der Spitze der Weltrangliste, Jelena Jankovic folgte ihr nur ein paar Monate später. Beide haben schwere Zeiten hinter sich. Jankovic quälte sich mit Verletzungen herum, trainierte falsch - nämlich zu viel, vor allem mit zu hohen Gewichten-, kam wieder zurück und wurde auch wegen ihrer gesundheitlichen Anfälligkeit nie wieder so gut, wie sie einmal war. Aktuell steht sie auf Platz 22 der Weltrangliste, aber im Fed Cup lässt sie zuweilen erahnen, welche Möglichkeiten in ihr steckten.

          „Für mein Land zu spielen gibt mir viel Extra-Motivation. Ich gebe mehr als mein Bestes“, sagt sie. Das gilt auch für Ana Ivanovic, für die das Finale die Chance ist, wieder im Scheinwerferlicht zu stehen - wenn sie denn versessen darauf wäre. 2008 war sie nach ihrem Sieg bei den French Open der Liebling der Tennisszene - und nicht nur der Tennisszene. Ihre Website verzeichnete in einem Monat 48 Millionen Klicks, dazu wurde sie mit ihrem Sexappeal Dauergast auf den Titelseiten der Mode- und Lifestyle-Zeitschriften. Nur in der Weltrangliste wurde sie nach unten durchgereicht, geriet in einen Abwärtsstrudel, wechselte die Trainer, erlebte immer wieder Rückschläge - und kämpft sich langsam wieder nach oben.

          Mittlerweile ist sie wieder auf Rang 12 angekommen, allerdings um derart viele Kilos erleichtert, dass sie Gerüchte um eine Magersuchterkrankung heftig dementieren musste. Und die Deutschen? Sie werden ein wenig sehnsüchtig nach Prag blicken, denn aktuell mithalten könnten sie sicher. Angelique Kerber, im Februar in Stuttgart noch Ersatzspielerin, hat nach ihrem herausragenden Jahr mit Platz fünf in der Weltrangliste Petra Kvitova (8) schon überholt, und Julia Görges ist auf Rang 18 nur eine Position tiefer eingestuft als Lucie Safarova, die zweite tschechische Einzelspielerin. Dieses Finale ist nicht nur eine Erinnerung, was alles möglich gewesen wäre, sondern auch eine Erklärung: Während verschiedenen deutschen Spitzenspielerinnen im Einsatz für ihr Land der Arm zuweilen schwer wurde, scheint Petra Kvitova genau dieser Druck zu beflügeln: Ihre letzten zehn Einzel-Partien im Fed Cup hat sie allesamt gewonnen.

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