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Tennis-Talent Niklas Schell : Glaube, Härte, Hoffnung

Rückschläge inbegriffen: Niklas Schell sammelt als Jugendlicher Titel, will aber noch viel mehr Bild: Schüttler Waske Tennis-University

Von der U-16-Europameisterschaft in die Weltspitze: Niklas Schell trainiert in der Tennisakademie von Alexander Waske und will irgendwann sein Geld als Profi verdienen. Aber der Weg für ein Talent an die Spitze ist hart, voller Eigenheiten und Entbehrungen.

          Nach seinem größten Erfolg isst Niklas Schell in der Kantine Spaghetti. Er trägt einen Trainingsanzug, wie immer. Jüngst wurde Schell mit der U-16-Nationalmannschaft Europameister im Tennis. Es ist der erste Europameistertitel einer U-16-Auswahl seit sechzehn Jahren, aber Schell erzählt so unaufgeregt davon, als hätte er ein Trainingsmatch gewonnen. Die Nervosität und der Kampf um jeden Punkt verlieren sich in Zahlen. Matches werden „sieben zu fünf im dritten gewonnen“, „Zweitgesetzte“ schlagen „Erstgesetzte“ und umgekehrt, Doppel werden „verschenkt“. Einzig die Siegerehrung ist „unmenschlich“.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Schell, 16 Jahre alt, gehört zu den Nachwuchshoffnungen im deutschen Tennis. Er ist knapp 1,90 Meter groß, hat kurze, krause Haare und Hände wie Schaufeln. Trainer Jakub Zahlavi nennt seine körperliche Verfassung die eines „Elchs“. Schell trainiert an der „Schüttler Waske Tennis-University“, eine der wenigen privaten Tennisakademien in Deutschland, die im Vereinsheim des Hessischen Tennis-Verbands (HTV) in Offenbach untergebracht ist. Auch Andrea Petkovic bereitet sich dort auf ihre Turniere vor.

          Bisherige Karriere als Triumphzug

          Wie etwa 30 andere Spieler, die bei der „Tennis-University“ angemeldet sind und zum Teil dort wohnen, will Schell vom Tennis leben. Mit 16 Jahren steht er an der Schwelle, kurz vor dem Sprung zu den Profis, bei denen die Schläge hart wie Granit werden und sich die Spieler keinen Millimeter schenken. Seine bisherige Karriere liest sich wie ein Triumphzug: erster Platz bei den hessischen Jugendmeisterschaften 2010, 2011 und 2012, Ende 2013 Deutschlands Nummer eins bei den U-16-Junioren. Momentan steht er auf dem zweiten Platz. Auf Schells Internetseite sind seine Turniererfolge aufgelistet, schwarze Ziffern auf weißem Grund, darüber ein Bild, das nur aus Pokalen zu bestehen scheint.

          Im Alter von zwölf Jahren fiel sein Entschluss, Profi zu werden. Dafür hat Schell alles aufgegeben, was einen normalen Jugendlichen ausmacht. Die „Tennis-University“ besucht er seit einem Jahr, das Training findet sechs Tage die Woche statt und dauert von 9 bis 17 Uhr. Anschließend muss er sich regenerieren. Während Gleichaltrige sich abends Serien anschauen oder mit Freunden chatten, nimmt Schell heiß-kalte Duschen. Manchmal übt er für Klausuren.

          In seiner Schule, einem Sportgymnasium in Mannheim, muss er nur alle fünf Wochen anwesend sein, die Tests muss er trotzdem bestehen. Mehr als ein Realschulabschluss ist nach den Worten seines Vaters Mathias aber „nicht darstellbar“. Wenn die Turniersaison beginnt, ist Niklas Schell als Reisender im Auftrag seines eigenen Erfolgs unterwegs. Sein Leben ist präzise durchgetaktet: Frühstück um sechs Uhr, Aufwärmen um sieben, Wettkampf um neun, nach dem Match Regeneration, anschließend das nächste Match. Wenn das Turnier vorbei ist, hat er Schlagtraining: Volley, Aufschlag, Cross, Longline, Konditionstraining, Auslaufen, Regeneration. Im Urlaub: Regeneration.

          Alles ist auf den Wechsel zum Profitennis ausgerichtet. Daran sind schon viele Spieler gescheitert. Besonders schwer scheint er für jene zu sein, die ein besonderes Talent mitbringen. In den neunziger Jahren etwa gewann Daniel Elsner die US Open, die French Open und das Wimbledon-Turnier der Junioren - mit 18 Jahren. Er galt als kommender Boris Becker. Zeitungen ließen ihn hochleben, Sponsorenverträge seinen Kontostand in die Höhe schnellen, der Boden für eine kometenhafte Karriere war bereitet. Als Profi aber konnte sich Elsner nie etablieren. „Ich hatte im Hinterkopf, dass ich der Beste bin. Ich habe gedacht, bei den Challenger-Turnieren haue ich alle weg“, sagte Elsner später. Aber fast alle hauten ihn weg. Platz 92 in der Weltrangliste, das war sein bestes Ergebnis. Enttäuschend, gemessen an seinem Talent.

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