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Tennis : Legenden auf Urlaub

Den Ball noch immer fest im Blick: Björn Borg Bild: AFP

Auch wenn die letzte Fitness fehlt und zwischen den Ballwechseln manchmal lange Verschnaufpausen nötig sind: bei der „Champions Trophy“ ist Björn Borg der Star der ehemaligen Tennismeister.

          3 Min.

          Auf Kopfhöhe ist Pat Cash noch ganz der Alte, auf Bauchhöhe nicht mehr ganz der Jüngste. Von Angesicht zu Angesicht kann man sich leicht täuschen lassen von der scheinbaren Jugendlichkeit des Australiers, der wie in seinen besten Tenniszeiten ein schwarzweiß kariertes Tuch um den Kopf gebunden hat und weiter die große Geste beherrscht, das Utensil zu seinen Anhängern auf die Tribüne zu werfen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber in der Körpermitte, da zeigt sich dann doch, dass die Jahre nicht spurlos vorübergezogen sind an dem ehemaligen Tennisprofi. Das blaue T-Shirt spannt nicht nur an Cashs Oberarmen, sondern ist auch an seinem Bauch enger anliegend als früher. Es ist ja auch schon zwanzig Jahre her, dass Pat Cash in der Blüte seiner Tennisjahre stand. Dass er im Wimbledonfinale 1987 den großen Ivan Lendl bezwang.

          Koketterie mit dem Alter

          Auch wenn die letzte Fitness fehlt, auch wenn er zwischen den Ballwechseln manchmal so lange Verschnaufpausen einlegt wie heutzutage Rafael Nadal - sein Händchen fürs Tennis hat der mittlerweile 42 Jahre alte vierfache Familienvater behalten. Es reichte zwar nicht, um den eineinhalb Jahre jüngeren, weiterhin gertenschlanken Niederländer Paul Haarhuis am ersten Tag der "Champions Trophy" in der Frankfurter Ballsporthalle zu besiegen. Aber für Pat Cash, der dem Publikum schauspielerische Einlagen bietet und mit seinem Alter kokettiert, wenn er sich, sich auf sein Racket stützend wie ein gebrechlicher Mann, zur Grundlinie schleppt, geht es vor allem um viel Spaß.

          Der eine oder andere Konkurrent sieht die ganze Sache etwas verkniffener als der Australier, der daheim in seiner Band "Wild Colonial Boys" Gitarre spielt. "Siebzig Prozent Ernst, dreißig Prozent Spaß", so beschreibt Goran Ivanisevic seine Einstellung zu der "Tour of Champions", deren drittletztes Turnier seit Donnerstag in der Ballsporthalle stattfindet. So richtig verbissen sei aber eigentlich nur einer in dem Senioren-Zirkus, sagt der kroatische Wimbledonsieger von 2001 und Titelverteidiger von Frankfurt. "Wenn John McEnroe den Platz betritt, hat jeder Spaß ein Ende." Der Amerikaner, der in Frankfurt aussetzt, hat sich eben keinen Deut geändert in all den Jahren und Jahrzehnten.

          Freude am Wiedersehen

          Björn Borg indes zeigt in der Ballsporthalle, dass er sich gewandelt hat; nicht nur, weil seine Vorhand etwas langsamer übers Netz fliegt als früher, nicht nur, weil seine beidhändige Rückhand nicht mehr gar so brandgefährlich ist. Der Schwede, mit 51 Jahren der Senior unter den Senioren, macht mittlerweile sogar gute Miene zum schönen Spiel. "Ice Borg", wie der elfmalige Grand-Slam-Turniersieger früher genannt wurde, schmilzt heutzutage vor Anerkennung schon mal dahin, wenn seinem Gegner ein feiner Schlag gelingt. Und eine Niederlage wie am Donnerstagabend zum Auftakt der "Champions Trophy" gegen seinen Landsmann Anders Jarryd wirft Borg auch nicht mehr aus der Bahn.

          "Wir haben auf einem sehr guten Level gespielt", behauptete der fünfmalige Wimbledonsieger, der gegen den fünf Jahre jüngeren Jarryd nach gewonnenem ersten Satz geschafft war und verlor. Die Zuschauer hatten trotzdem ihre Freude am Wiedersehen mit jenem Mann, um den sich beim Frankfurter Seniorenturnier alles dreht. "Borg is back", lautet das inoffizielle Motto, denn Borg zieht immer, selbst wenn die sieben Gegner, die bis zu 15 Jahre jünger sind, doch etwas wuchtiger auf die Filzbälle hauen. Weil der Weltstar aus Schweden einfach dazugehört, wenn sich die ehemaligen Branchengrößen treffen, muss er sich auch nicht für das Senioren-Masters Anfang Dezember in London qualifizieren, sondern hat eine Wildcard des Veranstalters sicher.

          Pure Erholung

          Andere, wie Michael Stich, der mit einem Erfolg gegen den Niederländer Richard Krajicek um Mitternacht ins Turnier startete, oder Thomas Muster, der zum Frankfurter Turnierauftakt Ivanisevic unterlag, dürfen sich aufgrund ihrer Erfolge auf der "Tour of Champions" auch auf ein Gastspiel in London einrichten. Entsprechend locker gaben sie sich bei ihren Auftritten in der Ballsporthalle.

          Der 39 Jahre alte Stich, der an diesem Samstag auf Borg trifft, flachst fleißig herum, und für den 35 Jahre alten Ivanisevic ist das Frankfurter Turnier pure Erholung. Vor vier Wochen ist er zum zweiten Mal Vater geworden, und an Schlaf war so wenig zu denken wie an Training. Auch für Muster, French-Open-Sieger von 1995, ist der Wettbewerb "Urlaub", in dem er "Spaß haben" wolle. Zwar ist auch der vierzig Jahre alte Österreicher ein Stückchen von Bestform und Idealgewicht entfernt. Aber er ist fitter als vor fünf Jahren, als er für seinen Einstieg in die Seniorentour abgespeckt hat. Und zwar 23 Kilogramm.

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