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Tennis-Interview mit Django Asül : „Ich habe gegen Federer eine positive Bilanz“

  • Aktualisiert am

Kabarettist Django Asül: Fastenprediger auf dem Münchner Nockherberg Bild: dpa

In Wimbledon kann es für Django Asül nur einen Sieger geben: Roger Federer. „Erstmals gibt es einen Spieler, der technisch perfekt ist“, sagt der Kabarettist, der früher Tennislehrer war, und Federer schon mal schlug - im Doppel.

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          Vom Tennislehrer zum Kabarettisten: Django Asül schwärmt im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom Schweizer Roger Federer, spielt wie der Spanier Nadal und bedauert deutsche Profis.

          Dieter Hildebrandt hat Tennis gespielt und darüber geschrieben, Werner Schneyder ebenfalls, Sie sind seit mehr als zwei Jahrzehnten aktiv. Was finden Kabarettisten an dieser Sportart?

          Gerhard Polt spielt auch gerne, und Thomas Reis hat als Jugendlicher sogar gegen Boris Becker gespielt. Es wäre mir aber neu, dass Tennis ein Kabarettistensport ist.

          Tennisspieler Django Asül (u.2.v.l.) mit Patrik Kühnen, Frank Wörndl, Bernd Karbacher, David Prinosil, Maurizio Gaudino, Carlo Thränhardt und Lothar Matthäus

          Würden nur Kabarettisten spielen, hätte der Deutsche Tennis Bund noch größere Probleme bei seiner Mitgliederzahl. Was fasziniert Sie, so dass Sie den Sport so lange und erfolgreich ausüben?

          „Erfolgreich" gefällt mir, das sollten wir unbedingt in der Frage drinlassen.

          Warum auch nicht? Sie haben immerhin in der Zweiten Bundesliga gespielt.

          Das war zweite Liga bei den Herren dreißig, da habe ich mit Größen wie Bernd Karbacher und ein paar anderen Ex-Profis gespielt. Wir waren ein Gaudi-Haufen. Tennis ist ein schöner Sport, bei dem man mit viel Übung und guter Physis relativ viel erreichen kann.

          Bei Klubmeisterschaften waren Sie Seriensieger.

          Ich war Autodidakt. Ich habe viel aus dem Fernsehen übernommen. Ich spiele das typische Sandplatztennis: viel laufen, kämpfen, retournieren, passieren und nur ans Netz, wenn's sein muss. Der Wille war da, und taktisch war ich gut, so dass ich gegen Leute gewonnen habe, die mehr Möglichkeiten hatten.

          Sie sind also ein Typ wie Rafael Nadal?

          Ich würde sagen, ich bin auf der Rückhand im Vergleich besser als er und auf der Vorhand nicht so gut. Aber ich habe auch mit viel Topspin gespielt, und körperlich war ich vom Fußball austrainiert. Ich war schon der Sandplatztyp. Die French Open wären mein Turnier gewesen. Ich habe irgendwann auch gemeint, das Leben als Profi wäre das Leben schlechthin. Wenn man ein paar Jahre älter geworden ist und Einblicke gewonnen hat, ist man froh, dass man kein Profi geworden ist.

          Was ist daran so abschreckend, vor vielen Zuschauern um viel Geld zu spielen?

          Ich kenne bestimmt vierzig ehemalige oder heutige Tennisprofis recht gut. Wenn man von denen mitkriegt, was das für ein zäher Kampf ist . . . Ich war 1995 live dabei, als Rainer Schüttler ein Challenger-Turnier in der Türkei gewonnen hat. Dann kriegst du mit, dass der Sieger 500 Dollar bekommt, und du kannst davon ausgehen, dass er in der Woche 1000 Dollar an Ausgaben hat plus Flug. Wenn man schaut, was ein Tennisprofi an Position 300 verdient, dann lacht man sich schief.

          Das deutsche Herrentennis steht viel besser da: Hinter Thomas Haas und Nicolas Kiefer haben sich Philipp Kohlschreiber, Florian Mayer und Benjamin Becker in der Weltrangliste emporgearbeitet. Warum ist das Interesse trotzdem relativ gering?

          Der Sport hatte eine völlig unnormale Entwicklung genommen, so dass der Absturz umso schlimmer war. Wäre Tennis auf gesunde Weise vom elitären Sport zum Volkssport gewachsen, würden wir heute wohl recht happy sein. Aber mit den grandiosen Spielern Becker, Graf und Stich hatten wir zwei Jahrhunderte in einem Jahrzehnt. Im Moment ist es so, dass es selbst niemanden großartig interessieren würde, wenn ein Deutscher Nummer zwei in der Welt wäre. Man merkt es daran, dass ein Tommy Haas mit einer grandiosen Saison nicht derjenige ist, um den sich die Leute reißen.

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