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Tennis in Stuttgart : Der „Klick“ bei den deutschen Damen

  • -Aktualisiert am

Nummer 155 lebt: Sabine Lisicki bezwang die Chinesin Na Li Bild: AFP

Vor zehn Jahren hatte Anke Huber als letzte Deutsche die Runde der letzten Acht beim Stuttgarter Tennisturnier erreicht. In diesem Jahr ziehen Andrea Petkovic, Sabine Lisicki, Kristina Barrois und Julia Görges gemeinsam ins Viertelfinale ein.

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          Mancher in Stuttgart wollte am Mittwoch schon vom „deutschen Fräulein-Wunder“ sprechen. Zuerst hatte Kristina Barrois mit dem 6:4-, 6:2-Sieg über Marion Bartoli aus Frankreich die erste Überraschung geschafft und war ins Viertelfinale des Stuttgarter Tennis-Grand-Prix vorgestoßen. Am späten Nachmittag steigerte Sabine Lisicki die Stimmung weiter. Jubelstürme begleiteten die Berlinerin, als sie nach dem überraschenden 6:4-, 7:5-Sieg gegen die Chinesin Na Li Kusshändchen ins Publikum warf. Am Abend dann trug die deutsche Nummer eins, Andrea Petkovic, ihren Teil zur Stuttgarter Partystimmung bei. Mit einem 3:6, 6:1 und 6:3 über die Serbin Jelena Jankovic zog auch sie ins Viertelfinale des mit 721.000 Dollar dotierten Turniers ein.

          Alle drei Deutschen gewannen also gegen Spielerinnen, die in der Weltrangliste höher eingestuft sind - zum Teil sogar deutlich: Andrea Petkovic (Platz 19) gegen Jelena Jankovic (8), Kristina Barrois (79) gegen Marion Bartoli (12) und Sabine Lisicki (155) gegen Na Li (6). Und es folgte sogar noch so etwas wie eine Zugabe: Julia Görges profitierte gegen Victoria Asarenka nach verlorenem ersten Satz (4:6) von der Aufgabe der Weißrussin wegen Verletzung. Im Viertelfinale trifft die Bad Oldesloerin am Donnerstag auf Sabine Lisicki. Zuletzt hatte in Stuttgart vor zehn Jahren eine Deutsche, Anke Huber, in der Runde der letzten Acht gestanden.

          „Vielleicht hat es auch durch den Erfolg im Fed-Cup bei uns allen ,Klick' gemacht“, sagte Andrea Petkovic nach ihrem wieder einmal kraftraubenden Sieg. „Ich fühle mich wie 95 und sehr müde. Heute bin ich 15 Kilometer gelaufen, im Viertelfinale müssen es sicher 20 sein.“ Dann bekommt es die 23 Jahre alte Darmstädterin mit der Weltranglistenersten, der Dänin Caroline Wozniacki, zu tun.

          Volle Konzentration und ein bisschen Glück: Julia Görges profitiert von der Aufgabe Victoria Asarenkas

          „Ich musste sechs Wochen lang mit Krücken gehen“

          Sabine Lisicki war nach ihrem Erfolg den Freudentränen nahe. Nach ihrer Knöchelverletzung vor knapp einem Jahr war sie bis auf Rang 218 abgerutscht und musste sich monatelang mühsam durch die Reha und in kleinen Turnieren zurück auf die große Bühne quälen. „Ich musste sechs Wochen lang mit Krücken gehen, ohne Geduld wäre ich nie im Leben zurückgekommen“, sagte sie. Jetzt, ergänzte sie, fügen sich offenbar die „kleinen Puzzleteile immer mehr zusammen“. An diesem Tag wusste sie schnell um ihre große Chance. Mit zwei Breaks gewann Sabine Lisicki Satz eins und kämpfte sich im zweiten über ein 5:5 zum verdienten Matchgewinn. „Das war mein bester Sieg seit zwei Jahren“, meinte sie - ihre Aufholjagd will sie natürlich fortsetzen. „Ich fühle mich derzeit als Jägerin, vom Niveau her bin ich sicher nicht die Nummer 150“, sagte sie.

          Zuvor hatte schon die Geschichte von Kristina Barrois für Aufsehen gesorgt, die zuhause um ihre schwer an Krebs erkrankte Mutter bangt. „Ich versuche mich sehr zu konzentrieren, wenn ich auf dem Platz stehe“, sagte die 29 Jahre alte Bundesligaspielerin des TEC Waldau-Stuttgart, die als Regierungsinspektorin vom saarländischen Innenministerium weitere drei Jahre freigestellt ist. „Zuhause machen wir eine schwere Zeit durch. Meine Mutter hat einen Hirntumor, und es wird seit einem halben Jahr jede Woche schwieriger.“ Kristina Barrois hatte mit Tränen zu kämpfen, als sie davon erzählte. „Wir haben eine große Familie daheim, die viel hilft“, sagte sie. „Wenn ich zuhause bin, ist es sehr stressig, auch deshalb tut jeder Sieg gut.“

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