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Tennis in New York : Grünes Licht für die US Open

Novak Djokovic versteht die Aufregung nicht: „Man braucht seinen Trainer, dann einen Fitnesstrainer, dann einen Physiotherapeuten.“ Bild: AP

Riss in der Rangliste: Die US Open der Tennisprofis sollen wie geplant stattfinden, doch längst nicht alle Spieler sind begeistert. An Djokovics Haltung scheiden sich die Geister.

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          Boris Becker war sofort begeistert. „Bravo!“, kommentierte der deutsche Tennis-Heroe via Twitter kurz und knapp, kaum dass die ersten verlässlichen Berichte über die Ansetzung der US Open im Internet aufgetaucht waren. Nach Monaten des Stillstands, nach der Verlegung der French Open und der Absage von Wimbledon, bekommt der Tennissport wieder einen Grand-Slam-Höhepunkt.

          Am Montag beschloss der veranstaltende amerikanische Tennisverband USTA, das Turnier in New York wie geplant austragen zu wollen. Ohne Fans zwar und unter strengen Hygieneauflagen, aber eben doch pünktlich vom 31. August an. Geplant ist, dass die Spieler in einem Flughafen-Hotel untergebracht werden und nahezu keinen Zugang zu Manhattan haben sollen. Und noch bevor der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo am Dienstag dem Vorhaben zustimmte, trudelten umgehend die ersten Reaktionen aus der Tennisszene ein.

          Dabei fiel die Bewertung der Entscheidung keineswegs überall positiv aus. Stattdessen wurde offenbar, was schon in den vergangenen Wochen immer deutlicher zutage getreten war: Im Lager der Spielerinnen und Spieler hat sich eine oppositionelle Gruppe geformt. Und auffälligerweise verläuft die Trennlinie zwischen Kritikern und Befürwortern des von den US Open präsentierten Konzepts zumindest in Teilen entlang der Weltrangliste. Während sich in den hinteren Regionen der Rangliste viele Akteure angetan von der angestrebten Austragung eines offiziellen Wettbewerbs zeigten, gehören gerade die Topkräfte bei Frauen und Männern zu denen, die ihren Unmut über die besonderen Umstände der Veranstaltung äußern.

          Denn die Liste derer, die sich zuletzt mindestens skeptisch bezüglich der Pläne der US Open geäußert hatten, ist lang und illuster. Unter anderem die Ankündigung, dass die Spieler für die Dauer des Turniers jeweils nur eine Person als Begleiter nominieren dürfen, stieß vielen auf. Besonders den Spitzenkräften, die es längst gewohnt sind, mit einer kompletten Entourage an Trainern und Betreuern daran zu arbeiten, die eigene Leistungsfähigkeit zu maximieren.

          Deutschlands Topspieler Alexander Zverev betonte zuletzt, dass sich die Spieler „unter diesen Umständen nicht wohl fühlen werden im Umfeld des Turniers“. Der Österreicher Dominic Thiem, Australian-Open-Finalist und zurzeit die Nummer drei der Welt, stimmte ihm zu und kündigte sogar an: „Einige Umstände müssten sich ändern, damit es Sinn macht, dort anzutreten.“

          Während mit der Rumänin Simona Halep und der Australierin Ashleigh Barty außerdem zwei ehemalige Grand-Slam-Siegerinnen ihre Bedenken gegen den Restart in New York kundtaten, sorgte jedoch kaum jemand für eine größere Kontroverse als Novak Djokovic. Der Weltranglistenerste aus Serbien hatte seit der Unterbrechung der Profitouren im März immer wieder polarisiert. Etwa mit einem Outing als Impfgegner oder mit seinem öffentlichen Werben für esoterische Wundermittel. Zuletzt dann mit der Ausrichtung einer prominent besetzten Schauturnierserie auf dem Balkan, bei deren erster Station in Belgrad Hygienevorgaben und soziale Distanz keinerlei Rolle mehr zu spielen schienen.

          Gegenwind aus den eigenen Reihen

          Djokovic ist Präsident des Player Council im Profiverband ATP. Als solcher ist er eigentlich der oberste Interessenvertreter der Spieler. Als jedoch in der Vorwoche eine Telefonkonferenz anstand, bei der alle Aktiven über die Pläne für die US Open informiert wurden, spielte Djokovic lieber Fußball mit den Teilnehmern seiner „Adria Tour“. Schon das nahmen ihm einige seiner Tenniskollegen übel. Dazu kam seine Ablehnung der strengen Vorgaben für das Grand-Slam-Turnier in New York, die er öffentlich zur Schau stellte. „Ich meine, man braucht seinen Trainer, dann einen Fitnesstrainer, dann einen Physiotherapeuten“, sagte Djokovic unter anderem.

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          Dieses vermeintliche Luxus-Problem bescherte ihm nun deutlichen Gegenwind aus den eigenen Reihen. Zum Beispiel von der Amerikanerin Danielle Collins. „Und dann kommt der beste Spieler der Welt und sagt, dass es schwierig sei, weil er nicht seine gesamte Entourage mitbringen könne“, schrieb die Weltranglisten-51. süffisant in einem langen Statement in den sozialen Netzwerken. Es sei nun mal alles recht einfach, wenn jemand 150 Millionen Dollar verdient habe. Doch „normale“ Tennisprofis müssten nach Monaten ohne Einnahmen nun mal „wieder arbeiten“.

          Noch zu Beginn der Corona-Krise hatte sich Djokovic an der Seite seiner großen Dauerrivalen Roger Federer und Rafael Nadal maßgeblich für einen Hilfsfonds für finanziell weniger gut gestellte Spieler eingesetzt. Nun sieht er sich aus genau diesen Kreisen mit Kritik konfrontiert. Er wird damit zur Projektionsfläche für die drohende Konfliktlage bei der angestrebten Rückkehr des Grand-Slam-Tennis. Die Begeisterung von Boris Becker teilt eben derzeit noch nicht jeder.

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