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Tennis in Madrid : Nadal verzaubert die „magische Box“ - und verliert

  • -Aktualisiert am

Platt wie eine Flunder: Rafael Nadal gab in Madrid alles - es reichte am Ende nicht ganz Bild: AP

Auf Sand ist Nadal eigentlich unbezwingbar. Doch das großartige Halbfinale gegen Novak Djokovic kostete den Lokalmatadoren zu viel Kraft: Im Endspiel von Madrid verlor der Spanier erstmals nach einem Jahr auf Sand – gegen Roger Federer.

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          Selbst einige der 12.500 spanischen Fans im futuristischen Tennisstadion namens „Caja Magica“ hatten Mitleid mit dem Widersacher ihres Lieblings. Sie jubelten Novak Djokovic zu, der zuvor über vier Stunden lang im besten Sandplatzmatch der Saison gegen Rafael Nadal gekämpft und gelitten hatte. Er hatte den spanischen Weltranglisten-Ersten am Samstagabend immer wieder kreuz und quer über den Platz gejagt, mit frechen Stoppbällen gepiesackt und ihn manchmal sogar vorgeführt.

          Er hatte Krämpfe im Oberschenkel ausgehalten und manche unschöne Jubelattacke des Publikums – etwa bei seinen sehr wenigen leichten Fehlern. Er spielte, wie er es später selbst formulierte, „über dem Limit“. Doch all das half nicht. Am Ende gewann nicht er, sondern Nadal 3:6, 7:6, 7:6. Nach vier Stunden und drei Minuten zog der Spanier ins Finale des mit 3,6 Millionen Euro dotierten Masters-Turniers von Madrid ein, dort war Roger Federer am Sonntag ein zu starker und vor allem zu ausgeruhter Gegner. Der Schweizer bezwang den Spanier in 86 Minuten 6:4, 6:4. Es war es der erste Turniersieg für Federer in dieser Saison (siehe auch: Sport kompakt: Bolt flitzt - Boll gewinnt - Calmund stolz).

          Auf Sand ist Nadal eigentlich unbezwingbar. Die letzte Niederlage auf seinem Lieblingsbelag kassierte der Zweiundzwanzigjährige zuvor im Mai 2008 in Rom gegen Landsmann Juan-Carlos Ferrero. Allerdings trat er damals mit einer großen Blase unter dem Fuß an und konnte kaum laufen. Seitdem hat er auf der roten Asche alles gewonnen, nämlich 33 Partien in Folge. Sechs Siege dieser Serie gelangen ihm gegen Novak Djokovic. Doch keiner war so umkämpft wie der von Madrid, der die Zuschauer zu Jubelstürmen hinriss, wie man sie sonst höchstens in spanischen Fußballstadien erleben kann.

          „Ich komme nicht gut mit der Höhenlage von Madrid klar“

          Nadal, König der Sandplätze, wackelte, viele sahen ihn schon am Boden liegen, aber er rappelte sich immer wieder auf, bis zum letzten Ballwechsel. Drei Matchbälle wehrte er ab, zwei auf bemerkenswerte Weise. Djokovic diktierte diese Ballwechsel, er war am Drücker, aber Nadal befreite sich aus der Umklammerung und konterte aus der Defensive heraus mit wuchtigen Vorhandhieben – das Publikum tobte: „Rafa, Rafa!“ Irgendwann stand der Serbe hilflos auf dem Platz, zuckte mit den Schultern und blickte nach oben. Es war, als ob er eine höhere Macht anflehe, ihm doch bitte den entscheidenden Tipp zu geben, um diesen Nadal zu bezwingen. „Sollte ich noch einmal gegen ihn so weit kommen und Matchball haben, probiere ich es mit zwei Schlägern“, witzelte Djokovic nach dem Spiel.

          Über weite Strecken der Partie war er der bessere Mann auf dem Platz, bei Nadal stimmte anfangs die Feinjustierung nicht. Immer wieder unterliefen ihm, vor allem mit der Vorhand, einfache Fehler. Schon im Viertelfinale gegen Fernando Verdasco hatte er den Ball ungewöhnlich oft falsch getroffen. „Ich komme nicht gut mit der Höhenlage von Madrid klar“, sagte Nadal. Wegen der 700 Höhenmeter würden die Bälle anders, nämlich höher, abspringen. Anfang des zweiten Satzes ließ er sich sich am Oberschenkel behandeln. Danach fand er besser ins Match, drosselte die Fehlerquote und bewegte sich besser.

          „Ich liebe diese Spiele: Immer kämpfen, nie aufgeben, sich reinhängen – das ist meine Motivation“, sagte Nadal. Dennoch ist es erstaunlich, dass er diese engen Matches am Ende fast immer gewinnt – wie gegen Roger Federer im Wimbledon-Finale 2008 oder das über fünf Stunden dauernde Halbfinalmatch gegen Verdasco bei den Australian Open 2009. Zumal in einer Woche ja die French Open beginnen, Nadals Lieblingsturnier, das er in diesem Jahr als erster Spieler der Geschichte zum fünften Mal in Folge gewinnen kann. Doch dass Nadal ein Match einfach laufen lässt, um sich zu schonen für das wichtigere Großereignis in Paris, ist schier nicht vorstellbar. „Ich will einfach immer gewinnen“, lautet seine Erklärung für die vielen erfolgreichen Kraftakte.

          Nadal ist die wichtigste Person für das neue Superturnier

          „Nadal siegte in einer Partie für die Historie“, schrieb die Sport-Tageszeitung „Marca“ am Tag nach dem Match. „Nadal überlebt einfach immer“, titelte „El País“. Und Turnierdirektor Manolo Santana ließ sich zu der Aussage hinreißen, Nadal sei „die wichtigste Person Spaniens, die es im Moment gibt“. Das war gewiss etwas übertrieben – was aber stimmt: Nadal ist die wichtigste Person für das neue Superturnier in Madrid, dessen Macher, Ion Tiriac, es zum „besten Turnier der Welt“ deklariert hat (siehe auch: Millionen-Turnier in Madrid. „Das ist der Taj Mahal des Tennis“).

          Ohne die Nummer eins aus Spanien hätten die „Madrid Open“ nicht so einen guten Zuschauerzuspruch, den Tiriac auf etwa 150 000 Fans für die ganze Woche schätzte. Die TV-Zahlen wären schlechter, die Ausstellungsfläche wäre nicht vollständig mit Ständen besetzt und die über 400 VIP-Boxen nicht komplett ausgebucht. Vor allem aber kehrte durch Nadals großartigen Sieg über Djokovic jener Zauber ins Turnier ein, der in der unterkühlt wirkenden „magischen Box“ bisher fehlte. Zu steril und zu sehr auf VIPs bedacht sei das Turnier, urteilten Kritiker. Jetzt ist es zum Leben erwacht.

          Einen Anteil daran hatte auch ein kleiner Junge, der nach dem verwandelten Matchball von Nadal die Sicherheitsvorkehrungen überwand, sich seinem Idol um den Hals schmiss und danach dessen Jubelposen imitierte, indem er sich neben Nadal auf die Knie fallen ließ und die Arme gen Himmel reckte. Die Veranstalter ließen ihn gewähren, Fotografen hatten ihr Motiv – und schlagartig hatte das Turnier von Madrid eine fast herzliche Note.

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