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Tennisturnier in Halle : Grashüpfer Mayer zeigt es allen Zweiflern

  • -Aktualisiert am

Florian Mayer nimmt den großen goldenen Pokal aus Halle mit nach Hause. Bild: dpa

Auf Rasen gehört Florian Mayer noch immer zu den Besten: Das zeigt der Oldie und gewinnt das Finale beim Tennisturnier in Halle gegen Alexander Zverev. Dabei hilft Mayer auch die Wut im Bauch.

          Es gibt einen Schlag, den spielt nur Florian Mayer. Im Grunde stimmt das nicht ganz, denn beim inzwischen 32 Jahre alten Bayreuther unterscheiden sich eigentlich die meisten Schläge vom Gros der Tennisprofis. Seine Technik ist von jeher unorthodox. Mit seinen ungewöhnlich geraden Grundschlägen mit der extrem weiten Ausholbewegung bereitet Mayer vielen Gegnern Probleme, und um sein feines Händchen wird er beneidet. Doch dann gibt es eben jenen speziellen Rückhandschlag, den er eingesprungen und dazu beidhändig spielt – es ist Mayers Paradeschlag, niemand sonst macht dabei einen Hopser.

          Schon als er vor zwölf Jahren bei seinem Debüt in Wimbledon auf Anhieb ins Viertelfinale gestürmt war, tauften ihn die britischen Medien deshalb liebevoll „Grashüpfer“. Der Rasen, das war schon immer Mayers Wohlfühloase. Kein deutscher Profi spielte auf dem Grün in den vergangenen Jahren erfolgreicher. Umso mehr hätte sich Mayer gewünscht, dass er nun nach seiner langen Verletzungspause ein wenig Anerkennung von den deutschen Veranstaltern in Form einer Wildcard fürs Hauptfeld bekäme. Doch Halles Turnierdirektor Ralf Weber, wie auch sein Kollege Edwin Weindorfer in der Woche zuvor in Stuttgart glaubten offenbar nicht mehr an den Oldie. „Ich muss sagen, das regt mich richtig auf“, echauffierte sich der sonst so ruhige Mayer, „darüber bin ich wirklich enttäuscht.“

          Und die Wut im Bauch half. Mayer spielte beim 500er-Event in Ostwestfalen mitreißendes Rasentennis. Und er belohnte sich gestern mit dem bisher größten Erfolg seiner Karriere. Zweimal hatte es Mayer zwar ins Viertelfinale von Wimbledon geschafft, doch der 6:2, 5:7 und 6:3-Sieg über Alexander Zverev am Sonntag wog schwerer. Er war sein zweiter Turniersieg nach Bukarest 2011, aber der Titel von Halle rangiert in einer weit höheren Kategorie. Dieser Triumph tat ihm gut, und auch wenn Mayer eigentlich gar nicht der Typ dafür ist – dieses Mal spürte er ein Stück Genugtuung.

          Mayer sank an der Grundlinie auf die Knie, überglücklich. „Ich hatte das jetzt zwei Jahre, nicht vor vollem Haus zu spielen“, sagte Mayer, „ich wusste gar nicht, ob ich überhaupt nochmal spiele. Und jetzt gewinne ich hier. Unglaublich.“ Er hatte es allen noch einmal gezeigt: den Zweiflern, seinen Kritikern, den Veranstaltern – auch sich selbst. Im Spätherbst seiner Karriere hatte Mayer eindrucksvoll bewiesen, dass er es noch einmal wissen will. Dass er wieder echte Lust auf Tennis hat. Und dass auf Rasen selbst die Besten immer noch vor ihm zittern.

          Aber wer hätte es ihm verdenken wollen, wenn er nach seiner Verletzungsodyssee der letzen zwei Jahre einfach in den verdienten Ruhestand gegangen wäre? Nach den US Open im vergangenen Herbst hatte er sich einen Adduktorenanriss im rechten Oberschenkel zugezogen, war erst in diesem Frühjahr auf die Tour zurückgekehrt – nach einer zuvor bereits einjährigen Zwangspause wegen einer Schambeinentzündung. „Klar, macht man sich Gedanken mit 32, wenn man ein Dreivierteljahr verletzt ist“, sagte Mayer, „aber nach den ersten Matches merkte ich, dass ich nach wie vor dabei bin und alle Möglichkeiten habe, im Ranking zurückzukommen.“

          Mayer kennt die Ochsentour ja nur zu gut. Schon oft hatte er sich nach langen Zwangspausen durch zweitklassige Turniere und Qualifikationen quälen müssen. Und auch bei seinem letzten Comeback im Frühjahr 2015 bekam er Absagen von den deutschen Turnieren. „Eine der wenigen Wildcards ist ja immer schon für den kleinen Zverev weg“, bedauerte Mayer damals.

          Nach 1:55 Stunden verlor Alexander Zverev in Halle im Endspiel.

          Der „kleine Zverev“, das ist der 1,98 Meter große Alexander Zverev, der jüngere Bruder von Profi Mischa Zverev. Der 19 Jahre alte Hamburger gilt seit Jahren als größtes deutsche Talent und braucht nun längst keine Wildcards mehr. Durch den zweiten Finaleinzug seiner jungen Karriere nach Nizza vor vier Wochen steht Zverev am Montag erstmals in den Top 30. Im Wimbledon wird er gesetzt sein. Ein kleiner Trost für den so ehrgeizigen Teenager, der im Halbfinale mit dem Sieg über Roger Federer noch den größten Sieg seiner Karriere feierte.

          Doch er spielte erstmals gegen Mayer und der Österreicher Dominic Thiem fasste nach seiner eigenen Niederlage am Samstag treffend zusammen: „Ich habe kein Rezept gefunden, weil er genau so gespielt hat, wie ich es nicht mag.“ Zverev biss, als es fast zu spät war und wehrte zwei Matchbälle Mayers eiskalt ab. Erst der fünfte Matchball von Mayer schließlich saß. Ab Montag ist er wieder die Nummer 80 der Welt. Auf Wildcards ist der dann erstmal nicht mehr angewiesen.

          Sieger in einem dramatischen Finale: Florian Mayer.

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