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Tennis in Bad Homburg : Das wird ein Spaß

Voller Tatendrang: Mara Guth winkt ein Match gegen eine der vielen internationalen Topspielerinnen, die in Bad Homburg am Start sind. Bild: Imago

Die 17 Jahre alte Mara Guth will sich auf der Tennis-Profitour etablieren – den nächsten Schritt geht die Usingerin nun bei der Turnier-Premiere im Kurpark in Bad Homburg beim Rasenturnier.

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          Als der große Andre Agassi einst in den Achtzigerjahren zum ersten Mal Tennis auf Rasen spielte, war er nach wenigen Minuten derart entnervt, dass er danach jahrelang einen Bogen um das legendäre Turnier in Wimbledon machte. So erzählt er es in seiner Biografie. Die Bälle sprangen nicht mehr vom Boden ab, das Spiel beschleunigte sich rasant, über Jahre antrainierte Automatismen griffen nicht mehr. Das alles gefiel dem später achtmaligen Grand-Slam-Turnier-Sieger überhaupt nicht.

          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          Als Mara Guth am Mittwoch zum ersten Mal richtiges Rasentennis spielte, war sie zwar keineswegs so frustriert, dass sie aufgab. Doch nach zehn Minuten meinte auch sie leicht sarkastisch zu ihrem Trainer: „Na, das wird ja ein Spaß!“ Tennis auf Rasen ist eben speziell. Egal ob man einer der besten Spieler der Geschichte oder ein aufstrebendes Tennistalent aus dem hessischen Usingen ist.

          „Hatte nicht einmal Rasenschuhe“

          Dabei hatte Guth im Grunde sogar schon einmal auf dem grünen Untergrund gespielt. Im vergangenen Jahr – die Premiere des Frauen-Turniers in Bad Homburg war gerade aufgrund der Pandemie verschoben worden – trat sie bei der Eröffnungsveranstaltung für den neuen Center Court zu einem Show-Doppel an. Unter anderem stand sie dabei mit der früheren Wimbledonsiegerin Angelique Kerber und dem ehemaligen Australian-Open-Finalisten Rainer Schüttler auf dem Platz. „Das Problem war nur, dass ich noch nicht einmal Rasenschuhe hatte“, erzählt sie im Rückblick schmunzelnd.

          Die Möglichkeit, auf einem satten Grün Tennis zu spielen, hat man eben nicht allzu oft. Ganz besonders nicht, wenn man noch am Anfang der eigenen Tennis-Karriere steht. An diesem Sonntag beginnt auf der Anlage im Bad Homburger Kurpark das neue WTA-Turnier. Mara Guth ist auch diesmal mit dabei. Es ist das erste Mal, dass sie an einem Event der Profitour teilnimmt. Vom Veranstalter hatte sie zunächst eine Wildcard für die Qualifikation erhalten, rückte dann aber sogar noch direkt ins Hauptfeld vor. Nun winkt ein Match gegen eine der vielen internationalen Topspielerinnen, die in Bad Homburg am Start sind.

          Druck macht sie sich deshalb keinen. Auf ihrem Weg in Richtung Profitennis geht die 17-Jährige ganz bewusst einen Schritt nach dem anderen. Zwar will sie am Sportinternat in Mannheim im nächsten Jahr auf jeden Fall noch ihr Abitur machen. Die Entscheidung, eine Karriere als Leistungssportlerin anzustreben, ist aber über mehrere Jahre gereift. Das Ziel, sich eines Tages auf der Profitour zu etablieren, hat Guth klar vor Augen. „Es ist noch einiges zu tun“, sagt sie. „Aber das ist auf jeden Fall der Weg, den ich gehen möchte.“

          „Hey, du gehörst hierhin“

          Die Perspektive ist vielversprechend. Denn Guth gehört zu den hoffnungsvollsten deutschen Tennistalenten im Frauenbereich. Bei den French Open stand sie vor wenigen Wochen im Viertelfinale des Juniorinnen-Wettbewerbs. In der Weltrangliste ihrer Altersklasse kletterte sie anschließend um 18 Plätze auf Rang 22. Weil es bereits ihre zweite Teilnahme an dem Grand-Slam-Turnier in Paris war, sei sie schlichtweg nicht mehr so erschlagen gewesen von den vielen Eindrücken, berichtet sie. „Dieses Mal hatte ich wirklich das Gefühl: ‚Hey, du gehörst hierhin, du kannst hier mitspielen.‘“

          Guth spricht mit einer beeindruckenden Klarheit und Reife über ihre Erfahrungen, ihre Ziele und Pläne. „Ich bin eine sehr solide Spielerin, die sich aber bislang etwas schwertut, selbst die Initiative zu übernehmen.“ Aus diesem Grund hat sie sich auch dazu entschlossen, mit dem Regensburger Michael Geserer einen neuen Trainer zu engagieren. Der 51-Jährige hat schon mehrere Spielerinnen in die Weltspitze geführt. Julia Görges etwa, die mit ihm das Halbfinale von Wimbledon erreichte und Nummer neun der Weltrangliste wurde. Oder im vergangenen Jahr dann die Amerikanerin Jennifer Brady, die im Halbfinale der US Open stand.

          „Ich möchte einfach mal was Neues ausprobieren“, sagt Guth. „Ich brauche einen neuen Input.“ Es ist eine aufregende Zeit. Durch den Trainerwechsel steht auch ein Umzug nach Regensburg an. Außerdem steht sie im Bundesliga-Kader des TC Bad Vilbel, will Hessenliga spielen mit der U 18 ihres Heimatvereins Usinger THC und zudem international bei Turnieren antreten. „Es ändert sich gerade irgendwie alles bei mir im Leben“, sagt sie. „Ich bin gespannt, wie es wird.“

          Gespannt ist Guth auch auf ihre Premiere im Hauptfeld des WTA-Turniers von Bad Homburg. Und das, obwohl die Kulisse auf den Rängen nicht ganz so viele vertraute Gesichter für sie bereithalten wird wie ursprünglich erhofft. Viele ihrer Freunde, Fans und Familienmitglieder hatten Karten gekauft, doch wegen der Pandemie musste die Zuschauerzahl vom Veranstalter drastisch begrenzt werden. Nur 600 sind pro Tag auf der Anlage zugelassen. „Meine Oma ist leicht sauer, weil sie unbedingt sehen wollte, wie ich spiele“, sagt Guth lachend. Rasentennis ist eben etwas Spezielles. Auch für die Zuschauer.

          Zurück zu den Ursprüngen

          Deutschland macht sich grüner. An traditionsreichen Orten wie in Berlin sind neue Rasenflächen geschaffen worden, um Tennisprofis vor dem Turnier in Wimbledon den idealen Boden zu bereiten. Auch im Bad Homburger Kurpark, wo das Damenturnier an diesem Sonntag beginnt, gibt es neue Grünflächen. Allerdings markieren sie eher eine Rückkehr zu den Ursprüngen, wurde doch im Kurpark schon 1876 Rasentennis gespielt und der erste Tennisverein auf dem europäischen Festland gegründet.

          Das Bad Homburger WTA-Turnier hat das große Glück, von der Verschiebung des zu Ende gegangenen Pariser Grand-Slam-Turniers um eine Woche nach hinten nicht beeinträchtigt zu werden. Im Gegenteil: In Barbora Krejčíková wird eine frisch gekürte, zweifache Roland-Garros-Siegerin aufschlagen. Für das bis Sonntag laufende Turnier in Berlin sagten acht Top-Ten-Damen ab. Nach Bad Homburg kommen dagegen drei Wimbledonsiegerinnen – Angelique Kerber (Kiel), Petra Kvitová (Tschechische Republik) und Simona Halep (Rumänien) – sowie in der Amerikanerin Sloane Stephens und der Weißrussin Victoria Asarenka zwei weitere Grand-Slam-Champions. Das mit 235. 238 Dollar dotierte Bad Homburger Turnier hatte 2020 seine Premiere geben sollen, wurde wegen Corona aber verschoben. (kle.)

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