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Tennis-Ikone Haas vor Comeback : „Er könnte mein Sohn sein“

Vor seinem Comeback auf dem Tennisplatz: Tommy Haas in Berlin Bild: dpa

Es ist der Rest des deutschen Tennis-Sommers: Vor dem Restart der Tour gibt es in Berlin zwei Turniere – und Tommy Haas’ Mini-Comeback. Doch ein zunächst geplantes Highlight kommt kurzfristig nicht zustande.

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          Es sollte ein deutscher Tennis-Sommer werden, wie es ihn noch nie gegeben hat. Nicht einmal in Zeiten des großen Tennis-Booms hierzulande, den Zeiten von Boris Becker und Steffi Graf. Vier hochklassig besetzte Turniere binnen drei Wochen hätte der Juni 2020 normalerweise bereitgehalten. Zwei bei den Männern, zwei bei den Frauen. Und allesamt auf Rasen, dem mythischsten aller Beläge. Der Weg nach Wimbledon hätte für weite Teile der Weltelite über Stuttgart, Halle, Berlin und Bad Homburg geführt. Stattdessen kam Corona – und damit alles ganz anders.

          Was von den heißen deutschen Tennis-Wochen im Juni noch übrig blieb, ist stattdessen lediglich ein kleines Schauturnier in Berlin. Oder genauer gesagt deren zwei. Von diesem Montag an spielen in der Hauptstadt jeweils sechs Frauen und Männer kurze Einladungswettbewerbe. Bis Mittwoch auf Rasen im Steffi-Graf-Stadion, das eigentlich in diesem Jahr ein Frauen-Turnier beheimatet hätte. Von Freitag bis Sonntag dann auf einem Hartplatz im Hangar 6 des Flughafens Tempelhof. Es sind sogar jeweils einige hundert Zuschauer zugelassen.

          Zverev sagt kurzfristig ab

          Das Starterfeld dieser vom österreichischen Turnierveranstalter Edwin Weindorfer ausgerichteten „bett1aces“ ist erlesen. Und das, obwohl mit Deutschlands Topspieler Alexander Zverev einer der prominentesten Teilnehmer kurzfristig abgesagt hatte. Der 23-Jährige war zuletzt öffentlich in Bedrängnis geraten. Nach dem Wirbel um die zum Corona-Hotspot mutierte Show-Turnierserie „Adria Tour“ und um Partyvideos, die ihn kurz danach beim Bruch der selbstauferlegten Quarantäne zeigten. Jetzt will er sich lieber in seiner Wahlheimat Monaco auf das Training mit dem neuen Coach David Ferrer konzentrieren.

          „Natürlich hätten wir ihn gerne dabeigehabt – die deutsche Nummer eins, ein Aushängeschild der Veranstaltung“, sagte Turnierdirektorin Barbara Rittner der F.A.Z. Aber „aufgrund der Vorgeschichte“ habe man damit rechnen können, dass der Jungstar doch nicht nach Berlin reist. „Diese Dinge passieren im Tennis – dass Zugpferde plötzlich wegfallen. Ich bin deshalb nicht deprimiert. Wir haben tollen Ersatz gefunden.“

          Aushängeschilder des Turniers in Berlin: Julia Görges (links) und Tommy Haas
          Aushängeschilder des Turniers in Berlin: Julia Görges (links) und Tommy Haas : Bild: AFP

          Tatsächlich ist das Niveau trotz der Absagen von Zverev und auch des Australiers Nick Kyrgios, der aufgrund der steigenden Corona-Fallzahlen in seiner Heimat doch nicht anreisen kann, gehoben. Der Weltranglistendritte und Australian-Open-Finalist Dominic Thiem aus Österreich ist der Topfavorit bei den Männern. Dazu kommen mit dem für das Rasenturnier nachgerückten Italiener Matteo Berrettini (8.) ein weiterer Top-Ten-Spieler, der Spanier Roberto Bautista Agut (12.), der Russe Karen Chatschanow (15.) beim Hartplatz-Event und die deutsche Nummer zwei Jan-Lennard Struff (34.).

          Zusätzliches Highlight für die bis zu 800 Zuschauer, die im Steffi-Graf-Stadion zugelassen sind, und die bis zu 300 Fans im Tempelhofer Hangar ist ein vorübergehendes Comeback des deutschen Altmeisters Tommy Haas. Der 42-Jährige bekommt es im ersten von zwei Viertelfinals am Montag mit dem 24 Jahre jüngeren Toptalent Jannik Sinner aus Südtirol zu tun. „Er könnte mein Sohn sein“, scherzte Haas im Vorfeld. „Vielleicht kann ich ihn ein bisschen ärgern.“

          Bei den Frauen treten die deutschen Aushängeschilder Julia Görges und Andrea Petkovic gegen etliche Spitzenkräfte wie die zweimalige Wimbledon-Siegerin Petra Kvitova aus Tschechien, die Ukrainerin Elina Svitolina, die Niederländerin Kiki Bertens und die Lettin Anastasija Sevastova an. Wichtiger als der Turniersieg ist für die Spielerinnen dabei allerdings das Sammeln von Matchpraxis vor dem angestrebten Wiederbeginn der WTA-Tour im August.

          Für den Turnierveranstalter, der die Premiere des neuen Berliner Rasenturniers nun auf 2021 verlegt hat, haben die Spiele außerdem einen symbolischen Wert. „Es ist ein schönes Signal, um zu zeigen, dass es uns noch gibt“, sagt Rittner. „Die Turniere sind nur verschoben und nicht abgesagt.“ Passend dazu eröffnete Angelique Kerber am Samstag in Bad Homburg offiziell den Rasenplatz, der dort künftig die Turnier-Generalprobe für Wimbledon beheimaten soll. Der große deutsche Tennis-Sommer, er soll weiterhin kommen. Nun eben im nächsten Jahr.

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