https://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/tennis-iga-swiatek-gewinnt-turnier-in-stuttgart-und-auto-17979725.html

Tennis-Titel in Stuttgart : Wer stoppt Swiateks Siegeszug?

  • -Aktualisiert am

Hurra, gewonnen! Iga Swiatek feiert ihren Erfolg Bild: AFP

Die Weltranglistenerste im Tennis, Iga Swiatek, eilt derzeit von Sieg zu Sieg. Auch das Turnier in Stuttgart gewinnt sie souverän – und ein schnelles Auto dazu. Dazu hüpft sie lustig vor Publikum.

          3 Min.

          Wo auch immer in diesen Wochen ein großes Damentennisturnier ausgetragen wird, überall gleichen sich am Ende die Bilder. Immer ist es die selbe junge Frau, die den letzten Punkt gewinnt, danach die rechte Hand zur Faust ballt und in Richtung ihres Trainers reckt, sich mit dem Schweißband am Handgelenk über den Mund wischt und ans Netz eilt, um die Glückwünsche der unterlegenen Kollegin entgegenzunehmen, gefolgt von lustigen Hüpfern vor Publikum.

          Thomas Klemm
          Sportredakteur.

          Diese junge Frau, deren Jubel zum gewohnten Ritual wird, ist Iga Swiatek und geht nun in ihre vierte Woche als Weltranglistenerste. Dass sie sich zu einer würdigen Nachfolgerin der Knall auf Fall zurückgetretenen Australierin Ashleigh Barty entwickelt, scheint ausgemacht. Die Frage, die sich im Tenniszirkus drängender stellt: Wer um Himmels willen soll Swiateks Siegeszug stoppen? „In unserer Sportart kann jeder jeden schlagen“, behauptet die Polin. Das stimmt vorerst für die Spielerinnen von Weltranglistenplatz zwei abwärts.

          Aryna Sabalenka versuchte es zuletzt zweimal. Ende Februar in Doha war die Vierte der Weltrangliste heillos überfordert. Am Sonntag im Endspiel des Stuttgarter WTA-Turniers war sie zwar auf Swiateks aggressive Grundschläge besser eingestellt, dennoch verlor Sabalenka aufgrund vieler Fehler mit 2:6, 2:6 sogar noch einen Tick deutlicher. Die Polin holte sich somit bei ihrer ersten Teilnahme in Stuttgart Titel und Sportwagen.

          Zugleich feierte sie ihren vierten Turniersieg in Serie, nach zuvor in Doha, Indian Wells und Miami. In all den vier Finals zusammengenommen verlor sie gerade einmal 15 Spiele – das gelingt anderen nicht einmal in einem einzigen Dreisatzmatch. „Früher war mein Kopf voller Emotionen, jetzt finde ich Lösungen“, sagt Iga Swiatek. An der Erfolgssträhne hat ihre Psychologin Daria Abramowicz kräftig mitgearbeitet.

          23 Matches in Serie hat die Zwanzigjährige nunmehr gewonnen, nur die Williams-Sisters Serena und Venus haben so etwas in noch jüngeren Jahren geschafft. In Abwandlung von Gary Linekers Fußballspruch lautet das Motto der Stunde: Damentennis ist ein einfaches Spiel: Zwei Frauen jagen zwei oder drei Sätze lang einem Filzball nach, und am Ende gewinnt immer Iga Swiatek. „Sie hat auf jeden Fall noch vieles vor sich“, sagte Angelique Kerber, die der Polin Mitte März in Indian Wells unterlag.

          Teile der Tenniswelt atmeten auf

          Wie souverän Iga Swiatek am Sonntag zur Mittagszeit auftrat, war ein wenig überraschend. Am Vorabend hatte sie drei hart umkämpfte Sätze gegen Liudmila Samsonowa erfolgreich hinter sich gebracht. Das dreistündige Match voller spielerischen Höhen und Tiefen und dramaturgischen Drehungen und Wendungen sei ihr vorgekommen „wie ein Marathon“, sagte Swiatek nach dem 6:7, 6:4 und 7:5-Sieg. Nach dem nur halb so langem Endspiel dankte die Weltranglistenerste ihrem Physio dafür, sie „am Leben gehalten zu haben“.

          Auch Teile der Tenniswelt atmeten auf. Sie waren froh, dass die polnische Favoritin, die an der Kappe einen Anstecker in ukrainischen Landesfarben trug, das Turnier gewann und nicht die Belarussin Sabalenka. Denn andernfalls hätte Stuttgart jene Bilder geliefert, vor denen Wimbledon sich fürchtet – nämlich eine Siegerin oder einen Sieger aus einem Land, das gegen die Ukraine Krieg führt. Am Samstag hatte sogar eine Zeit lang ein russisch-belarussisches Endspiel zwischen Samsonowa und Sabalenka in der Luft gelegen. Diese für viele empfundene Zumutung verhinderte Swiatek mit einem Kraftakt.

          Anders als in Wimbledon dürfen Russen und Belarussen zwar auf der normalen Profitour weiter spielen. Doch Zuneigung sollten sie nicht viel erwarten. Als das Stuttgarter Publikum Aryna Sabalenka bei der Siegerehrung angemessen freundlich applaudierte, konnte sich die Belarussin eine Spitze nicht verkneifen: „Ihr hättet mich auch mal während des Matches anfeuern können.“ Stattdessen musste sie sich „Iga-“Sprechchöre anhören.

          Dass sich Sabalenka als Bürgerin einer kriegerischen Macht schwertut, zeigte sich schon in den Tagen zuvor. Als die knapp Vierundzwanzigjährige zum Wimbledon-Ausschluss befragt wurde, war ihr trotz gewählter Worte sichtlich unwohl. Die WTA als Profiorganisation reagierte darauf und nahm die Belarussin aus der Öffentlichkeit. Pressekonferenzen muss Aryna Sabalenka bis auf weiteres keine mehr geben, Einschätzungen zum Spiel verschickt die WTA an Journalisten auf Wunsch als Audiodatei: keine weiteren Fragen.

          Djokovic verpasst Titel beim Heimturnier in Belgrad

          Novak Djokovic muss weiter auf seinen ersten Titel im Jahr 2022 warten. Bei seinem Heimturnier in Belgrad musste sich der Erste der Tennis-Weltrangliste am Sonntag im Endspiel dem Russen Andrej Rubljow mit 2:6, 7:6 (7:4), 0:6 geschlagen geben. Rubljow nutzte nach 2:26 Stunden seinen dritten Matchball. Für Djokovic (34) war es die erste Final-Teilnahme in dieser Saison.

          Weil er nicht gegen das Coronavirus geimpft ist, konnte der Serbe in diesem Jahr an einigen Turnieren nicht teilnehmen. Vor den Australian Open hatte er einen Gerichtsstreit verloren und Australien vor dem Turnierauftakt verlassen müssen. In Dubai Ende Februar war der 20-malige Grand-Slam-Turniersieger überraschend im Viertelfinale ausgeschieden. In Monte Carlo war für ihn kürzlich nach wochenlanger Zwangspause unerwartet in seinem Auftaktmatch Schluss gewesen.

          Vier Wochen vor Beginn der French Open in Paris zeigte Djokovic in seiner Heimat aber ansteigende Form. Dass er in all seinen Partien jedoch über drei Sätze gehen musste, rächte sich im Finale gegen Rubljow. Zwar erkämpfte sich Djokovic mit seinem siebten Satzball im Tiebreak des zweiten Durchgangs den Satzausgleich. Danach ließ die Kraft aber nach und Rubljow zog unaufhaltsam davon. Dennoch feierten die Zuschauer ihr Idol nach der Partie mit „Nole, Nole“-Sprechchören. (dpa)

          Weitere Themen

          Wackelpartien für Nadal und Świątek

          Wimbledon : Wackelpartien für Nadal und Świątek

          Die bei den Männern und Frauen an Nummer eins gesetzten Rafael Nadal und Iga Świątek haben Mühe mit ihren Matches. Beide verlieren einen Satz. Die Vorjahresfinalistin ist dagegen ausgeschieden.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.