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Davis Cup : Hoffen auf Zverev

Eigentlich mag er das neue Davis-Cup-Format nicht, aber angesichts der allgemeinen Lage würde er diesmal vielleicht doch mitspielen: Alexander Zverev. Bild: dpa

Die Davis-Cup-Finalwoche könnte einen der wenigen Tennis-Höhepunkte des Jahres 2020 markieren. Deshalb denkt auch Zverev über eine Teilnahme nach, obwohl er den Modus nicht mag.

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          Der Blick in die Glaskugel liefert für den Tennissport dieser Tage ein äußerst diffuses Bild. Die Corona-Pandemie hat weltweit zur Aussetzung sämtlicher Turniere und Wettbewerbe geführt. Ob oder wann der Profi-Spielbetrieb in diesem Jahr noch einmal aufgenommen werden kann, weiß niemand. Vielmehr wird Tennis als globale Sportart wohl noch lange etwa unter der eingeschränkten Reisefreiheit leiden. Und doch zeichnet sich im Nebel der Ungewissheit auch ein Ereignis ab, das womöglich zu den wenigen Gewinnern der aktuellen Situation gehört. Der Davis Cup, oder vielmehr dessen Finalturnier, könnte als letztes terminiertes Event des Tennis-Jahres von der Krise profitieren.

          Das jedenfalls hofft unter anderem Michael Kohlmann, der Kapitän der deutschen Davis-Cup-Mannschaft. „Es ist mit Sicherheit eine Chance für den Wettbewerb, eine unglaubliche Aufmerksamkeit zu erlangen“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Schließlich habe sich die Lage in der Welt bis zum Termin Ende November möglicherweise wieder etwas normalisiert. Eine „Art Weltmeisterschaft“ wie den Davis Cup könne man „vielleicht sogar ohne Zuschauer ausspielen“, betont Kohlmann. „Dann hätte zumindest keine Mannschaft einen Vorteil, jede Mannschaft wäre auf neutralem Boden.“ Genau das war nach der Premiere des neuen Formats im Vorjahr, als Spanien, angetrieben vom eigenen Publikum, in Madrid triumphierte, nämlich von vielen Beteiligten kritisiert worden.

          Fußball-Star Gerard Pique, dessen Investmentfirma Kosmos die Veranstaltung finanziert, befürchtet allerdings, dass die vom 23. bis 29. November geplante Davis-Cup-Finalrunde ebenfalls nicht stattfinden könnte. „Es gibt eine große Unsicherheit“, sagt er bei Movistar-TV: „Wir versuchen, immer zu wissen, was die Regierung bezüglich des Sports sagt und ob wir Zuschauer zulassen können.“ Er persönlich sei „ein bisschen pessimistisch, weil ein Davis-Cup-Finale ohne Fans schwierig ist.“ Ähnlich hatten sich zuletzt auch die Veranstalter der French Open geäußert. Inzwischen prüfen die Pariser aber doch die Möglichkeit, ohne Fans zu spielen, um so wenigstens einen Teil der Einnahmen aus TV-Rechten und Sponsorenverträgen zu sichern.

          „Ich bin gegen das neue Davis-Cup-Format“, sagt Zverev. Aber lieber in einem ungeliebten Format mitspielen, als gar nicht spielen dürfen.

          Nachdem Wimbledon ausfällt, die French Open kurzerhand auf einen überaus fraglichen Termin im Oktober verlegt worden sind und auch die US Open im krisengeschüttelten New York bedenklich wackeln, könnte die Davis-Cup-Finalwoche im Idealfall einen der wenigen verbliebenen Höhepunkte für 2020 markieren. Und damit auch noch mehr Stars anziehen als bei der ersten Austragung. Rafael Nadal, Novak Djokovic und Dominic Thiem haben ihre Teilnahme schon in Aussicht gestellt – und selbst vom leidenschaftlichen Finalturnier-Gegner Alexander Zverev kamen zuletzt verhaltene Signale der Bereitschaft.

          „Ich bin gegen das neue Davis-Cup-Format. Ich finde einfach, dass es jetzt nicht mehr der echte Davis Cup ist“, stellte der deutsche Topspieler zwar gegenüber dem „Kicker“ unverändert verbittert klar. Nicht jedoch, ohne gleichzeitig einzuräumen: „Wenn wir bis November kein Turnier spielen und in Madrid das erste Turnier ist, wäre ich aber schon heiß, wieder einmal Tennis zu spielen. Deswegen müssen wir mal schauen.“

          Kapitän Kohlmann ist in jedem Fall überzeugt, dass die Chancen, den deutschen Topspieler doch einmal zum Mitwirken bei dem Event zu bewegen, durch die derzeitige Spielpause zumindest gestiegen sind. „Wenn das eines der wenigen Turniere darstellt, die stattfinden, würde ich persönlich optimistisch in so ein Gespräch mit Sascha reingehen“, erklärt er. Die schwere Vorrundengruppe mit Serbien und Österreich – und damit möglicherweise Djokovic und Thiem als Gegnern – sei dabei ein Pluspunkt. „Ich glaube, dass gerade das für Sascha auch eine Herausforderung wäre“, sagt Kohlmann. „Er misst sich ja am liebsten mit den absolut Besten der Welt. Und die beiden sind definitiv zwei der Besten.“

          Bis es so weit ist, muss allerdings noch einiges geschehen im derzeit quasi brach liegenden Tennissport. Das zarte Signal zum Neustart, das am vergangenen Wochenende von einem Schauturnier im rheinland-pfälzischen Höhr-Grenzhausen ausging, ist immerhin ein Mutmacher. Rund um den Globus sollen in den kommenden Wochen ähnliche Events folgen. Auch der Deutsche Tennis Bund (DTB) legt ab dem 8. Juni eine nationale Turnierserie unter besonderen Bedingungen auf. Zverev, der sich zuletzt in der Nähe von Tampa/Florida fit hielt, ist nicht dabei. Immerhin: Seine Lust auf Tennis unter Wettkampfbedingungen dürfte aber weiter steigen.

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