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Tennis : Hewitt entthront den König von Halle

  • -Aktualisiert am

Kuss des Überraschungssiegers: Hewitt besiegt FEderer auf dessen Lieblingsbelag Bild: dpa

Lleyton Hewitt ist der Überraschungssieger von Halle. Erstmals seit 2002 verliert Roger Federer beim deutschen Rasenturnier auf seinem Lieblingsuntergrund - ein nächster Rückschlag für den Schweizer.

          3 Min.

          Roger Federer hat den nächsten Rückschlag einstecken müssen. Nach Verlust seines French-Open-Titels und des Spitzenplatzes in der Weltrangliste ging am Sonntag eine weitere glanzvolle Serie des Schweizer Stilisten vollkommen überraschend zu Ende. Nach fünf Turniererfolgen in Halle, nach 29 in Siegen Folge auf dem Rasenplatz im Gerry-Weber-Stadion verlor der Baseler erstmals wieder ein Match in Ostwestfalen. Das war ihm zuletzt 2002 gegen den Deutschen Nicolas Kiefer passiert. Federer unterlag am Sonntag einem Gegner, den seit 2003 fünfzehn Mal nacheinander besiegt hatte, dreimal davon allein in Wimbledon. Lleyton Hewitt, ein ehemaliger Weltranglistenerster, der auf Platz 32 zurückgefallen ist, gewann am Sonntag nach 2:21 Stunden das Finale des Wimbledon-Aufgalopps mit 3:6, 7:6 (7:4) und 6:4. Der Australier aus Adelaide ist damit erst der zweite Spieler nach Rafael Nadal (Wimbledon 2008), der Federer seit 2003 auf dem einzig natürlichen Tennisboden besiegen konnte.

          Federer war mit einer Bilanz von 76:1-Siegen (bei nur einer Niederlage im Wimbledon-Finale 2008 gegen Nadal) seit 2003 auf Rasen als haushoher Favorit in dieses Endspiel gegangen - eine Rolle, die der sechsmalige Wimbledonsieger nur im ersten Satz gerecht wurde. Schon im zweiten Satz häuften sich bei Federer die Fehlschläge, vor allem mit seiner Vorhand, ansonsten sein Paradeschlag, fehlte ihm das Timing. Zudem wirkte der 28-jährige Baseler viel zu zögerlich, rückte nur selten entschlossen nach und überließ im zweiten Durchgang zunehmend dem Wimbledonsieger von 2002 die Initiative.

          Dennoch hatte der Weltranglistenzweite im zweiten Satz noch die Riesenchance, das Match für sich zu entschieden. Doch nachdem er beim Stand von 4:4 und 15:40 gegen den aufschlagenden Hewitt drei Breakpunkte nicht nutzen konnte, wendete sich das Blatt zu Gunsten des Außenseiters. Im Tiebreak war der Profi vom fünften Kontinent schnell auf 6:1 enteilt. Federer konnte zwar noch auf 4:6 verkürzen, aber mit einem seiner insgesamt gut vierzig vermeidbaren Fehler gab er erstmals in dieser Woche einen Satz ab.
          Aber es kam für Federer noch schlimmer. Er verlor gleich sein erstes Aufschlagspiel im dritten Satz und hatte danach fast in jedem Aufschlagspiel große Mühe. Hewitt war im Entscheidungssatz eindeutig der Bessere in einem keineswegs hochklassigen Finale. Er kassierte für seinen 27. Turniersieg, seinen siebten auf Rasen 113 600 Dollar Siegprämie. Es war sein erster Turniersieg seit mehr als einem Jahr. Im April 2009 hatte er in Houston triumphiert.

          Vergeblich gestreckt: Federer verliert das Finale von Halle
          Vergeblich gestreckt: Federer verliert das Finale von Halle : Bild: dpa

          Nicht mehr der Dominator

          Federer wartet dagegen seit seinem 16. Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnier, dem Sieg bei den Australian Open Anfang des Jahres, auf einen weiteren Turniererfolg. Die Schlappe gegen Hewitt war bereits seine achte Niederlage in diesem Jahr. Mit der Hypothek so vieler unerwarteter Ausrutscher geht er nun ins Wimbledonturniere (21. Juni bis 4. Juli). Dennoch wirkte er nach dem Rückschlag von Halle ausgesprochen gefasst: „Ich habe zwei Sätze gut gespielt. Aber wenn Lleyton ins Spiel findet, ist er schwer zu schlagen“, sagte Federer. Als fairer Sportsmann vergaß er zu erwähnen, dass er mit seiner Fehlerhaftigkeit seinem Gegner die Arbeit überraschend leicht machte.

          Dass Federer auch auf Rasen nicht mehr der große Dominator ist, hatte sich bereits am Samstag im Halbfinale gegen Philipp Petzschner gezeigt. Der Bayreuther schaffte im ersten Satz, was seit 2006 keinem Gegner Federers in Halle mehr gelungen war: Er nahm dem vermeintlichen „Rasenkönig“ im ersten Satz gleich zweimal seinen Aufschlag ab. Dass es dennoch beim 6:7, 4:6 nicht zu einem Satzgewinn reichte, lag auch wohl daran, dass der Franke zuviel Respekt vor dem großen Namen hatte. „Die Woche war sehr gut. Ich habe gegen den besten Rasenspieler mithalten können. Ich habe mich gut verkauft, und ich glaube, ich bin bereit für Wimbledon“, sagte der 26-jährige Petzschner. Auch vom großen Meister gab es ein Lob für den Deutschen: „Er war nicht weit weg. Er hat Potential und Talent.“

          Aber Petzschner war nicht der einzige Deutsche, der in Halle positiv auf sich aufmerksam machte: Benjamin Becker war im Halbfinale gegen Hewitt nach gewonnenem ersten Satz und einem 3:3-Zwischenstand im Tiebreak nur vier Punkte vom Sieg entfernt, doch am Ende setzte sich die Routine Hewitts mit 6:7, 7:6 und 6:2 durch. Zwei Deutsche im Halbfinale, gar fünf im Viertelfinale, dazu Rainer Schüttler, der beim gleichzeitig laufenden Turnier im Londoner Queen‘s Club erst im Halbfinale vom Amerikaner Sam Querry gestoppt wurde - die deutschen Tennisprofis scheinen für Wimbledon gerüstet, etwas, was man von Federer nicht behaupten kann.

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