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Fed-Cup gegen Tschechien : Eine Fifty-Fifty-Partie

  • -Aktualisiert am

Zuversichtliches deutsches Tennis-Team (v.l.): Anna-Lena Grönefeld, Tatjania Maria, Angelique Kerber, Julia Görges und Teamchef Jens Gerlach Bild: dpa

Es gibt keine Mannschaft im Fed Cup, die stärker eingeschätzt wird als die Tschechinnen in Bestbesetzung. Die Deutschen hoffen im Halbfinale auf den Heim-Effekt.

          Vor dem hinteren Eingang der Arena stehen Kisten, Kästen und Blumenstöcke, in den Fluren werden Stände aufgebaut und Planen verlegt, es wird gehämmert, geschraubt und gerückt. Bald soll alles passen für ein Ereignis, das der Deutsche Tennis Bund in dieser Form seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr erlebte, ein Heimspiel im Fed Cup um den Einzug ins Finale. Wenn sich die Mannschaften aus Deutschland und Tschechien am Wochenende in der Stuttgarter Porsche Arena begegnen, wird es das erste Halbfinale als Gastgeber seit 1994 sein, und das fällt damit fast schon unter die Rubrik historische Dimensionen.

          Damals gehörte Barbara Rittner zum Team, die nach 13 Jahren auf der Bank nun seit acht Monaten Chefin des deutschen Frauentennis ist. Kapitän der Mannschaft ist der 44 Jahre alte gebürtige Stuttgarter Jens Gerlach, der vor zwei Monaten im Viertelfinale einen bemerkenswerten Einstand im Fed Cup erlebte. Ohne Julia Görges und Angelique Kerber war er Anfang Februar zum Auswärtsspiel nach Weißrussland gefahren, doch die Truppe gewann auch dank eines bemerkenswerten Debüts der jungen Antonia Lottner und nach einem nervenaufreibenden Doppel von Tatjana Maria und Anna-Lena Grönefeld. Maria und Grönefeld gehören auch diesmal in Stuttgart zum Team, Lottner ist als Trainingspartnerin dabei, und diesmal sind auch Görges und Kerber wieder im Spiel.

          Und ähnlich wie vor zwei Wochen beim Davis Cup in Valencia weist allein schon die Besetzungsliste auf beiden Seiten recht plakativ auf die zu erwartende Spannung, die Qualität des Wochenendes hin. Auf der deutschen Seite die Nummern 11 und 12 der Weltrangliste, bei den Tschechinnen 6 und 10, Karolina Pliskova und Petra Kvitova, dazu Barbora Strycova (26) und Katerina Siniakova (52).

          Dreimal in den vergangenen vier Jahren gewannen die Gäste den Fed Cup, darunter 2014 in Prag gegen die Deutschen mit den Einzelspielerinnen Kerber und Petkovic. In der Welt des Tennis gibt es keine Mannschaft, die stärker eingeschätzt wird als die Tschechinnen in Bestbesetzung. „Es ist ein tolles Gefühl, eine Mannschaft mit so viel Qualität zu haben“, sagt deren Kapitän Petr Pala, der auch vor vier Jahren in Prag Chef gewesen war.

          Jens Gerlach hatte das Finale damals zu Hause am Fernseher gesehen, diesmal wird er zum ersten Mal als Kapitän bei einem Heimspiel auf der deutschen Bank sitzen. Er glaubt, in Prag habe der Heimvorteil der Tschechinnen sicher eine wichtige Rolle gespielt, auf einen ähnlichen Effekt hofft er diesmal zugunsten seines Teams. Prinzipiell passen mehr als doppelt so viele Zuschauer in die Prager O2 Arena wie in die Porsche Arena, aber Tennis in Stuttgart ist immer eine gute Option, begleitet und unterstützt von engagierten Zuschauern, die was von der Sache verstehen.

          Gerlach sagt, die ersten Tage dieser Woche seien harmonisch verlaufen, allen gehe es gut. Und, wie ist es mit einer Prognose fürs Wochenende? „Das sind zwei klasse Mannschaften, die sich aus meiner Sicht auf Augenhöhe befinden“, sagt der Kapitän, was einerseits logisch klingt angesichts der Klasse seiner Mannschaft, andererseits aber auch mutig und ambitioniert angesichts der Erfolge der Tschechinnen in der jüngeren Vergangenheit. Der Kollege Pala ist ebenfalls auf ein spannendes Wochenende mit engen Spielen eingestellt. „Das ist eine Fifty-Fifty-Partie. Mit einer ehemaligen Nummer eins auf einer Seite und Grand-Slam-Siegerinnen auf beiden Seiten. Aber natürlich glaube ich an unsere Stärke.“ Und seine Topspielerin Karolina Pliskova sieht in der Partie gar ein „vorzeitiges Finale“, das Spannung bis zum letzten Ball verspreche.

          Zu den Dingen, die heutzutage so ganz anders sind als 1994 beim letzten Halbfinale im Fed Cup in deutschen Landen, gehört die Veränderung der medialen Landschaft. Was seinerzeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen lief, das kommt längst auf anderen Wegen daher. Angelique Kerber schickte über die sozialen Netzwerke an ihre Fans eine Nachricht, die Spiele am Wochenende (Samstag ab 12.00 Uhr/DAZN) seien kostenlos im Live-Stream auf ihrer Facebook-Seite zu sehen. Sie folgt damit dem Beispiel einiger Kollegen, deren Spiele in den vergangenen Monaten ebenfalls über den eigenen Account live übers Netz flimmerten.

          Görges eröffnet gegen Kvitova

          Julia Görges bestreitet im Fed-Cup-Halbfinale das Eröffnungseinzel für die deutschen Tennis-Damen gegen die Tschechin Petra Kvitova. Anschließend trifft Angelique Kerber auf Karolina Pliskova. Am Sonntag kommt es zunächst zum Duell der Topspielerinnen Görges und Pliskova, ehe sich Kerber und Kvitova gegenüberstehen. Für das Doppel hat Teamchef Jens Gerlach vorerst Anna-Lena Grönefeld und Tatjana Maria nominiert.

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